Woher weiß ich, ob es gut ist, was ich mache?

Diese Frage habe ich mir in der zurückliegenden Zeit sehr häufig gestellt. Man könnte sie auch folgendermaßen nennen: Glaube ich an das, was ich tue, oder (ver-)zweifle ich vielmehr daran?

Ich befinde mich gerade in der entscheidenden Endphase meines Bachelorstudiums. Es stehen einige Entscheidungen an. Wie soll es weitergehen? Master, Volontariat, Journalistenschule? Oder doch lieber halbtags als Barista im Café jobben und nebenher als Poetry Slammer Karriere machen? Ähnlich wie Lukas in einem bisherigen Beitrag beschrieben hat, geht es auch für mich in diesem Jahr auf ins Unbekannte.

An präzisen Plänen und interessanten Ideen hat es mir noch nie gemangelt. Es ist eher so, dass sie ständig, ja fast täglich wechseln. Wollte ich eine Zeit lang nach dem Bachelor unbedingt nach Hamburg, so entdeckte ich eines Tages meine Liebe zu Wien, und München soll ja – abgesehen von den Bayern – auch angenehm attraktiv sein. Doch in diesen Fragen konnte ich bisher einigermaßen entspannt bleiben. Ich mache mir keine großen Sorgen um die Zukunft, sondern kann vergleichsweise darauf vertrauen, dass es gut wird. Weil es bisher immer so war.

Viel schwieriger wird es, wenn ich in die spannungsvolle Sphäre der kreativen Kunst eindringen will, die mich seit der Bekanntheit des Poetry Slams reizt. Habe ich einerseits allerlei Ansprüche an meine eigenen Erzeugnisse, hindern mich diese oft daran, mit einem potentiellen Projekt anzufangen. Glaube ich also selbst an meine eigenen Werke oder zweifle ich vielmehr daran? Wenn ich über Kunst schreibe, geht es bei mir dabei meistens um das Schreiben (an alle pfiffigen Pädagogen: ja wir befinden uns auf der magischen Meta-Ebene). Nicht von banalen Blog-Beiträgen, daran habe ich mich gleichermaßen gewöhnt, sondern von durch und durch durchdachten, präzise pointierten und exklusiv ersonnenen Slam-Texten (früher nannte man das auch, lässig, Lyrik oder, provozierend, Poesie).

Bisher dachte ich immer, dass Künstlern ihre Kunstwerke locker von der Hand gehen. Dass der wundervolle Welthit in seiner finalen Fassung von Anfang an im Kopf des magischen Musikers herumschwirrte. Dass Goethe’s Gedichte in einem Guss aus seiner filigranen Feder flossen. Dass Pablo Picasso seine galanten Gemälde direkt beim ersten Versuch vollendete. Ich hielt es für eine unausweichliche Utopie, dass Künstler mit einer besonderen Begabung ausgestattet sind, die ihre Kunst nicht zu anstrengender Arbeit werden, sondern einfach so nebenbei entstehen lässt.

Mittlerweile hat sich meine sorgfältige Sicht darauf geändert. Ich bin immer noch der Meinung, dass Künstler eine besondere Begabung haben. Allerdings glaube ich auch, dass hinter einem krassen Kunstwerk, eine mühevolle Menge aufopfernder Arbeit steckt. Womit wir wieder bei der Ausgangsfrage angelangt wären: woher weiß ich, ob das gut ist, was ich mache?

Neulich habe ich in meinem Lieblings-Podcast “SWR1 Leute” ein Interview mit dem Künstler HA Schult gehört. Er ist vor allem dafür bekannt, aus Müll Kunst zu machen. Sein bekanntestes Werk heißt “Trash People”. 1974 hat er dafür sogar die Abfälle von Kaiser Franz (Beckenbauer) verwendet. In dieser Folge sagte er: “Wenn ein Künstler über 50-60 Jahre ein Ziel und eine Strategie hat und diese realisiert, dann ist das ein kulturpolitischer Vorgang, aufgrund dessen er das Recht hat, der Erste gewesen zu sein.” Es braucht also einen Künstler, um Kunst zu erschaffen. Laut dem Duden ist ein Künstler eine Person, die Kunstwerke hervorbringt und über besondere Begabungen verfügt. Künstler und Kunstwerk bedingen sich also gegenseitig.

Ich glaube, dass Kunst vor allem dadurch „gut“ wird, wenn andere Menschen, es dafür halten. Diese Haltung festigte sich bereits im damaligen Deutschunterricht, als wir oftmals intratextuelle Interpretationen zu prägender Prosa und gewagten Gedichten anstellten, von denen ich gelegentlich unumstößlicher Überzeugung war, dass sich der Urheber das niemals gedacht haben konnte. Und Schüler und Lehrer darin mehr sahen, als möglicherweise intendiert war.

Nun bin ich einerseits erleichtert und andererseits aufgewühlt. Erleichtert, weil ich entweder Künstler sein muss, um Kunst zu erschaffen oder zum Künstler werde, weil ich Kunst erschaffe. Das kann mir also niemand absprechen. Was mich allerdings aufwühlt, ist der Umstand, dass Kunst nur dadurch gut wird, wenn andere Menschen etwas darin sehen. Das setzt mich ein wenig unter Druck, da ich mich in meinem Schreiben eigentlich nicht zu sehr davon abhängig machen will, wie es ankommt, sondern mich damit beschäftigen möchte, was mir auf dem Herzen liegt.

Was trotzdem nicht weg sind, sind meine Zweifel daran, ob es gut ist, was ich mache. Ich habe dafür bisher auch noch keine Lösung gefunden. Ein latenter Zweifel wird also immer bestehen bleiben. Solange ich es jedoch schaffe, die Phasen zu nutzen, an denen die Zweifel möglichst klein sind, halten sie mich wenigstens nicht davon ab, kreativ zu werden.

by spaghettihirn, der diesen Text als Kunst betrachtet, weil er darin einige Alliterationen verwendet hat. Wie viele hast du entdeckt?

Bild: Angelina Litvin

Ja, aber um welchen Preis?

Nachdem es in den letzten Wochen viel um Jahreswechsel, Jahresvorsätze, Jahresrückblicke und so weiter ging, will ich heute über ein Thema schreiben, das mich die letzten Monate sehr viel beschäftigt und bewegt hat. Ein Thema, über das es mir nicht leicht fällt zu schreiben und viel Weisheit und Nachdenken benötigt, um die richtigen Worte zu finden. Es geht um Einheit!

Vorab eine Info: Meine Meinung zu diesem Thema ist meine persönliche. Vielleicht stimmen die anderen vier aus unserem Team dieser nicht zu. Genauso wenig lässt sich meine Ansicht zu diesem Thema auf die Ausrichtung des Blogs projizieren. Vielleicht teilst du diese auch nicht. Das ist okay. Denn auf diesem Blog geht es darum, Erlebnisse und persönliche Gedanken aus unserem Leben als Christen zu teilen und neue Gedanken anzuregen.

Einheit. Vielleicht muss ich dieses Wort „Einheit“ erst einmal genauer auseinander nehmen. Der Duden beschreibt Einheit wortwörtlich als „eine in sich geschlossene Ganzheit und Verbundenheit; eine als Ganzes wirkende Geschlossenheit und innere Zusammengehörigkeit.“ 
Wenn ich in die Bibel schaue, sehe ich eigentlich keinen großen Unterschied. In seinem letzten Gebet auf Erden sagt Jesus in Johannes 17, 22-23 zu seinem Vater:

Ich habe ihnen die gleiche Herrlichkeit geschenkt, die du auch mir gegeben hast, damit sie eins sind so wie wir eins sind und damit sie die vollkommene Einheit gewinnen und die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und sie liebst.

Und im ersten Brief an die Korinther, Kapitel 1 Vers 10 schreibt Paulus:

„Sprecht alle mit einer Stimme und lasst keine Spaltungen unter euch zu! Haltet in derselben Gesinnung und Überzeugung zusammen!“

Wir merken also: Einheit ist gewollt, Einheit ist gut und Jesus selbst betet sogar dafür, das  Christen untereinander eins sind. Sie sollen die gleichen Überzeugungen und dieselbe Gesinnung (besser übersetzt mit, die gleiche Einstellung, das gleiche Ziel oder auch die gleiche geistliche Grundeinstellung) haben.

Kommen wir aber zu dem Punkt, der mich stocken lässt. Was bedeutet Einheit heute? Das Einheitsgefühl, welches Deutschland und die Konfessionen des Christentums gerade wie eine Welle überschwemmt, macht mir nicht nur Sorgen, sondern lässt mich auch meine eigenen Überzeugungen hinterfragen. Denn auf den vielen christlichen Events, Gottesdiensten oder Festivals, die ich letztes Jahr besuchte oder verfolgte, nahm ich auch wahr, das dort viele verschiedene Konfessionen, sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche, Freikirchen und verschiedene Gemeinden teilnahmen und diese auch meistens zusammen organisierten.

An sich finde ich das einen tollen Ansatz. Wir können voneinander lernen und dabei eingeschweißte Denkweisen überarbeiten. Aber natürlich fließen bei verschiedenen Konfession auch immer verschiedene Glaubensansichten mit ein. Dabei entstehen dann oft Kompromisse, besonders in der Auslegung der Bibel. In vielem gibt es dann nicht die gleichen Überzeugungen, wie es im Bibelvers weiter oben steht.

Versteht mich nicht falsch, dies ist nicht überall so und in erster Linie will ich hier nicht über Kirche und Konfessionen oder verschiedene Glaubensüberzeugungen reden, sondern über uns und wie wir zu unseren Überzeugungen stehen.

Ich denke, und das ist mir in den letzten Monaten immer deutlicher geworden , dass, wo verschiedenste Ansichten aufeinanderprallen, immer Kompromisse geschlossen werden, um den Frieden und die Gemeinschaft aufrechtzuerhalten. Das ist nicht nur im christlichen Bereich der Fall, sondern überall. Und meiner Meinung nach werfen (manche) Christen dabei schnell ihre Überzeugungen und biblische Wahrheiten über Bord. Denn Einheit ist ja schließlich das wichtigste, oder? Daran sollen Christen doch erkannt werden und sich unterscheiden. So sagt es auch der Bibelvers weiter oben. Ja, dem stimme ich zu. 

ABER: Hinterfragen wir das mal. Ist Einheit und Frieden wichtiger als biblische Grundlagen und Aussagen? Warum stehen viele Christen nicht zu dem was die Bibel sagt, sondern schneidern sich ihre eigenen Vorstellungen zusammen? Warum wird der Wert der Einheit höher gestellt als der Wert der Bibel? Einheit hat einen großen Wert und ist ein erstrebenswerter Zustand. Doch mit welchen Mitteln und unter welchen Kompromissen? Wenn Einheit bedeutet, dass Gottes Wort verharmlost oder verändert wird, kann dies nicht die Einheit sein, um die Jesus gebeten hat. 

Natürlich will ich damit nicht sagen, dass man immerzu sein Recht und seine Meinung durchsetzen muss. In Kleinigkeiten und unwichtigen Streitereien kann und sollte man auch mal den Mund halten können und nachgeben. Das ist übrigens auch ein biblisches Prinzip. Jesus hat seinen Gegenüber geachtet und akzeptiert und ihm nichts übergestülpt. 

Wie sieht es aber mit essentiellen grundlegenden Aussagen der Bibel aus? In diesem Punkt finde ich es enorm wichtig, dazu zu stehen, was die Bibel sagt und diese Aussagen nicht einfach umzudrehen, wegzulassen oder als unwichtig anzusehen, nur um das Gegenüber nicht zu verärgern.

Ich will dich mit diesen Überlegungen  ermutigen alles zu überdenken und zu prüfen, was du siehst. Wenn du merkst, das in Gemeinden und Kirchen Kompromisse geschlossen werden, die du nicht unterstützen kannst und die nicht die Aussagen der Bibel unterstreichen, dann bleibe nicht ruhig und akzeptiere dies, sondern steh auf und sage klar deine Meinung. Trau dich auf Gegenwind zu stoßen und andere mit deinen Ansichten zu verärgern. Schwimme gegen den Strom. 

Und wenn du dich jetzt fragst, wie du erkennen kannst, was wahr und was falsch ist oder wo nicht mehr die Bibel und Jesus im Mittelpunkt stehen, sondern das Einheitsgefühl, dann kann ich dir nur sagen: Lese die Bibel. Dort steht alles drin, was du wissen musst. Tausche dich auch mit älteren, gläubigen Menschen aus, die vielleicht schon viel erlebt und gelernt haben. Und bitte Gott, dass er dir Mut schenkt, für die Wahrheit einzustehen.

Eure Larissa

PS: Ich würde mich freuen, wenn du mir schreibst, was du zu diesem Thema  denkst. Vielleicht kann ich von dir auch einiges mitnehmen und lernen;)

Du erreichst mich auf Instagram unter dem Post, hier auf der Webseite oder per E-Mail an larissa@alltagspropheten.de 

Danke an Unsplash.com und Hudson Hintze für das Foto.

Nur ein Niemand – vom Versuch, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen

Schon vor längerer Zeit wurde ich auf einen Song hingewiesen, der mich so sehr inspiriert hat, wie schon lange keiner mehr zuvor. Damit das passiert, muss schon einiges zusammenkommen. Die Musik sollte eingängig, aber nicht gewöhnlich sein. Schnell mitzusingen, aber nicht langweilig und natürlich irgendwie besonders. Wenn noch dazu der Text eine tiefe Aussage in sich trägt und unvergleichlich unverkrampft mit der Musik ineinandergreift, ist es geschaffen: das Meisterwerk. So oder einen ähnlichen Prozess muss die amerikanische Rockband „Casting Crowns“ wohl durchlaufen sein, bevor sie 2018 den Song „Nobody“ veröffentlichte. Besonders der Refrain hat mich unmissverständlich angesprochen, mich inspiriert und mir eine neue Perspektive – ja fast schon eine Lebensvision offenbart. Ich bekomme immer noch jedes Mal Gänsehaut, wenn ich mir den Song anhöre. Doch bevor ich das weiter ausführe, höre lieber erstmal selbst:

Was geht dir durch den Kopf, nachdem du dir den Song angehört hast? Konntest du dich auf Text und Musik einlassen? Hast du einen Zugang gefunden? Denke noch ein paar Minuten darüber nach, falls der Song etwas in dir ausgelöst hat, bevor du weiterliest.

Was ich daran so genial finde, ist zunächst einmal der musikalische Einstieg, der mich so leicht und rhythmisch abholt und in den Song mit hinein nimmt. Dazu der Gesang in der Strophe – leicht gegenläufig zum Takt – gibt eine tolle Kombination zum mitwippen ab.

Doch was ich noch viel beeindruckender finde, ist der Refrain, der einerseits sprachlich so ausgefeilt ist und gleichzeitig eine wundersam tiefgründige Message übermittelt. Deswegen hier nochmal ein Ausschnitt:

„I’m just a nobody
trying to tell everybody
all about Somebody
who saved my soul.“

Nobody – Casting Crowns (feat. Matthew West)

„Ich bin nur ein Niemand,
der versucht allen,
alles über jemanden zu erzählen,
der meine Seele gerettet hat.“

Deutsche Übersetzung

„Ich bin nur ein Niemand.“

Wir haben in der Theater AG in der Schule einmal ein Stück gespielt, in dem eine Rolle „Paul Niemand“ hieß. Während es uns riesigen Spaß machte, mit diesem Nachnamen Wortwitze zu bilden wie „Niemand ist schon da“ oder „Niemand hört zu“ oder „Niemand hat heute Lust zu proben“, so ist es eigentlich – wenn man nicht gerade so heißt und es somit auf eine Person zutrifft – ziemlich deprimierend, wenn diese Sätze wahr wären. Wer möchte schon ein Niemand sein? Unbekannt. Unbeachtet. Ungesehen. Was ist daran schon positiv?

Mir gefällt diese Demut, direkt zu Beginn des Refrains. Wie sich der Sänger sieht. Dass er sich selbst nicht so wichtig nimmt und seinen Platz kennt. Dass er weiß, dass seine Fähigkeiten und seine Kraft begrenzt sind und nicht alles von ihm selbst abhängig ist. Mir tut es selbst immer wieder gut: mich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Einerseits hilft es mir, entspannter durch das Leben zu gehen. Wenn ich mir bewusst mache, dass ich auf viele Dinge gar keinen Einfluss habe, auch wenn ich es mir oft einbilde. Andererseits ist es heilsam für den Umgang mit meinen Mitmenschen. Wenn ich mich selbst nicht so wichtig nehme, wenn ich mich selbst nicht nur um mich selbst drehe, habe ich mehr Kapazitäten für meine Mitmenschen. Mir kommt es oft so vor, dass ich eher dazu neige, an mich selbst zu denken und an das, was ich will, als an die Bedürfnisse meiner Mitmenschen.

Nach diesem ersten Schritt steckt in dem Song noch ein ziemlich großer Auftrag drin: nämlich allen alles über jemanden zu erzählen, der irgendeine Seele gerettet hat.

Mit diesem jemand ist Jesus gemeint und die Aussage bezieht sich unter anderem auf folgende Bibelstelle:

„Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“

Matthäus 28,19 (NGÜ)

Ein ziemlich großer Auftrag, der fast schon unmöglich scheint. Aber wenn man ihn auf die ganze Menschheit bzw. alle Christen verteilt, ist er vielleicht gar nicht mehr so unmachbar, wie er im ersten Moment klingt.

Gleichzeitig finde ich, dass in diesem Bibelvers oft ein großer Druck mitschwingt – oder vielleicht auch eher erzeugt wird. Dass man irgendetwas Krasses reißen muss, um anderen Menschen von diesem Jemand zu erzählen. In der Fußgängerzone Leute ansprechen oder in fremde Länder fahren.

Ich mag beide Strategien nicht so und bin auch nicht der Meinung, dass das die alleinigen Anleitungen wären, diesen Auftrag zu erfüllen. Ich glaube, dass es kein Zufall ist, in welches Umfeld ich hineingeboren wurde und worin ich mich bewege. Jeden Tag. Ich glaube, dass es eher darum geht, mein Leben authentisch mit diesem Jemand zu leben und wenn sich die Gelegenheit ergibt, nicht zu kneifen und davon zu erzählen (und es ergeben sich genug Gelegenheiten). Aus diesem Grund wurde vor rund 15 Monaten dieser Blog gegründet. Um Möglichkeiten zu schaffen, ein authentisches Leben als Christ zu teilen, in der Hoffnung, andere Menschen dadurch zum Nachdenken anregen oder sogar inspirieren zu können. Um Mut zu machen, möchte ich zum Abschluss noch von einer dieser Gelegenheiten (im echten Leben) erzählen, die mittlerweile fast zwei Jahre her ist. Film ab!

Mein Magen knurrt. Ich habe Hunger. Der Nachmittag ist schon weit vorangeschritten und das Mittagessen eine Weile her. Aber ich muss noch etwas weiterlernen. Noch eine halbe Stunde. Dann kann ich rausgehen, um mein mitgebrachtes Vesper zu genießen (was ich normalerweise nie mache, weil ich zu faul bin). Normalerweise lerne ich auch nie in dieser Bibliothek, für die ich mich heute entschieden habe.

Es ist Dienstag, nach dem Lernen steht noch eine Probe für den Gottesdienst am Sonntag an. Seit kurzem bin ich dort irgendwie in ein Leitungsteam gerutscht und unser Wunsch und Ziel ist es, unser sonntägliches Treffen so zu gestalten, dass wir gerne Freunde mitbringen, ohne sie gleich abzuschrecken. Ich bin nicht so der Held darin – Freunde mitzubringen. Ich habe kein Problem zu meinem Glauben zu stehen, renne jetzt aber auch nicht mit einem „Jesus liebt dich“-Shirt rum und binde es jedem auf die Nase. Doch heute wollte ich es mal wieder versuchen. Ich hatte morgens extra gebetet, dass ich zwei Kommilitonen einlade, mit denen ich mich dienstags immer zum Mittagessen treffe. Doch beide konnten heute nicht. Was für eine Enttäuschung! Da war es mir endlich mal wieder ein Anliegen gewesen und ich hatte sogar gebetet und dann nahm Gott mein Angebot nicht an…

Da stand ich also nun. Draußen vor der Bibliothek. Leicht frustriert, aber auch mit leichter Vorfreude auf die Probe heute Abend. Ich entpackte gerade mein Vesper, als mich auf einmal jemand ansprach: „Hey, was machst du hier so spät noch?“ Ich war etwas überrascht, ihn zu sehen. Wir kannten uns nur aus einer Vorlesung und hatten bisher nicht oft geredet. Aber ein bisschen Gesellschaft beim Essen war ja nicht schlecht. „Ähm… ich…“ Jetzt kam der Moment der Wahrheit. Erfand ich einfach irgendeinen halbwahren Grund wie „Stress mit den Prüfungen“ oder stand ich zu meinem Plan. Ich war leicht nervös und entgegnete: „Ich habe später noch so eine Probe in der Stadt. Für so einen Gottesdienst.“

„Waaaaaas?! Gottesdienst?! Ist ja mega krass. Das feier ich voll, wegen der Gemeinschaft und so. Meinst du, ich kann auch kommen?“, erwiderte mein Kommilitone. Diese Reaktion hatte ich jetzt nicht erwartet. Eher sowas wie: „Alter, was ist bei dir falsch?! Du gehst in die Kirche?! Glaubst du dann auch an Gott?“

Zum Glück war ich in der Situation nicht sprachlos, aber doch ein bisschen kalt erwischt. „Ja klar kannst du kommen“, sagte ich. Ich nannte ihm Adresse und Zeitpunkt und er versprach auf jeden Fall zu kommen. Wenn das nur immer so einfach laufen würde…

Ich erzähle diese Geschichte so gerne, weil sie zeigt, dass ich gar nichts tun musste, um den in diesem Beitrag angesprochenen Auftrag zu erfüllen. Ich musste nichts Verrücktes oder Außergewöhnliches machen, sondern einfach nur meinen Alltag leben und im entscheidenden Moment ehrlich und authentisch sein. Ich bin ein Niemand in der Geschichte. Meine Rolle hätte auch jemand anders spielen können. Vielleicht nicht an diesem Tag, aber an einem anderen. Es geht nicht um mich, sondern darum, ehrlich und authentisch zu sein.

Die Geschichte geht noch weiter. Mein Kommilitone kam tatsächlich in den Gottesdienst. Es gefiel ihm sehr gut und da er – frisch hergezogen – Anschluss suchte, blieb er und schloss sich unserer Studentengruppe an. Wir begleiteten ihn auf seinem Weg, diesen Jemand (Jesus) kennenzulernen, der bereits unsere Seelen gerettet hatte und nun drauf und dran war, dasselbe auch mit ihm zu tun. Nach einigen Monaten entschied sich mein Kommilitonen dann selbst mit diesem Jemand zu leben – doch das ist eine andere Geschichte. Für heute zählt: Alles begann mit einem Niemand.


Danke an Martin Adams für das Foto von Unsplash.

Das Manna in meinem Leben

Das Jahr 2019 ist vorbei und ein neues Jahr hat begonnen. In den letzten Dezembertagen vor Silvester habe ich mir viel Zeit genommen, um die Ereignisse und Gefühle des letzten Jahres Revue passieren zu lassen. Ich schrieb alles für mich auf. Schönes, wie Schmerzhaftes.
Dann nahm ich meine alten Tagebücher hervor und las darin, was ich die letzten Jahre aufgeschrieben hatte. Dabei stieß ich auf folgenden Eintrag, zu dessen Zeitpunkt ich in Tansania meinen Freiwilligendienst gemacht habe. Dort unterrichtete ich gemeinsam mit meiner Mitfreiwilligen Betty für ein Jahr an einer Schule und half bei einem Patenschaftsprogramm mit.
Die Lebensbedingungen waren dort sehr einfach und das Dorf und die Kirchengemeinde, wo ich gelebt habe, sehr arm.

Tagebucheintrag vom 3. Januar 2016:
„Heute war Sonntag. Also waren Betty und ich im Gottesdienst. Es war schön, unsere Familien und Freunde wiederzusehen und mit ihnen zu singen und zu beten. Der Gottesdienst hat heute mal wieder fast fünf Stunden gedauert. Typisch Tansania!
Mchungaji (Pastor) Maro hat eröffnet, dass sich die Gemeinde von dem Kirchengeld drei neue Plastikstühle kaufen konnte, sodass weniger Gottesdienstbesucher auf Holzbänken sitzen müssten. Die Gemeinde ist daraufhin aufgestanden und hat um die Stühle herumgetanzt, gesungen und laute Dankesgebete ausgerufen. Und das ganze 30 Minuten lang… Puuuh!
Betty und ich mussten erst lachen, weil wir das für etwas übertrieben hielten. Es sind drei Plastikstühle…
Doch nach dem Gottesdienst unterhielten wir uns darüber beim (sehr verspäteten) Mittagessen und plötzlich schämten wir uns für unsere Gedanken. Für uns waren die drei Plastikstühle relativ unbedeutend. Schließlich stehen in meiner Heimatgemeinde 200 hochwertige Holzstühle aufgereiht in einem großen, gut ausgestatteten Saal, von denen einige eigentlich immer unbesetzt blieben.
Die stehen also einfach nur so rum… Holzstühle!
Die Dankbarkeit, die unsere tansanischen Freunde empfanden, konnten wir im ersten Moment nicht nachvollziehen, weil der „Luxus“ von drei Plastikstühlen für uns so selbstverständlich, irgendwie alltäglich war. Wie schade!“

Unter die Zeilen hatte ich einige Wochen später eine Notiz gekritzelt: #Manna #2.mose 16
Nach dem Lesen des Beitrags folgte ich meinem eigenen Hinweis und versuchte herauszufinden, was hinter meiner eigenen Notiz steckte.
Ich fasse mal kurz zusammen:

Das Volk Israel lebte lange Zeit in Sklaverei unter dem Pharao in Ägypten. Gott befreite das Volk auf wundersame (!) Weise durch Moses und Aarons Einsatz und führte es hinaus in die Wüste. Seit 2 ½ Monaten sind sie nun unterwegs und die Leute beginnen zu jammern:
Ach, hätte der HERR uns doch in Ägypten sterben lassen! Dort hatten wir wenigstens Fleisch zu essen und genug Brot, um satt zu werden.“ (2.Mose 16,3)

Daraufhin spricht Mose mit Gott und bittet ihn um Hilfe. Gott antwortet einmal wieder mit einem krassen Wunder:
„Ich habe die Klagen der Israeliten gehört. Darum sag ihnen: Heute Abend, wenn es dämmert, werdet ihr Fleisch zu essen bekommen und morgen früh so viel Brot, wie ihr braucht!“
Am selben Abend zogen Schwärme von Wachteln heran und ließen sich überall im Lager nieder. Und am nächsten Morgen lag Tau rings um das Lager. Als er verdunstet war, blieben auf dem Wüstenboden feine Körner zurück, die aussahen wie Reif. Und das Volk Israel nannte es Manna. Sie waren weiß wie Koriandersamen und schmeckten gebacken wie Honigkuchen. (2.Mose 16, 12-14; 31)

Wir sehen: Gott versorgt sein Volk. Doch nach einiger Zeit ist den Israeliten das Manna nicht genug. Sie sind unzufrieden und weinen:
„Niemand gibt uns Fleisch zu essen! In Ägypten war das anders! Da bekamen wir umsonst so viel Fisch, wie wir wollten, da gab es Gurken, Melonen, Lauch, Zwiebeln und Knoblauch. Aber hier haben wir nichts außer jeden Tag dieses Manna. Darauf ist uns der Appetit gründlich vergangen!“ (4. Mose 10, 4-6)

Nur kurz fürs Protokoll:
Die Israeliten sind endlich frei und nicht länger Sklaven des Pharaos. Damit sie endlich fliehen konnten, hat Gott das ein und andere Wunder vollbracht, hat Plagen geschickt und das Meer mal eben in zwei geteilt. Normal ist das nicht. Damals wie heute. Doch anscheinend selbstverständlich. Jedenfalls für die Israeliten.

Nun befinden sie sich in der Wüste. Kein Ort, an dem normalerweise langes Überlegen möglich ist. Doch Gott versorgt sie mit einer (selbst heute) unerklärlichen Nahrung, die nach Honigkuchen schmeckt… HONIGKUCHEN!

Das Manna in ihrem Alltag ist für sie nach kurzer Zeit „Standard“ geworden und kein Grund mehr zu feiern, sondern Grund zum Weinen.
Echt jetzt?!

Ich denke an meine Gemeinde in Tansania.
Sie nahmen diese drei Plastikstühle nicht als selbstverständlich hin. Nein, sie waren ihr Manna und sie haben Gott dafür gedankt, in dem sie um sie herumtanzten und sangen.

Ich nehme mir ein weiteres, weißes Blatt Papier hervor und sammle darauf all die „Kostbarkeiten meines Alltags“, die für mich mittlerweile als selbstverständlich galten.
Oben drüber schreibe ich: „Das Manna in meinem Leben“.

Was ist dein Manna?

Impuls zum neuen Jahr:
Seit einigen Jahren ändere ich immer am 1.Januar mein Computerpasswort. Nicht unbedingt aus Sicherheitsgründen, sondern weil das Passwort mich an „mein persönliches Motto für das Jahr“ erinnern soll. Ich gebe dieses Passwort schließlich mehrmals täglich ein – mal mehr und mal weniger bewusst. Und so begleitet mich dieses besondere Wort das ganze Jahr über und erinnert mich an das, was mir wichtig ist oder was ich mir wünsche.

2019 war es „ER beruhigt“, weil ich mir wünschte, mehr zur Ruhe zu kommen und nur Gott meine innere Unruhe stillen konnte, wenn mir wieder einmal alles zu viel wurde

Und 2020? Nun ja, wenn ich das nun verraten würde, bräuchte ich meinen Computer nicht mehr passwortsichern… 😉

Aber ich möchte DICH gerne dazu ermutigen, es mir gleich zu tun und Dich täglich neu von deinem Passwort an deinen Jahreswunsch oder dein Jahresgebetsanliegen erinnern zu lassen.
Kleiner Sicherheitstipp: ergänze das Wort mit ein paar Zahlen und Satzzeichen #safetyfirst

Eure Greta,
die jetzt erstmal ihr Laptop-Passwort für 2020 ändert.

Wo ich noch nie war

Heute ist der 27. Dezember. Ich wünsche euch, dass ihr ein wunderschönes Weihnachtsfest verbringen konntet und jetzt so richtig in dem trägen, warmen nach-weihnachtlichen Kater badet. Zeit, um das ganze Essen und die Plätzchen zu verdauen. Sich zu erholen von hoffentlich schönen, vielleicht anstrengenden familiären Turbulenzen. Freie Tage genießen. Ich finde, so richtig ruhig und still wird es erst nach Weihnachten. Wenn die vergangenen Tage sich setzen und man mit melancholischem Seufzen das ausgehende Jahr verabschieden kann. Das Vergangene ziehen lassen und Neues erwarten. Da kommen mir die Worte eines großen Poetry-Slammers in den Kopf:

„Ich sitze hier und denke nach.
Über das, was kommt und das, was war.

Was ist passiert in diesem Jahr?
Wie kam ich hierhin, wo ich zuvor noch nie war?

Das Leben zieht zu schnell an mir vorbei.“

Vergangenheit von Joschka Moravek

So wie jetzt fühle ich mich schon seit ein paar Wochen. Irgendwie dazwischen. Irgendwie im Umbruch. Altes verabschieden und das Neue erwarten. Vor Weihnachten habe ich mein letztes Modul an der Uni abgeschlossen. Im neuen Jahr erwartet mich noch ein kleiner Anhang: zwei Wochen Praktikum in einer Hausarztpraxis und eine kaum nennenswerte Klausur zum krönenden Abschluss. Und dann ist sie Vergangenheit, die Zeit an der Uni: Vorlesungen, Seminare, Praktika, der Kaffee zwischen den Veranstaltungen, das Quatschen mit Freunden, eine Speed-Runde Doppelkopf bevor der Dozent kommt, usw. Gleichzeitig lege ich im Januar meine Leitungsämter in meiner Heidelberger Studentengruppe und im Vorstand meiner Kirchengemeinde nieder und trete aus dem Planungsteam der Ortsgruppe der christlichen Mediziner in Heidelberg und Umgebung aus. Viereinhalb Jahre Vollgas in Studium, Gemeinde, usw. und dann – nicht unerwartet, aber doch plötzlich – ist es alles Vergangenheit und Geschichte. „Wie kam ich hierhin, wo ich zuvor nie war?“ Eine Tür schließen und eine neue öffnen. Ein Kapitel beenden und Neue schreiben! „Into the unknown!“*

Was erwartet mich im neuen Jahr, im nächsten Kapitel, hinter dieser Tür? Zeit. Zeit für neue Herausforderungen. Endlich Zeit für mein stiefmütterlich behandeltes Theologiestudium. Zeit, um das wohl größte Examen meines Lebens zu schreiben – das zweite Staatsexamen in Medizin. Zeit, um mich auf ein Auslandsjahr vorzubereiten. Und sonst? Was sich so ergibt. Ein bisschen treiben lassen, ein bisschen nehmen, was kommt, ein bisschen überraschen lassen. „Just do the next right thing!“

Altes Loslassen tut gut, aber auch ein bisschen weh.
Was bleibt, wenn ich in die Zukunft seh?

„Yes, the wind blows a little bit colder
And we’re all getting older. “

[…]

Yes, some things never change
Like the feel of your hand in mine
Some things stay the same
Like how we get along just fine
Like an old stone wall that will never fall
Some things are always true
Some things never change
Like how I’m holding on tight to you”

Songwriter: Kristen Anderson-Lopez / Robert Lopez
Songtext von Some Things Never Change © Walt Disney Music Company

Oder wie der Psalmbeter sagt:

„Jetzt aber bleibe ich immer bei dir,
und du hältst mich bei der Hand.
[…]
Ich aber darf dir immer nahe sein,
das ist mein ganzes Glück!
Dir vertraue ich, HERR, mein Gott;
von deinen großen Taten will ich allen erzählen.“

Psalm 73,23.28

Auch wenn du gerade nicht so einen tiefgreifenden Umbruch erlebst, erwartet dich doch das neue Jahr. Und was auch immer passiert, wenn wir bei diesem Gott bleiben und diesen Psalm beten, wird das Loslassen leichter und das Erwarten gelassener.

Genieß die Zeit bis zum neuen Jahr. Und wenn du kannst: Guck dir den Film Frozen II an!

Euer Lukas

Photo by Davide Foti on Unsplash

*Alle englischsprachigen Zitate stammen aus Frozen II

Gott – (K)ein Wunschautomat?

Kennst du noch dieses Gefühl, als kleines Kind sehnsüchtig auf Weihnachten zu warten? Auf den Heiligabend, an dem man endlich die Geschenke auspacken durfte? Wochenlang vorher hatte man schon seine Wunschliste fertig geschrieben und hoffte nun darauf, dass die Eltern die Geschenke kaufen und schön einpacken würden. Natürlich hatte man gewisse Vorstellungen davon, welche Sachen man haben wollte und wie diese auszusehen hatten. Und natürlich, so ging es mir jedenfalls, war man mehr als enttäuscht, wenn diese Vorstellungen dann bei der Bescherung nicht erfüllt wurden oder eben kein Geschenk von der Wunschliste unter dem Tannenbaum lag. Hatte man sich ein rosa Fahrrad gewünscht und erhielt vielleicht stattdessen einen Roller, warf man den Eltern entweder einen vorwurfsvollen Blick zu, der sagen sollte: „Ich wollte doch lieber ein Fahrrad, das wusstet ihr doch“, oder man versuchte die Enttäuschung in den Augen zu verbergen und dankbar für das weniger schöne Geschenk zu sein.

Zugegeben, auch wenn ich mich immer noch über Geschenke, die meinen Vorstellungen entsprechen, freue, denke ich heute weniger über diese Banalitäten nach.

Und doch bleibt eine gewisse Erwartungshaltung, die ich immer noch an andere Dinge oder Personen habe. Ich erwarte, das zu bekommen, was ich mir wünsche oder erhoffe. Eine gewisse Art von Egoismus.

Ich frage mich manchmal, ob ich eine ähnliche Erwartungshaltung gegenüber Gott habe. Ich ertappe mich gelegentlich dabei, dass ich Gott auf eine Art „Wunschautomaten“ reduziere, in den ich ein bisschen Kleingeld werfen kann und sofort das gewünschte Produkt erhalte. 

Klar, ein Automat kann nicht anders, darauf ist er schließlich programmiert. Aber kann ich Gott wirklich so behandeln wie einen Automaten?
Natürlich nicht, sagst du jetzt bestimmt. Und doch tue ich es unbewusst.

Nehmen wir an, ich habe meinen Autoschlüssel verloren, und suche ihn angestrengt überall. Wenn das alles nichts nützt, schicke ich, als letzten Ausweg ein kleines Stoßgebet zum Himmel, in der Hoffnung, dass Gott mir mal eben den Schlüssel vor die Nase wirft. Aber was ist, wenn er dies nicht tut und der Schlüssel nicht auf magische Art und Weise wieder auftaucht? Vielleicht sogar tagelang nicht… 

Was, wenn mich Gott in dieser Situation „enttäuscht“ oder hängen lässt? Wie regiere ich dann? Bin ich dann nicht eingeschnappt, verärgert oder vielleicht sogar wütend über Gott? Frage ich mich dann nicht, warum Gott mir jetzt nicht mein Gebet erfüllt? Leider passiert oft genau das. In diesen Situationen reduziere ich Gott dann ganz schnell auf jemanden, der meine eigenen Wünsche durchsetzen soll.

Leider oder auch glücklicherweise tickt er ganz anders, als ich es erwarte. Verstehe mich bitte nicht falsch: Wir können Gott um alles bitten, das sagt er selbst:

„Bittet und es wird euch gegeben.“

(Matthäus 7,7)

Aber ich denke, wir vergessen oft, dass Gott so viel mehr ist, als nur der Automat, der unsere Wünsche erfüllt. Er ist größer, als wir begreifen können und weiß eigentlich viel besser, was wirklich gut für uns ist. In Matthäus 6,5 steht nämlich auch:

„Der Vater weiß besser, was wir benötigen, noch bevor wir darum bitten“. 

Das zu begreifen und zu verstehen, fällt mir echt schwer. Wenn Gott mir nicht das gibt, was ich mir erhoffe, heißt dies nicht, dass ich ihm egal bin. Im Gegenteil. Ich vergleiche Gott zum Verständnis immer ganz gerne mit einem Vater. Ein Vater, der sein Kind liebt, gibt ihm auch nicht alles, um was es fragt. Manche Dinge sind schlecht für mich; und Gott weiß das. Er möchte mir, seinem Kind, nur das Beste geben und wünschen. So ist Gott. Er enthält uns nichts vor, um uns zu verärgern oder vor den Kopf zu stoßen. Eigentlich ist genau das doch wahre Vaterliebe.
Was wäre das für ein Vater, der seinem Kind nichts vorenthält und ihm alle Wünsche erfüllt? Ich kann mir gut vorstellen, wie sich dieses Kind entwickeln wird. Wenn ich meine Gedanken weiter verfolge, bin ich eigentlich ganz dankbar für manch unerfülltes Gebet.

Ich möchte dich zum Schluss einmal fragen: Wie sieht es bei dir aus? Welchen Platz nimmt Gott in deinem Leben ein? Ist er für dich nur ein Wunschautomat oder ein Vater, dem du vertrauen kannst, dass er wirklich Gutes für dich bereithält, auch wenn du es manchmal nicht siehst? Ich möchte dir wirklich Mut machen, über den Tellerrand hinauszublicken und zu entdecken, was Gott für dich bereithält.

Vielleicht betest du oft zu Gott, vielleicht hast du das noch nie getan. Ich will dich diese Woche mal dazu herausfordern, es auszuprobieren und Gott für Dinge in deinem Leben zu danken. 

Falls du regelmäßig betest, habe ich folgende Challenge für dich: Setze dich in der kommenden Woche doch mal damit auseinander, was oder wie Gott für dich ist. Probiere deinen Fokus auf seine Eigenschaften und sein Wesen zu legen, statt auf dich selbst. Ich hoffe, dass du dadurch Gott ganz neu erleben und kennenlernen kannst.

Eure Larissa 


Vielen Dank an Unsplash.com und Priscilla Du Preez für das Bild 🙂

Warum ich Herbst und Winter liebe

In den letzten Wochen haben Lukas über den November-Mood und unsere Gastautorin Jana über ihre Winterdepression geschrieben. Beide Texte haben sich mit schwierigen Themen beschäftigt und waren somit sehr aufwühlend – dafür bin ich sehr dankbar. Gleichzeitig kamen in beiden Texten die Monate Herbst und Winter ziemlich schlecht weg, wodurch ich mich – aufgrund meines ausgeprägten Gerechtigkeitssinnes für diskriminierte Minderheiten und (als Kind des Januars) meiner innigen Beziehung zu den Wintermonaten – dazu herausgefordert sah, mich mit ebenjenen Jahreszeiten zu solidarisieren und ihre Existenz in einem nahezu unumstößlichen Manifest zu rechtfertigen. Nach einer nicht allzu umfänglichen und zeitintensiven Recherche fiel mir auf, dass Jana und Lukas mit ihrer fehlenden Sympathie für Herbst und Winter keineswegs alleine sind. In einem Auszug aus der nachfolgenden Studie wurden zwischen dem 16. und 25. Oktober 2016 insgesamt 1024 Deutsche repräsentativ zu ihren Jahreszeitpräferenzen befragt. Daraus ergab sich folgendes Ergebnis:

Quelle: https://www.splendid-research.com/images/zahl-der-woche/Infografik-Der-Deutschen-liebstes-Wetter-2016.png

Der Sommer – auch unter dem Spitznamen „Mainstream“ bekannt, da seine Anhänger wahrscheinlich auch keinen eigenen Musikgeschmack besitzen, sondern einfach hören, was alle hören und deshalb auch mögen, was alle mögen – liegt unangefochten auf Platz eins mit 50 Prozent Zustimmung, mehr oder weniger dicht gefolgt vom Frühling – und das bestimmt auch nur wegen der durch ihn ausgelösten und seine Präsenz kennzeichnenden Gefühle.
Im Kopf-an-Kopf-Rennen um den Looser unter den Jahreszeiten nehmen sich Winter und Herbst nicht viel, wobei Letzterer noch ein paar Prozentpunkte mehr einhamstert – wahrscheinlich wegen seiner schönen bunten Blätter und so.

Dieser quantitativen Studie möchte ich nun eine qualitative Einzelfallstudie – mit nicht minder ernstzunehmender Aussagekraft – entgegensetzen. Sie mag möglicherweise von meinen persönlichen Vorlieben beeinflusst sein, doch davon sollte sich der Leser nicht fehlleiten lassen. Es werden keine Sätze fallen, wie: „Regen ist nämlich gut für die Pflanzen“ oder „wir brauchen halt alle vier Jahreszeiten“, es wird viel subjektiver zugehen.
Letztes Vorgeplänkel: Mit meinem heutigen Text möchte ich die Beiträge von Jana und Lukas keinesfalls schmälern – geschweige denn widerlegen, sondern mich vielmehr dafür stark machen, dass Herbst und Winter auch trotz niedriger Temperaturen, wenigen Sonnenstunden und viel Nässe Vorzüge mit sich bringen – je nach Perspektive.

1. Probier’s mal mit Gemütlichkeit

„Bei diesem Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür“, lautet eine bekannte Redensart und spielt damit auf besonders Niederschlags-intensive Tage an. Während der Sinn des Sprichworts unmissverständlich sein mag, so scheint seine wortwörtliche Bedeutung in sich unschlüssig. Die allseits beliebten Vierbeiner – auch bekannt als „Mainstream“ unter den Haustieren oder bester Freund des Menschen – sind nicht unbedingt dafür bekannt, wasserscheu zu sein – auch wenn es Ausnahmen geben mag. Und Geschäfte müssen eben erledigt werden – auch an regnerischen Tagen.

Ich persönlich mag Regentage – jetzt nicht unbedingt zwanzig hintereinander. Aber ab und zu finde ich das ganz erfrischend. Da ich es bei solchem Wetter stets mit dem Hundesprichwort halte, lädt mich (Dauer-)Regen förmlich dazu ein, einen gemütlichen Tag drinnen zu verbringen. Muss ich arbeiten oder lernen, fällt mir das umso leichter, da ich draußen ja nichts Wichtiges verpasse. Sind eh alle irgendwo drin. Habe ich wenig Pflichten, so kann ich die Zeit umso mehr für Dinge nutzen, die ich schon länger wieder mal machen wollte: Zeitung oder ein gutes Buch lesen; Schreiben; Musik, Podcasts oder Hörbücher hören – langweilig wird mir so gut wie nie. Umso schwieriger ist es – seit es Netflix, YouTube & Co. gibt – sich mit haptischeren Dingen zu beschäftigen. Es erfordert etwas mehr Anstrengung und Selbstüberwindung, aber es lohnt sich. Ein gutes Buch, ein warmer Tee oder Kaffee – so klingt die optimale Entschleunigung.

Kleine Challenge für die ganz Mutigen: Wenn du es schaffst, dich durch den Regen in das nächste oder sogar dein Lieblingscafé zu kämpfen, kann das umso gemütlicher werden. Das ist mein persönlicher Geheimtipp für Entspannung und pure Gemütlichkeit.

2. Kalt kann geil, na na na na na

Was ist ermunternder als kalte Luft am Morgen? Nichts macht mich umgehend wacher, als Durchlüften direkt nach dem Aufstehen. Nichtmal der „Mainstream“-Lieblingswachmacher Kaffee. Allein schon deswegen ziehe ich den Winter jeglicher schwüler Sommerluft vor. Während diese in der heißen Jahreszeiten ermüdet, drückt und Energie raubt, bewirkt Kälte das Gegenteil – und das ganz umsonst. Denn man will ja möglichst schnell wieder aus ihr raus. Das ist mein ultimativer Tipp für alle Morgenmuffel unter uns. Wenn du trotz kalter Luft, die dein Zimmer durchströmt, wohlig weiterschlafen kannst, dann bist du wohl jemand von den ganz Harten. Alle anderen werden umgehend wach!

Ich liebe es außerdem, wenn ich meinen eigenen Atem beobachten kann. Oder mit dem Fahrrad durch die Kälte schneide – warm eingepackt natürlich. Ich hoffe, dass du diese angenehme Art der Kälte auch kennst. Sonst ist sie ja in unserer Gesellschaft in Bezug auf Zwischenmenschliches meistens sehr negativ konnotiert und kommt verhältnismäßig schlecht weg. Man sollte sie natürlich in Maßen genießen, denn zu Erfrieren wünsche ich niemandem von uns. Aber mit der angemessenen Dosierung kann sie wahrlich bereichernd sein.

3. Mach mal einen Winterspaziergang

Letztes Wochenende durfte ich auf einem Wochenendtrip in Budapest den ersten Schnee meines Winters erleben. Es war einfach wunderbar am Morgen aufzuwachen und völlig unerwartet eine weiße Winterlandschaft vorzufinden – wie im Film. Auf einmal sieht die ganze Welt so anders aus, so weiß, rein und unschuldig. Fernab von Zivilisation sogar noch unberührt und friedlich, wenn man als Erstes durch den Schnee stapft. Natürlich ist viel Schneefall für den Verkehr in einer Stadt nicht gerade optimal, aber solche Nebenwirkungen muss man – meiner Meinung nach – halt in Kauf nehmen.

Ich möchte dich dazu motivieren, beim ersten Schnee des Jahres einen Winterspaziergang zu machen. Raus in die Natur. Die kalte Luft und Stille genießen. Einen Schneemann bauen, Schlitten fahren oder eine Schneeballschlacht – wie früher als Kind. Abwechslung und Ausgleich tun gut. Und wenn man ordentlich durchgefroren, dann rein ins nächste Café und auftauen! Oder zu Hause bei Plätzchen, Punsch etc.


So, ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Text etwas Lust, auf Herbst – in dem wir uns ja befinden – und Winter – der unmittelbar vor uns liegt – machen. Entweder warst du zuvor schon ein Sympathisant mit den kalten Jahreszeiten oder halt nicht.

Wenn trotz dieses mitreißenden Manifestes immer noch nicht genügend positive Assoziationen bei dir geweckt wurden und du immer noch nicht überzeugt bist von der Schönheit der nicht ganz so warmen Jahreszeiten, dann hoffe ich, dass ich dir die kommenden Monate mit diesem Text wenigstens ein bisschen amüsanter machen konnte. Wenn du sie immer noch nicht magst, dann wünsche ich dir, dass du dich wenigstens einigermaßen arrangieren kannst.

by spaghettihirn


Was ist deine Lieblingsjahreszeit und warum?


Danka an eberhard grossgasteiger für das Beitragsfoto von Unsplash.

Depression oder doch nur November?

Heute ist ein Tag, den ich auch überspringen würde. Der Tag ist nicht so wie die anderen. Sein Alleinstellungsmerkmal ist die Bedeutungslosigkeit. 7 Uhr klingelt ein Wecker. Einer von Vielen. Alle von mir, aber heute keiner für mich. Um 8 Uhr stehe ich doch auf. Was mich zu dieser Tat treibt? Wenn ich jetzt etwas gestresst duschen und frühstücken würde, käme ich nur 15 Minuten zu spät zur Uni. Aber jenseits des Duschvorhangs ist es viel zu kalt, um schnell zu duschen. Die Butter ist zu hart, um sie aufs Brot zu schmieren. Vom Käse ist nur noch die Restkante da. Ich bilde mir ein, dass ich kurz so etwas wie einen Sonnenstrahl aus dem Fenster gesehen hätte. Schnell anziehen. Fahrrad aus dem Keller tragen. Kurz hochgeschaut – ne, kein Schimmer von Sonne mehr. Das Wetter ist so vielfältig in letzter Zeit, so abwechslungsreich. Mal trüb, mal diesig, mal bedeckt, mal bewölkt, mal neblig, mal dunstig, mal regnerisch, verlässlich zwischen 2°C und 7°C. Letztens hat sich meine Kommilitonin aus Norwegen beschwert, dass das Wetter in Deutschland so schlecht wäre. Bei ihr zu Hause liegt Schnee, oder es scheint die Sonne. Nicht so abwechslungsreich wie bei uns. Ich komme 40 Minuten zu spät. Egal. Der Raum ist zu klein für die ganze Gruppe. Ich sitze auf einem Schemel im Türrahmen. Die Vorlesung ist zäher als das Wetter. Anschließend geht´s zum Praktikum in die Ambulanz. Ist freiwillig, aber wenn mich heute irgendetwas interessiert, dann Praxis und Patienten. Echte Geschichten eben. Das Ärzte-Team in der Ambulanz ist unterbesetzt. Nur Arbeitseinsteiger. Keiner ist auf mich vorbereitet. Ich werde woanders hingeschickt. Fühle mich unerwünscht. Ist nicht das erste Mal. Woanders ist auch nicht anders. Nur woanders. 12 Uhr 45. Ich warte noch auf eine Freundin. Wir verpassen uns. Hab Hunger. Die Mensaschlange länger als je zuvor. Ich warte. Ich esse allein. Selbst Schuld, wer zu freiwilligen Veranstaltungen geht. Das, was die letzten vier Stunden passiert ist, nenne ich November-Mood. Das ist der Monat, wo die Bäume hinter dem Nebel und den Wolken so herrlich bunt sind. Wenn es heute dunkler ist, als gestern, wenn die Schuhe nässer, die Hände und Lippen trockener sind, der Kopf dicker, der Nasenrotz dünner ist, wenn das Wetter abwechslungsreich ist und Graustufen das neue bunt sind, dann ist November-Mood.

Mittlerweile sitze ich beim Bäcker, um mich mit einem zu teuren, aber umso wässrigen Kaffee bei Laune zu halten und schreibe diesen Blogbeitrag. Nach Hause fahren lohnt sich nicht und irgendwie müssen diese fünf Stunden bis zum Pub-Quiz, das meine Freunde organisiert haben ja vorbeigehen. Habt ihr auch manchmal solche Tage? Wenn das Glas halb leer ist und alles grauer und dumpfer als sonst? November-Mood?

Ich bin so froh, dass ich sagen kann: morgen wird’s besser. Manchmal muss man das mehrere Tage nacheinander sagen, aber dann passt’s, wie der Bayer sagt. Und mal ehrlich, das meiste ist ja halb so schlimmes Gejammer. Vielleicht habt ihr schon mal Bekanntschaft mit der Krankheit Depression gemacht. Vielleicht sogar du selbst, oder in deinem näheren Umfeld. Wenn das, was ich gerade oberflächlich angerissen hab, zur andauernden Abwärtsspirale wird und man nicht sagen kann: morgen wird’s besser. Dann ist das ein echtes Problem. Ich hatte durch mein Medizinstudium kürzlich häufiger Kontakt zu depressiven Menschen. Die Krankheit wird gelegentlich verniedlicht und unangemessen verwendet und viele Erkrankte werden stigmatisiert. Warum? Weil sie unfassbar anstrengend sind und nicht mehr in unsere hedonistische Leistungsgesellschaft passen. Sie versprühen so eine Aura, die alles und jeden mit in den Strudel reist. Wenn ich mich 15 Minuten mit einem depressiven Patienten unterhalte, brauche ich danach erstmal etwas Zeit, um wieder aufzutauchen. Zurzeit liegt die Lebenszeitprävalenz, das bedeutet die Wahrscheinlichkeit im Laufe des Lebens mal depressiv zu werden, bei knappen 20 %. Das bedeutet: es betrifft jeden. Nicht zwingend dich persönlich, aber früher oder später jemanden in deinem näheren Umfeld. Besonders bei älteren Menschen, die häufig mit Einsamkeit zu kämpfen haben, wird die Krankheit unterschätzt. Prognostiker prophezeien sogar, dass die Zahlen steigen werden. Hauptsächlich aufgrund von gesellschaftlichen Veränderungen – immer mehr Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind gefordert, größere Herausforderungen im Umgang mit Stress, weniger Abgrenzung zwischen verschieden Lebensbereichen, usw. Oder ist es doch nur eine Frage des Lichts?

Wenn du dich auch manchmal so fühlst, wie ich heute, dann will ich dir sagen: Thank God, it’s just November-Mood! Morgen wird’s besser. Wenn du allerdings jemanden im Kopf hast, der oder die unter einer Depression leiden könnte, z.B. deine Oma, dein Freund, deine Arbeitskollegin, oder du dich selbst damit beschäftigen möchtest, dann habe ich dir hier zusammengestellt, worauf du achten kannst und welche Do’s and Dont’s du beachten solltest.

Woran kann man eine Depression erkennen?

  • Negative, gedrückte Stimmung
  • Freudlosigkeit
  • Interessenverlust
  • Antriebslosigkeit
  • Negative Sicht auf sich selbst, die Welt, die Zukunft
  • Die Symptome sollten mindestens 2 Wochen bestehen

Was du tun kannst!

  • Hör zu ohne zu verurteilen.
  • Drück Empathie, Ermutigung und Unterstützung aus.
  • Hilf dabei, Ressourcen zugänglich zu machen (Arzt, Psychotherapeut,…).
  • Kenn deine Rolle und behalte realistische Erwartungen diesbezüglich bei.

Was du NICHT tun solltest!

  • Sag nicht: „Sei stark“, „Stell dich nicht so an“, „Sei dankbar für das, was du hast“, „Fokussiere dich auf das Positive“.
  • Angst haben, nach suizidalen Absichten zu fragen.
  • Unterschätze nicht, was diejenige oder derjenige durchmacht, sag nicht „ich weiß genau, was du fühlst“ und lass Vergleiche mit Menschen aus sozio-ökonomisch schwächeren Regionen beiseite.
  • Lass die Person nicht zurück (ohne mit ihr darüber gesprochen zu haben).
  • Vernachlässige dich nicht und gib Acht auf dich selbst!

https://www.mindbodygreen.com/0-12962/the-dos-donts-of-helping-a-friend-whos-depressed.html

Und für die ganz Interessierten: https://www.leitlinien.de/nvl/html/depression/kapitel-1

Euer Lukas


Photo by Glenn Carstens-Peters on Unsplash

Kennst du mich wirklich?

Seit einiger Zeit ärgere ich mich über nervige Werbung auf YouTube. Versteht mich nicht falsch, ich ärgere mich nicht über die Werbung an sich. Die gehört ja irgendwie dazu und finanziert die Creator, die dahinter stehen. Vielmehr ärgere ich mich über die Art der Werbung.
Ich hasse Handyspiele! Erst recht solche, in denen man irgendwelche bunten Bonbons miteinander verbinden und zerstören muss oder die, in denen man mit kleinen schwarzen Bällen Mauern abschießt. Keines dieser Spiele befindet sich auf meinem Handy und das letzte Mal, als ich so etwas in der Art heruntergeladen habe, war die Zeit, in der ich mein Handy viel mehr als Spielzeug und nicht als Tool verstand. Also wer bei Google hat dann beschlossen, dass mir so etwas gefällt? Wieso bekomme ich andauernd diese Werbung? Es muss irgendwo einen Fehler im System geben!

Vor einigen Tagen machte ich mich also auf Spurensuche. Im Wissen, dass Google von jedem ein Nutzerprofil erstellt und man dies nach Belieben bearbeiten kann, machte ich mich auf den Weg in die Google Katakomben. Die Rumpelkammer des Schreckens. Und was ich da fand, war tatsächlich erschreckend. Eine wilde Ansammlung von verschiedensten Daten Flimmerten mir entgegen. Eine lange Liste an Interessen und eigenschaften, die mich beschreiben. Schön kategorisiert und mit bunten Icons versehen. Wenn man diese angeklickt bekommt man weitere Infos und Google erklärt einem in freundlichem, nichtssagenden Marketingslang, warum sie zu dieser vermutung kommen: »Google vermutet dieses Interesse basierend auf Ihrer angemeldeten Aktivität in Google-Diensten sowie auf Ihrer angemeldeten Aktivität auf Websites und Apps, die nicht von Google stammen.«

Ausschnitt aus den Google Ad Settings

Wenn man die Informationen Kombiniert bekommt man ein ziemlich gutes Bild von mir:
Mein Name ist Philipp Jenny. Ich bin zwischen 18 und 24 Jahren und männlich. Ich bin Bachelor-Student und habe ein Kleingewerbe, das aber eher ein Nebenjob ist. Seit kurzem bin ich tief im Apple Ökosystem gefangen und besitze einen sehr, sehr alten Gebrauchtwagen. Ich interessiere mich für Kameraequipment und habe mich vor einiger Zeit angefangen, mich mit Audioproduktion zu beschäftigen. Ich habe einen immensen Kaffeekonsum und esse oft Fastfood. Ich gehe gerne Wandern, ab und zu mal Joggen und beschäftige mich in letzter Zeit vermehrt mit Umwelt und Klimawandel. Wenn ich einkaufen gehe, achte ich stark auf Preise und vergleiche. Generell interessiere ich mich sehr für Technik und Computer (…)

Das könnte ich noch ziemlich lange fortführen. Außer ein paar kleiner Feinheiten und dass Google denkt, dass ich gerne Handyspiele spiele, haben sie mich erstaunlicherweise sehr gut getroffen.
Ich wusste ja, dass Google mich gut kennt. Anders hätte ich mir die präzisen Video Vorschläge auf YouTube nicht erklären können. Aber so gut? Das ist schon schockierend.
Aber warum kennt mich Google so gut?

Eine Situation wie die folgende könnte dir vielleicht bekannt vorkommen:
Da hat man eine merkwürdig eitrige Stelle am Zeh und will wissen, was das sein könnte. Klar! Ich frage mal Google. Im Internet hat sicher irgendjemand in irgendeiner Form an irgendeinem Ort auf diesem Planeten ein ähnliches Problem. Nichtsahnend googlet man also vor sich hin und sucht… Wikipedia. Apotheken Umschau. GuteFrage.net. Einige Websiten und Suchbegriffe später steht das Ergebnis fest: Vermutlich Lungenkrebs. Bösartig. Im Endstadium. Wie lange habe ich wohl noch zu leben?
Was ich hier vielleicht ein bisschen überspitzt darstelle, ist tatsächlich ein sehr interessantes Phänomen. Für mich ist Googlen eine alltägliche Sache. Hemmungslos und ohne nachzudenken, tippe ich alles ein, was ich wissen will. Egal, ob beim Arbeiten am Computer oder unterwegs am Handy. Egal, ob Katzenvideos, Matheprobleme, Krankheiten, Wetter, Routenplanung, geheime Weihnachtsgeschenke, … Man könnte die Liste ins Unendliche fortführen. Was da alles an Suchbegriffen zusammenkommt, ist schon erstaunlich. Viele von uns stellen Google Fragen, die wir uns sonst niemals trauen würden, einen Menschen zu fragen. So kommt eine erhebliche Datenmenge zusammen. Stück für Stück lernt Google uns immer besser kennen.

Wenn ich genau über die verschiedenen Daten nachdenke, die ich tagtäglich einspeise, muss ich sagen: Die Suchmaschine weiß schon ziemlich viel. Kennt mich Google vielleicht besser als meine Freunde und Bekannte? Wie gut kenne ich eigentlich mein Umfeld? Führe ich nicht den immer gleichen Smalltalk? Oder lerne ich Menschen wirklich mit allem, was sie beschäftigt kennen? So oft führe ich die immer gleichen Gespräche. »Wie läufts in der Uni?« »Es regnet jetzt schon viel zu lange!« »Hast du das letzte Spiel vom SC Freiburg gesehen?« Alles eher Nebensächlichkeiten, die nichts zur Sache tun.
Mir persönlich fällt es extrem schwer, mich zu öffnen und Leuten zu sagen, wie es mir wirklich geht. Wenn ein Problem auftaucht, würde ich mich viel lieber in irgendeinem Loch verkriechen und mit niemandem reden.

Joschka hat Anfang des Jahres in einem Beitrag über Freundschaften geschrieben. Ihm ist aufgefallen, dass sich viele seiner Freundschaften auf ein Interessensgebiet oder auf einen Lebensabschnitt beschränken. Als Résumé schrieb er:

»Ich denke, der erste Schritt liegt darin, dass ich anfange, mich wieder wirklich für mein Gegenüber zu interessieren.«

Aus: Wann wir wohl anfangen, uns wieder wirklich füreinander zu interessieren – ein Plädoyer

Ich würde noch Stückchen weiter gehen. Reines Interesse am anderen ist ein erster Schritt. Man muss aber auch bereit sein, persönliche Dinge preiszugeben.

In der Bibel gibt es ein Vorbild für eine tiefe Gemeinschaft der ersten Christen. Damals führten die Gemeindemitglieder ein gemeinsames Leben. Sie wussten, dass sie aufeinander angewiesen sind und sich aufeinander verlassen konnten. Wenn schwierige Zeiten kamen, unterstützen sie sich gegenseitig, beteten füreinander und halfen einander am Glauben festzuhalten. Das alles im ganz normalen alltäglichen Leben. Wie schön ist es doch, wenn wir auch Menschen haben, mit denen wir das Leben teilen können! Mit denen wir durch die Höhen und Tiefen gehen können. Menschen auf denen wir vertrauen können. Ich glaube, das ist heutzutage zunehmend schwieriger, weil wir oft abgekapselt in unserer kleinen Welt leben.

Hast du jemanden, mit dem du dein Leben teilst, der dich wirklich kennt, wie du bist? Jemanden, mit dem du nicht nur einen Lebensabschnitt verbringst, sondern zu dem du eine tiefe und vertraute Freundschaft aufbauen kannst? Damit meine ich in erster Linie nicht einen Partner. Für wen könntest du ein solcher Freund sein?


P.S.: Wenn du selber mal herausfinden willst, was Google über dich weiß, dann klicke hier

Text: Philipp Jenny
Danke an Joni für das Bild!

Gegen den Strom

„Hey, wie heißt du? Wo kommst du her? Was studierst du?“

Diese Fragen habe ich in den letzten Wochen unzählige Male gestellt und gestellt bekommen. Der klassische Einstieg in einen (Erasmus-)Smalltalk. Meistens fragt man anschließend noch aus welchen Landesteil genau der Gesprächspartner kommt, obwohl man lediglich die Hauptstadt kennt. So lautet die folgende Reaktion mit einem Schulterzucken häufig: „Nie gehört.“

Es ist Orientierungsphase. So, wie viele von uns sie zu Beginn eines neuen Lebensabschnitts kennen. Man lässt sich auf viel Neues ein, lernt einige Menschen kennen und versucht sich damit zu arrangieren. So weit, so gut. Doch bei Erasmus habe ich diese Zeit noch ein Stück intensiver erlebt und mit ein paar besonderen Eigenarten, weshalb ich mich dazu entschlossen habe, darüber zu schreiben.

Erstmal vorneweg: Erasmus ist ein geniales Austauschprogramm, dass es Studierenden ermöglicht vorwiegend in einem anderen Land innerhalb der Europäischen Union zu studieren und dafür auch noch Geld zu bekommen. Ein tolles Privileg! Für mich ging es in diesem Fall nach Zagreb (die Hauptstadt von Kroatien) – warum ist eine andere Geschichte.

Hinter mir liegt die Eingewöhnungswoche. Im Gegensatz zu den meisten anderen Erasmus-Studierenden war ich bereits zwei Wochen vorher zu einem Intensiv-Sprachkurs in der Stadt. Die dritte Woche bestand zusätzlich im Wesentlichen aus Party und Alkohol. Gegen beides habe ich nichts einzuwenden; die geballte Intensität hat mir jedoch zu schaffen gemacht. Infolgedessen habe ich mir eine Erkältung eingefangen. Meinem Körper wurde es also auch zu viel. Damit bin ich nicht der Einzige (und am Rande stellt sich die Frage, ob man sich genauer mit den gesundheitlichen Risiken von Erasmus auseinandersetzen sollte).

Auf der einen Seite ist die Eingewöhnungswoche unglaublich wichtig, um Menschen kennenzulernen und sich zu vernetzen. Ich habe selten eine so offene Stimmung erlebt. Aus einer kollektiven Unsicherheit kommen selbst Introvertierte ungewöhnlich weit aus sich heraus. Man spürt, dass alle im selben Boot sitzen. Diese anfänglichen Gruppendynamiken finde ich immer spannend.

Nichtsdestotrotz hinterlässt die Woche nicht nur bei mir Spuren. Viele sind erschöpft und meinen, man könnte es auch mal ein bisschen langsam angehen lassen – nächste Woche. Doch das scheint sehr schwierig zu sein. Man möchte ja nichts verpassen, nicht den Anschluss verlieren. Ständig geht jeden Abend irgendwo etwas. In kürzester Zeit hat sich eine permanente Party-Dynamik entwickelt. Da ist es besonders herausfordernd, zu sich selbst und seinen Bedürfnissen zu stehen und auch mal „Nein“ zu einem Event sagen.

Ich bin nicht nach Zagreb gekommen, um ein klassisches Erasmus-Party-Semester zu machen (so wie viele Südeuropäer, deren Nationalität(en) ich an dieser Stelle verschweigen möchte). Das sollte auf keinen Fall zu kurz kommen, aber man kann es auch übertreiben. Teilweise hat sich bereits eine exzessive Party-Dynamik entwickelt. Unterschiedliche Gewohnheiten verschiedener Kulturen prallen aufeinander.

Ich möchte vor allem Sprache, Land und Leute kennenlernen. Mich kulturell weiterbilden. Und vor allem viel Zeit mit Schreiben verbringen – als eine Art kreativ Schaffender im Café. (Vielleicht habe ich mir hier etwas zu ambitionierte Ziele vorgenommen). Vor Erasmus dachte ich, dass das kein Problem ist und ich hier viel Zeit haben werde. Nach einer Woche ist mir klar geworden, dass das mit die größte Herausforderung sein wird – neben dem Teilen eines etwa 12m2 großen Zimmers. Ich hatte nicht erwartet, dass rund 500 Erasmus-Studenten nach Zagreb kommen werden. Es sollte eine Auszeit werden. Ich dachte (oder hatte vielleicht auch gehofft), ich wäre der Einzige…

So setze ich mich also damit auseinander, wie oft ich in der Woche feiern gehen möchte? Wie viele soziale Kontakte oder Freundschaften ich aufbauen/pflegen kann oder will? Oder an wie vielen Aktivitäten des Vereins, der Aktionen für Erasmus-Studierende organisiert, ich teilnehmen möchte? Oder wie viele Reisen ich unternehmen kann?

Mir ist jedoch bewusst geworden, dass es mir um mehr geht, als eine außergewöhnlich schöne Zeit zu haben. Dass ich hier vor allem etwas mitnehmen möchte und deswegen teilweise andere Motive/Ziele/Erwartungen und Wünsche an mein Erasmus-Semester habe, als einige meiner Mit-im-Boot-Sitzer. Deshalb fühlt sich gelegentlich ein bisschen so an, als würde ich ab und an gegen den Strom schwimmen – ein innerer Antrieb, der mich dazu bewegt hat nach Zagreb zu kommen. Ich wollte noch nie machen, was alle machen. Lieber ein bisschen anders sein. Mein Ding machen. Gegen den Strom schwimmen. Das erinnert mich an ein Lied aus meiner Kindheit:

„Sei ein lebendiger Fisch.
Schwimme doch gegen den Strom.“

So möchte ich sein! Lebendig! Was ich früher als Kind voller Leidenschaft mitgegröhlt habe, ist heute eine gelegentlich anstrengende Herausforderung geworden. An dieser Stelle meine ich nicht, dass ich aus Prinzip eine Anti-Haltung einnehme einfach nur um dagegen zu sein und sein Ding zu machen. Ich will vielmehr zu meinen Motiven zu stehen, denn:

„Nur die toten Fisch schwimmen immer mit dem Strom,
lassen sich von allem anderen treiben.“

Zum Abschluss 3 Fragen an dich zum Nachdenken und Beantworten:

  • Schwimmst du eher mit oder gegen den Strom?
  • Wie fühlt es sich für dich an, gegen einen Strom schwimmen?
  • Lohnt sich das für dich? Warum?

Schreib uns doch deine Gedanken entweder per Mail oder Whatsapp (einfach auf den Link klicken).

Hier kannst du dir das ganze Kinderlied anhören:


by spaghettihirn

Vielen Dank an danny moore für das Foto von Pixabay.

Würde Jesus einen Burger bei McDonalds bestellen?

Als ich auf die Welt kam, wussten meine Eltern bereits, wie sie mich nennen würden: Greta. Ein norwegischer Name, den sie besonders schön fanden. Es gab Zeiten, da mochte ich meinen Namen nicht. Der Grund dafür: niemand anderes hieß so. Erst mit 16 Jahren lernte ich zum ersten Mal eine Person kennen, die den gleichen Namen trug wie ich. Sie war 84 Jahre alt und in Wirklichkeit hieß sie „Margareta“, doch ihre Enkel nannten sie „Oma Greta“. Und irgendwann fand ich es dann auch cool, einen Namen zu haben, der weniger bekannt war.
Doch genau das änderte sich im Mai 2018, als die damals 15-jährige Greta Thunberg, anstatt in die Schule zu gehen, vorm Parlamentsgebäude in ihrem Heimatland Schweden für einen konsequenteren Klimaschutz demonstrierte. Welche Welle daraufhin international ausbrach, ist niemandem von uns entgangen. „Fridays for Future“ wurde ins Leben gerufen und weltweit demonstrieren junge Menschen und mittlerweile auch Erwachsene jeden Freitag für „climate justice“ (übersetzt: Klimagerechtigkeit).

Greta Thunberg beeindruckt mich! Ihr Mut, ihre Hingabe und ihre Authentizität lassen mich wirklich ehrfürchtig werden. Umweltschutz und die Folgen des Klimawandels waren auch für mich schon seit dem Kindergartenalter wichtige und emotionale Themen. Ich bin dankbar für das, was meine Namensvetterin durch ihre Taten erreicht hat und tagtäglich erreicht!
Und ich will mich ihr anschließen und hier auf dem Blog über genau diese Themen sprechen! Denn auch, bzw. vor allem Christen sollten Klimaschutz ernst nehmen. Warum? Darauf will ich in diesem Beitrag eingehen!

2 gute Gründe, warum Christen den Klimaschutz ernst nehmen sollten:

1. Gottes „gute“ Schöpfung ehren
Christen glauben, dass Gott der Schöpfer der Welt ist. Im Schöpfungsbericht heißt es, dass alles, was Gott erschuf, in seinen Augen „gut“ war. Auch können wir in der Bibel lesen, dass Gott den Menschen als „Verwalter seiner Schöpfung“ erschaffen hat:
„Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen.“
(EÜ, Genesis 1,26)

Die Schöpfung ist ein „Geschenk“ von Gott an uns Menschen. Viele berichten, dass sie sich Gott in der Natur am nächsten fühlen, weil ihre Schönheit und ihre Größe von IHM zeugen.
Doch wie gehen wir mit Gottes „guter“ Schöpfung um?
Plastikmüll im Meer, Aussterben von faszinierenden Unterwasserlandschaften, ausgetrocknete Flussbetten, schmelzende Eisberge, Abholzung von Regenwäldern für wirtschaftliche Zwecke, Überproduktion und Wegschmeißen von Lebensmitteln, klimabedingte Umweltkatastrophen, Anstieg der Meeresspiegel und noch viel mehr!
Das sind nur einige der Folgen unseres bisherigen Umgangs mit dem Geschenk, das Gott uns Menschen einmal aus purer Liebe übergeben hat.

Und was ist mit den, von Gott geschaffenen und vom Menschen benannten Tieren? Ja, Gott beauftragte den Menschen, über die Erde und die Tiere zu „walten“. Doch wie sieht diese „Verwaltung“ heutzutage aus?
Grausamste Massentierhaltung, Artensterben, Wilderei, Überfischung der Meere, Tierversuche und so weiter…
In Sprüche 12,10 heißt es: „Ein guter Mensch sorgt für seine Tiere, der Gottlose aber ist durch und durch grausam.“

Wo ist also unsere Achtung vor Gottes „guter Schöpfung“ geblieben?
Deshalb meine Frage: Würde Jesus einen Burger bei McDonalds bestellen?
Einen Burger, für dessen Herstellung 2400l Wasser verbraucht wurden und für dessen Frikadelle ein Tier gestorben ist, das zuvor gemeinsam mit bis zu 500 anderen Rindern auf minimalstem Stallplatz gemästet und unwürdevoll getötet wurde?
Ich weiß es nicht. Würdest Du den Burger essen?

2. Deinen Nächsten lieben
Als die Jünger von Jesus wissen wollten, welches Gebot das Wichtigste sei, antwortete Jesus: „Liebe deinen Nächsten wie Dich selbst.“ (Markus 12,31)

Wenn ich mir ein T-Shirt bei H&M (etc.) kaufe, trage ich mit meinem Kauf dazu bei, dass Kinder weiterhin unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und für einen viel zu niedrigen Lohn Kleidung herstellen, die anschließend für relativ wenig Geld in v.a. westlichen Ländern verkauft wird. Ehre ich damit meine Mitmenschen?

Die Folgen des Klimawandels (Dürre, Trockenheit, Waldrodung, Überschwemmung, etc.) treffen momentan vor allem Menschen in Entwicklungsländern. Also Menschen, die vorwiegend in wirtschaftlich schwachen Ländern leben und ihre Nahrung zum Großteil aus eigener Landwirtschaft beziehen. Klimaschwankungen führen unter anderem dazu, dass die Ernten ausbleiben und Familien ihre Existenzs- und Nahrungsgrundlage verlieren. Unterernährung, Krankheiten, Trinkwassermangel und das Verlassen der eigenen Heimat sind die Folgen. Ehre ich also meine Mitmenschen, wenn ich (zum Beispiel) einen Inlandsflug von München nach Berlin buche und damit zu einem erhöhten (und unnötigen) CO2-Ausstoß beitrage, der wiederum den Klimawandel vorantreibt?

Ich glaube, dass es unbedingt notwendig ist, dass sich Christen ihrer (von Gott übertragenen) Verantwortung bewusst sind und mit ihrem Lebensstil einen Unterschied in dieser Welt machen! Meiner Meinung nach ist Klimaschutz eine zutiefst christliche Erfindung. Jede unserer täglichen (Kauf-/Handlungs-)Entscheidungen ist eine Möglichkeit, Gottes Schöpfung und unseren Mitmenschen weltweit die Ehre und Würde entgegen zu bringen, die ihnen zustehen!

Also los!
Wenn ich mit Freunden über Klimaschutz spreche, höre ich häufig die Aussage: „Aber es bringt doch sowieso nichts, wenn nur ich meine Lebensweise verändere! Alle Menschen müssten mitziehen.“
Ich kenne diesen Gedanken auch. Verständlich, oder?
Während ich komplett auf tierische Produkte verzichte, um meinen CO2-Ausstoß zu verringern, bucht eine Freundin von mir gerade ihren achten Flug für einen Wochenendtrip dieses Jahr. Das frustriert mich!
Doch auch ich habe noch lange nicht in jedem Bereich meines Alltags einen umweltschonenderen Weg gefunden! Der entscheidende Punkt ist, dass jeder von uns in seinem Alltag einen ersten Schritt machen kann! Und dann einen zweiten und einen dritten.

6 einfache Schritte, die Du tun kannst:

  1. Iss weniger/kein Fleisch und andere tierische Produkte
  2. Nutze Fahrrad und Bahn statt Auto und Flugzeug
  3. Unterstütze Organisationen finanziell, die Entwicklungshilfe und Armutsbekämpfung vorantreiben (Bsp.: Brot für die Welt)
  4. Geh streiken – am 29.11.2019 in deiner Stadt am „Global Day of Climate Action“
  5. Hinterfrage deinen Konsum
    – Wo kannst Du mehr auf Plastik verzichten?
    – Schonmal deine Kleidung „second hand“ gekauft?
  6. Informier dich über Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Tierhaltung und Umweltpolitik. Zum Beispiel hier:
    – Fridays for Future: https://fridaysforfuture.de/
    – IPPC Report: https://www.de-ipcc.de/
    – 17 Nachhaltigkeitsziele der Micha-Initiative: https://www.micha-initiative.de/nachhaltigkeitszielesdgs
    – Film über Tierhaltung weltweit: http://www.earthlings.de/

Das war’s von mir diese Woche! Mir liegt dieses Thema sehr auf dem Herzen und ich weiß, dass das Lesen dieses Beitrags durchaus unangenehm sein kann. Ich möchte auf keinen Fall „von oben herab“ schreiben. Es geht mir darum, einen Anstoß dazu zu geben, sich über dieses längst überfällige Thema (und unsere Verantwortung dafür) Gedanken zu machen und neue Wege und Möglichkeiten im Alltag zu finden. Auch ich darf dabei noch Vieles lernen und verändern.

Meine Frage an Dich:
Wie stehst Du zum Thema „Klimaschutz“ und welchen Schritt wirst du diese Woche noch umsetzen?

Ich freue mich (wirklich) auf Deine Antwort!
Deine Greta, die sich jetzt erstmal ein leckeres veganes Eis gönnt! 😉