Alltagspropheten TALK #11 – Vogelfrei oder völlig losgelöst?!

Passend zur Aktuellen AP-Serie reden Philipp und Joschka heute über Freiheit und wie sie diesen Begriff unterschiedlich definieren.
Viel Spaß beim zuhören!

Wie immer freuen wir uns über Feedback zum Podcast. Lasst gerne einen Kommentar da oder schreibt uns an info@alltagspropheten.de

Bestellt und tatsächlich abgeholt

Lena, 23, bald Sozialarbeiterin, liebt gute Brezeln und frischen Kaffee (am Besten in Kombination). Kann sich sehr gut Gesichter merken, aber leider selten Namen. Bestaunt gerne die Natur und andere schöne Dinge.


Endlich geht das Studentenleben los, in einer schönen Stadt, mit viel Sonne. Endlich das lernen, was mich wirklich interessiert, mit dem Fahrrad durch die Altstadt cruisen, neue Freunde kennenlernen, eine coole Gemeinde finden…

So, oder so ähnlich waren meine Gedanken, als ich vor knapp vier Jahren mein Studium in einer fremden Stadt startete. Ich hatte mir schon ausgemalt, wie alles werden würde – Freiheit genießen, erwachsen werden und natürlich glücklich sein. 

Wie gesagt, ich war voller Vorfreude, Mut und Erwartung, was da so auf mich zukommen würde. Durch verschiedene Einflüsse hatte ich das Bild vor Augen, das man besonders als Christ gleich irgendwo eine neue Gemeinde finden müsse und dort dann voll einsteigen könne.

Das hat dann alles erstmal nicht so geklappt, wie ich mir das vorgestellt hatte. Mein Studium begann zum Wintersemester – so konnte ich das mit der Sonne erstmal vergessen. Fahrrad war auch nicht drin, da ich im ersten Semester außerhalb wohnte und S-Bahn fahren musste. Das Studium hat mir auch nicht auf Anhieb gefallen und die Gemeindesuche gestaltete sich ebenfalls als schwierig. Ich meine, es war nicht so, dass ich zu Hause saß und gewartet habe, ob mich jemand findet und einsammelt. Ich habe meinen Mut zusammengenommen und bin allein zu christlichen Veranstaltungen, in Gottesdienste, zu Campus und so weiter gegangen. Dort haben sich die Leute auch oft gefreut und mir gesagt, dass es wahnsinnig cool sei, wenn neue Leute kommen und sie sich unglaublich freuen würden. „Wow”, dachte ich, „mega cool“. Doch in der nächsten Woche erinnerte sich irgendwie niemand mehr an mich und ich stand plötzlich wirklich wie bestellt und nicht abgeholt herum. Versteht mich nicht falsch – ich will die Gemeinden nicht irgendwie schlecht machen oder so, das sind einfach Erfahrungen, die ich gemacht habe.

In mir wuchs Unzufriedenheit, Frust und Enttäuschung. „Warum bekomme ich das nicht hin?“, „Was mache ich falsch, bin ich falsch?“, „Jesus, was ist da los?“. In Gesprächen mit anderen Christen kam oft relativ am Anfang die Frage, ob ich denn in der neuen Stadt eine Gemeinde gefunden habe. An sich keine schlimme Frage, bekundet ja Interesse. Wenn ich aber dies etwas beschämt verneinte, hatte ich das Gefühl, mein Gegenüber weiß nicht so richtig, wie er oder sie reagieren soll. Irgendwann bekam ich den Eindruck, dass mein Glaube von der Zugehörigkeit zu einer Gemeinde abhing und fing an, das auch selbst zu glauben. 

Mit der Zeit wurde mir dann klar, dass es keinen Sinn hatte, etwas zu erzwingen und mit Druck an die Sache heranzugehen und es absolut okay ist, keine feste Gemeinde zu haben, in der man vom Kindergottesdienst bis zur Seniorengruppe alle kennt. Klar, in der Bibel steht, dass man als Christ die Gemeinschaft suchen soll – das glaube ich auch und halte es für wichtig. Aber man kann auch ein erfülltes Glaubensleben haben, wenn man vielleicht kleine Gemeinschaften, wie zum Beispiel eine Zweierschaft, hat. 

Nun bin ich entspannter geworden und gehe mal in die Gemeinde zum Gottesdienst, manchmal in die andere, manchmal gar nicht. Irgendwann habe ich auch angefangen im CVJM (Christlicher Verein junger Menschen) mitzuarbeiten und hatte so Kontakt zu anderen Christen. 

Es haben sich dann auch noch paar andere Sachen geändert. Seit ein paar Monaten geht’s mir echt gut – ich habe viel über mich gelernt. Zum Beispiel, dass es zum Leben dazu gehört, auch mal „schlechtere Phasen“ zu haben und dass es auch nicht schlimm ist, das zu haben und ich trotzdem ein erfülltes Leben leben kann. Ich glaube an Jesus und so habe ich natürlich viel dafür gebetet, ihn gefragt und war auch wütend auf ihn, dass das alles nicht so wird, wie ich das will. Und ja, Jesus ist kein Wunschautomat und mit ihm zu leben heißt auch nicht, dass immer alles super ist. Es heißt Leben mit allem was dazu gehört, mit Höhen und Tiefen und dem Wissen, dass Jesus da ist und spürt, wie es uns geht – „Du salbst mein Haupt mit Öl, ´um mich zu ehren`, und füllst meinen Becher bis zum Überfließen.“ Psalm 23,5.  Krasser Zuspruch, oder? Gott, der König, den wir ehren sollen, ehrt erstmal uns und er gibt uns sogar mehr, als wir brauchen und vielleicht auch wollen. 

Ich habe auf Zeichen und Wunder gewartet. Und Jesus hat sie mir gezeigt, nicht actionmäßig auf einen Schlag, sondern ganz still, Stück für Stück und immer wieder – ich konnte sehr wertvolle Freundschaften schließen, die Stadt ist bei Sonnenschein wunderschön und ich lebe gerne hier, bin im zweiten Semester in eine wunderbare WG in Innenstadtnähe gezogen und mein Praxissemester war voll die Bestätigung für mich, dass ich das Richtige studiere und ich in diesem Beruf arbeiten will. Irgendwann hat sich dann ein Gefühl der Zufriedenheit eingestellt und ich war und bin glücklich, wie alles wurde und ist, obwohl sich manche Vorstellungen nicht erfüllt hatten. Ich bin Jesus dankbar, dass er mir gezeigt hat, dass ich auch dann glücklich und zufrieden sein kann, wenn es nicht so läuft, wie ICH mir das vorstelle. Wie ihr vielleicht gemerkt habt, kommen in diesem Text sehr oft die Wörter ICH und MEINE Vorstellungen vor. In Anbetracht dessen, dass ich es mit Jesus zu tun habe, kann ich getrost meine Pläne und Wünsche abgeben (was auf keinen Fall immer leicht ist) und schauen, was er daraus macht (ich darf ihm alle meine Wünsche sagen und dafür bitten, möchte aber bereit sein, seinem Willen zu folgen). Und er hat mich eingeladen, ihm echt mein ganzes Leben anzuvertrauen. Das fällt mir zwar nicht immer leicht, aber ein Mann weit über 60 meinte letztens zu mir, dass wir immer Lernende bleiben – das beruhigt mich dann doch 😊 

Wenn man in der Bibel liest und sich die Biografien der Menschen dort mal genauer ansieht, fällt auf: niemand hatte das perfekte Leben. Viele der Menschen waren auch öfter in echt brenzligen Situationen, die meisten hatten Zweifel und haben sich gefragt, wo das alles hinführt und trotzdem ist das Wichtigste, dass Gott sie nie, wirklich nie verlassen hat, sondern gerade in solchen Situationen unglaublich nah war und oft etwas mit ihnen vorhatte oder ihnen etwas mitteilen wollte. Ich bin der Überzeugung, dass das für uns heute noch genauso gilt.

Ich persönlich habe viel aus der Zeit mitgenommen und bin dankbar für die Zeit, die ich in dieser Stadt wohnen durfte, dankbar für die tiefen Freundschaften, die ich dort geschlossen habe und freue mich auf die nächsten paar Monate, die ich dort leben kann, bevor es Abschiednehmen heißt. Ich bin gelassener geworden, was Vorstellungen und Erwartungen betrifft, bin auch ein Stück gestärkter, weiß, dass ich schwach sein darf und ich weiß auch, wie ich nächstes Mal anders an die ganze Sache rangehen kann. 


Das Beitragsfoto stammt von Claudio Schwarz von Unsplash.

Hast du auch Lust einen Gastbeitrag zu schreiben? Dann schreib am besten eine Mail an info@alltagspropheten.de oder kontaktiere uns über Social Media. Wir freuen uns!

Gute Kunst: Ziemlich feste Freunde

Spotify-Playlist

Wir haben wieder eine bunt gemischt Spotify-Playlist mit Songs verschiedener Stile zusammengestellt. 29 handverlesene Lieder, in präziser Reihenfolge einigermaßen hintereinander sortiert. Dir fehlt noch ein Song? Dann schreib uns, welcher unbedingt noch rein muss.


Film: Greenbook

Mit fünf Oskars ausgezeichnet dreht sich dieser Film – nach einer wahren Begebenheit – um die Freundschaft zwischen dem schwarzen Jazz-Pianisten Don Shirley und seinem weißen Fahrer Tony Lip. Die Handlung spielt in den 60er-Jahren als Tony seinen Chef auf dessen zweimonatiger Tournee durch die Südstaaten der USA chauffiert. Thematisiert Rassismus entlarvend.


Poetry Slam: Freundschaft

Hast du noch Freunde aus der Schule? Influencer Marco Maiworm hat in einem Text den Verlust einer alten Freundschaft verarbeitet. Berührend.

Du kannst ihn dir entweder hier auf Instagram anschauen: https://www.instagram.com/tv/CApQ6PxjnVK/?utm_source=ig_web_button_share_sheet oder hier auf seinem Blog lesen: https://sackenlassen.blogspot.com/2019/05/freundschaft.html.


Film: Ziemlich beste Freunde

Inspirierend für den Titel unsere aktuelle AP-Serie und ein absoluter Klassiker, der von der einzigartigen Freundschaft zwischen dem gelähmten Franzosen Philippe und seinem senegalesischen Pflegehelfer Driss. Humorvoll und tief gehend zugleich. Der Film wurde durch die Autobiografie Le second souffle von Philippe Pozzo di Borgo inspiriert.


Podcast: Wann der Altersunterschied egal ist

Wie alt sind deine Freunde so? Und würdest du dich und deine(n) Mutter/Vater als Freunde bezeichnen?
Genau um diese Fragen dreht sich der DLF-Nova-Podcast „Ab 21“. Model Elena Carrière (21) und Schauspieler Mathieu Carrière (69) erzählen im Interview von ihrer besonderen Freundschaft als Tochter und Vater.
Anschließend stellt sich Psychologin Julia Hahmann der Frage, was eine Freundschaft eigentlich ausmacht. Für neue Blickwinkel hörenswert!

Alltagspropheten TALK #10 – Bromance und andere Freundschaften

In dieser Folge wird es deep. Philipp redet über Gefühle und Joschka erzählt, was ihm an Freudschaften wichtig ist. Also bloß nicht verpassen!

Teuflische Zauberkunst?!

Sören, 21, Student und Zauberkünstler.
Seit elf Jahren von der Zauberkunst in den Bann gezogen. Verbringt die Wochenenden damit, seine Leidenschaft mit anderen zu teilen. Vom Kind auf den Straßen Kubas bis zu zweitausendvierhundert Menschen in der Alten Oper in Frankfurt.
Liebt Kaffee, Kameras und Ordnung.

„Teuflische Zauberkunst?!“ weiterlesen

Gute Kunst: Fest verwurzelt oder umgetopft?

Ab sofort gibt es zu jeder Alltagspropheten-Serie einen Beitrag namens „Gute Kunst“. Dort findest du – wie schon bei unserer Testreihe „Zwischen Glauben und Zweifeln“ – alle möglichen kreative Erzeugnisse, die wir so feiern. Den Song, den du schon immer mal hören solltest oder das Buch, das du schon immer mal lesen wolltest. Perfekt zum Schmökern.

„Gute Kunst: Fest verwurzelt oder umgetopft?“ weiterlesen

Alltagspropheten TALK #09 – Wo ist Heimat?

Wo ist Heimat? Gibt es einen Unterschied zwischen Heimat und Zuhause? Joschka und Philipp reden als zwei nicht wirklich sesshafte Menschen genau darüber. Sprechen da also zwei Blinde von der Farbe? Finde es heraus.

Alltagspropheten TALK #08 – Auszeiten

In der heutigen Folge Alltagsproheten TALK geht es um Auszeiten. Zur Zeit der Aufnahme wussten die wenigsten, welches Ausmaß die weltweite Auszeit – Corona haben würde.
Auf unserem Blog sind Auszeiten ein Dauerbrenner. In dieser Folge reden Philipp und Joschka zusammen mit Benita darüber und wie wir diese gestalten.

Auch Benita hat einen Podcast. „denkwürdig – bedenkenswert“ heißt er. In ihrer aktuellsten Folge „TRAUMJOB“ sind Joschka und Philipp zu Gast und reden darüber, von welchen Jobs sie als Kind geträumt haben.

Im Hier und Jetzt

Sofia. 23. Irgendwo zwischen Praktikum und Bachelor-Abschluss. Mag Fair-Fashion, ausgelassenes Gelächter, Sommer und den Ozean. Liebt deep talks, lange Spaziergänge in der Natur und umgeben zu sein von den Menschen, die sie gern hat. Ist in der Welt Zuhause und immer auf der Suche nach Gott.

„Im Hier und Jetzt“ weiterlesen

Alltagspropheten TALK #07 – Glauben und (Ver)zweifeln auf dem Balkan – 056

Kommt mit auf einen Roadtrip! Der heutige Podcast kommt aus einer außergewöhnlichen Location. Joschka und Philipp podcasten dieses Mal aus dem Auto auf ihrer Tour durch den Balkan. Dort sprechen sie über die aktuelle Themenreihe Glaube und Zweifel.

Den Podcast gibt es dieses Mal sowohl auf Spotify zum Anhören, als auch auf YouTube als Video zum Anschauen.

Lasst uns gerne in den Kommentaren wissen, was ihr davon haltet. Oder schickt uns eine E-Mail an: info@alltagspropheten.de

Von der Heiligkeit, die Hosen runterzulassen

Lynn. 25. Studentin in Heidelberg. Braucht Kreativität und Aktivität. Ist outdoorbegeistert. Liebt Kuchen, Gespräche mit Lachanfällen und lernt gerade, sich von Gott unterbrechen zu lassen.

„Von der Heiligkeit, die Hosen runterzulassen“ weiterlesen