Herzschmerz ist ein Arschloch!

„Mehr als alles andere behüte dein Herz.“ – Sprüche 4,23

Ich werde gerne von anderen Menschen gemocht, geschätzt und geachtet. Ich möchte wahrgenommen werden. Nicht 08/15 Smalltalk führen, sondern eine interessante und interessierte Gesprächspartnerin sein.
Es fällt mir nicht leicht, mir das einzugestehen, doch ich glaube –ohne mein eigenes Denken relativieren zu wollen – dass alle Menschen dieses tiefe Bedürfnis, gesehen zu werden, kennen und fühlen. Sehnen sich nicht alle nach Liebe, Aufmerksamkeit und Wertschätzung von außen? Danach für andere bedeutungsvoll zu sein und einen besonderen Platz in ihrem Herzen einzunehmen?

Ist das überhaupt verwerflich? Ich denke nicht. Es ist vielmehr zutiefst menschlich und göttlich zugleich. Wir brauchen einander und dürfen/sollen uns in Liebe begegnen. Wie einsam und langweilig wäre es, wenn jeder sich allein genug ist und gar kein Interesse an sozialer Interaktion mit anderen hätte?

Immer da, wo Menschen aufeinander zugehen, miteinander agieren und Beziehung leben – ob freundschaftlich oder romantisch – stehen diese Bedürfnisse im Raum. Das Bedürfnis, gesehen, gemocht und geschätzt zu werden. Je stärker diese Bedürfnisse in der Interaktion zweier Menschen sind, umso tiefer ist ihre Beziehung. Wo ehrliches Interesse, wahrhaftige Aufmerksamkeit und echte Liebe sind, kann eine Beziehung entstehen und wachsen. Ich bin davon überzeugt, dass genau das ein zutiefst gutmütiger und liebevoller Gedanke Gottes für uns Menschen ist. 

„Wenn wir einander lieben, ist Gottes Liebe in uns zum Ziel gekommen.“
– 1. Joh. 4,12

Doch was passiert, wenn Liebe, Aufmerksamkeit und Interesse einem anderen nicht aus hingebungsvoller Selbstlosigkeit, sondern aus selbstsüchtiger Eigennützigkeit entgegengebracht werden? Was passiert, wenn Liebe plötzlich zum Mittel wird, die Gefühle eines anderen zu manipulieren oder den eigenen Liebestank aufzufüllen? Was ist, wenn Aufmerksamkeit und Interesse nur mit dem Ziel, die andere Person auf sich selbst aufmerksam zu machen, gezeigt werden?

Es gab eine Zeit, in der ich die Verletzlichkeit des Herzens anderer nicht wahrgenommen und vielleicht sogar bewusst ignoriert habe. In mir war die große Sehnsucht danach, gesehen und geliebt zu werden. Ich wusste, wie ich gucken, was ich sagen und wie ich mich verhalten musste, um insbesondere Männern zu imponieren und sie dazu zu bringen, mir ihre Aufmerksamkeit und einen Teil ihres Herzens zu schenken. Ich habe Hoffnungen gemacht, wo keine waren; habe Gefühle erzeugt, die ich nicht wahrhaft erwiderte und habe Herzen verwundet, die zuvor heil waren. Welchen großen Schmerz ich vermehrt durch mein selbstsüchtiges Verhalten ausgelöst habe, ist mir erst bewusst geworden, als ich selbst  diejenige war, deren Herz verwundet wurde. Herzschmerz ist nicht vergleichbar mit dem Schmerz, den ein Beinbruch verursacht. Herzschmerz geht tiefer und kann gravierende Narben in der Identität eines Menschen hinterlassen. Hätte ich das Herz anderer und  mein eigenes Herz besser beschützt, wäre viel Schmerz erspart geblieben.
Heute achte ich sehr auf mein Verhalten, meine Handlungen, meine Worte und meine Blicke, wenn ich mit Menschen, vor allem mit Männern, zusammen bin. Ich möchte weder noch einmal ein anderes Herz kränken, noch mein eigenes in Gefahr bringen. Mehr und mehr bewahrheitet sich für mich der folgende Bibelvers:

„Mehr als alles andere behüte dein Herz,
denn von ihm geht das Leben aus.“

Unser Herz ist so fragil, so verwundbar und so enorm wichtig für unser Lebensgefühl. Ich meine nicht den gesundheitlichen, sondern den seelischen Zustand des Herzens. Wie es dem Herzen geht, beeinflusst maßgeblich, wie es uns geht. Wenn das Herz schmerzt, wird das Leben schwerer und einsamer; der Alltag zur Aufgabe und die Gedanken und der Kummer in manchen Momenten unaushaltbar. Aber wenn es dem Herzen gut geht, fällt alles etwas leichter. Das Leben fühlt sich wie Fliegen an und die Hoffnung aufs Gute trägt einen durch die tiefen Täler.

Doch wie sollen wir etwas behüten, das wir nicht (be-)greifen können? Was ist unberechenbarer und weniger beeinflussbar als das Herz, das durch und durch von starken positiven, wie negativen Gefühlen erfüllt ist und rationale Gedanken binnen weniger Sekunden überlagert? Mal im Ernst: Wer von uns kann beeinflussen, was das Herz fühlt? Wovon das Herz voll ist?

Schon C.S. Lewis wusste: „To love is to be vulnerable“. Herzensanliegen gehen tief, sind faszinierend intensiv und krankhaft zerstörerisch zugleich. Entscheidend ist nicht, das eigene Herz vor Gefühlen zu verschließen (das funktioniert sowieso nicht), sondern dem eigenen Herzen aufmerksam nachzufühlen und behutsam mit ihm umzugehen. Das eigene Herz zu behüten kann bedeuten, die eigenen Gefühle und Gedanken zu reflektieren, sich für einen Moment einen Boxenstopp einzurichten, herzgeleitetes Handeln im Spiegel der Realität zu hinterfragen und rationale Fakten im Verhältnis zu den eigenen Gefühlen zu sehen. Eine Mammutaufgabe also. 

Zum Schluss:
Verliebtsein ist wunderschön und hat die volle Berechtigung, unser Herz zu erfüllen und unsere Gedanken rosarot zu färben. Insbesondere, wenn es uns vollkommen überflutet und alles um uns herum in Glitzer und Seifenblasen taucht. Doch der beflügelndste Tagtraum kann sich als schiere Illusion entpuppen und unser Herz leer und verwundet zurücklassen. Dating ist ne super Sache, solange sich zwei Menschen ihrer eigenen Gefühle bewusst sind oder bewusst werden. Das Ungewisse gehört dazu und trägt ja auch irgendwie dazu bei, dass alles so wunderbar aufregend und risikoreich ist. Trotzdem gibt es einen gewissen Punkt, wenn das Herz mehr und mehr involviert ist, an dem die Fronten geklärt werden sollten. Klingt unromantisch. Muss es aber nicht sein. In jedem Fall eine hilfreiche Prävention für unser kostbares Herz, die schlimmere Folgen vermeiden kann.

„Mehr als alles andere behüte dein Herz,
denn von ihm geht das Leben aus.“

Eure Greta.

Wir brauchen deine Existenz

Hoffnung. Das ist, was am Ende dieses Beitrags bleiben soll. Und ich weiß, dass der ganze Part dazwischen vermutlich eher in eine gegenteilige Richtung geht. Ich weiß, dass ganz vieles von dem, was ich hier schreibe, nicht danach klingt, als ob ich diejenige sein sollte, dir was von Hoffnung zu erzählen. Aber ich weiß, dass Hoffnung der einzige Grund ist, warum ich heute überhaupt noch irgendwas zu sagen habe. 

Ich habe mich in so vielen Nächten gefragt, ob es einen Unterschied machen würde, wenn ich am nächsten Tag nicht mehr da wäre. Ich habe mich so oft gefragt, ob mein Tod überhaupt auffallen würde. Ob meine Existenz auf der Welt einen Unterschied macht. Ob jemand mich für das wahrnimmt, was ich bin. Ob mich jemals jemand lieben wird. Ob ich auf dieser Welt irgendeine Bedeutung habe. Meine Reaktion auf all diese Fragen waren Selbstmordgedanken.

Das Ding ist aber, die Antwort auf jede einzelne dieser Fragen ist JA. Falls du dir auch nur eine dieser Frage je gestellt hast, lautet die Antwort darauf: JA! Aber in meinem Leben habe ich meistens auf diese Stimme gehört, die mir weismachen wollte, die Antwort sei Nein. Depression. Ich musste ganz schmerzlich lernen, dass Depression lügt. Wirklich immer. Ich musste lernen, dass es zwar sehr viel schwerer ist, nicht darauf zu hören, sich aber im Endeffekt immer lohnt. Und ich durfte verstehen, dass ich so viel stärker bin, als ich meine zu sein. Und das bist DU auch.

Depressionen sind deswegen gefährlich, weil sie alles in Frage stellen, was über dein Leben wahr ist. Dass DU aus einem guten Grund hier bist. Dass DU geliebt wirst. Dass ein wunderbarer Schöpfer DICH wahrnimmt und seine Hand über DIR hält. Dass DEINE Existenz einen riesigen Unterschied macht. 

Ich kannte und kenne all diese Wahrheiten und Aussagen und es klingt so leicht, wenn jemand sagt, du musst das nur glauben. Aber das war und ist ein einziger Kampf. Und es klingt so leicht, wenn jemand sagt, du musst doch nur weiteratmen. Doch in Phasen, in denen ich wusste, dass der Schmerz in mir, wenn ich ihn noch ein kleines bisschen länger aushielte, mir den Atmen rauben und ich zusammenbrechen würde, schien selbst Atmen unmöglich zu sein. Während solcher Panikattacken war das Badezimmer oft der Ort, an den ich flüchten konnte und wo ich mich mehr als einmal auf den kalten Badezimmerboden legte und glaubte, im nächsten Moment zu ersticken. Weil ich nicht mehr wusste, wie ich noch Luft bekommen sollte. Weil meine Panik und Angst so groß waren, dass meine Herzschlagfrequenz gefährlich hohe Werte erreichte. Weil alles nur noch schwarz war. Weil mich das Ende nicht überrascht hätte. 

Dabei wollte ich nie wirklich sterben, aber ich hatte das Gefühl nicht mehr leben zu können. 

Gleichzeitig tat es in anderen Momenten so gut zu wissen, dass alles, was ich tun musste, atmen war. Nichts leisten, nichts vorweisen. Nur atmen. Und dennoch war ich geliebt. Niemand brauchte meine Perfektion. Aber meine Existenz war unabdingbar. Mein Atmen und mein Sein wurde und werden weiterhin gebraucht! Das trifft mich immer wieder. Gerade dann, wenn ich es nicht glauben kann. Gerade dann, wenn meine Perfektion sich sonst wo rumtreibt. Bedingungslos geliebt zu sein, ist ein unendliches Privileg. Und der Schöpfer des Universums bringt mir und dir diese selbstlose und völlig unverdiente Liebe entgegen. 

Das durfte ich immer wieder erleben und habe dann lange nach dem gesucht, was ich von diesem einen chaotischen und kostbaren Leben erwarte. Dabei durfte ich feststellen, dass das Leben meist unfassbar schwer und zugleich ganz leicht ist. Das Leben ist selten schwarz und weiß. Ich habe Träume für mein Leben und gleichzeitig gibt es Momente, in denen mir all diese plötzlich gleichgültig erscheinen und in denen alles, was ist und wovon ich träume an Relevanz verliert und nur dieser eine Gedanke bleibt: irgendwie aussteigen zu wollen.

Mich dann immer und immer wieder fürs Leben entscheiden zu müssen, verlangt mir Vieles ab. Aber es gibt mir gleichzeitig auch so viel MEHR zurück. Wie viele wunderschöne Momente, Chancen und Begegnungen hätte ich sonst verpasst. Und ja, für mich war Hoffnung nie einfach da, sie war immer eine Entscheidung. Immer eine Herausforderung. Und es immer wert.

Dennoch ist mein ganzes Leben ein Kampf, den ich entweder gewinne oder beim Versuch zu gewinnen, sterbe. Ich wünschte das wäre anders. Ich wünschte ich hätte nicht so viel für dieses Leben zu kämpfen. Ich wünschte, es wäre ein kleines bisschen leichter. Das einzige, was es möglich macht, weiter vorwärts zu gehen, ist Hoffnung. 

Hoffnung macht es möglich nicht aufzugeben. Dieses Jahr wurden so viele Dinge abgesagt, auf die ich hingelebt habe. Aber Hoffnung wird niemals abgesagt werden. Ich weiß, dass das wahr ist. An manchen Tagen kostet es mich dennoch alles an der Hoffnung festzuhalten. An Tagen, an denen alles in mir bereit ist zu sterben. An Tagen, an denen es mir schwerfällt, den nächsten Atemzug zu machen. An Tagen, an denen ich stundenlang mit der Rasierklinge in der Hand dasitze. An Tagen, an denen ich mich zwingen muss, nicht auf Parkhausdächer zu steigen. An Tagen, an denen ich des Lebens einfach müde bin.

Aufgeben wäre nicht schwer. Zum Aufgaben braucht es nicht viel. Aber Heilung braucht die Bereitschaft zu Kämpfen. Heilung braucht Zeit. Und es ist so wichtig sich diese Zeit zu nehmen! Zeit zu kämpfen und zu hoffen und niemals aufzugeben!

Die Wahrheit ist, die Welt wäre nicht die Gleiche ohne DICH darin. Schon allein, weil du Menschen in tiefster Trauer und mit unfassbarem Schmerz zurücklassen würdest. Selbstmord mag sich nach dem einfachsten und selbstlosesten Ausweg anhören, aber das ist schlichtweg nicht wahr! 

Ich weiß, wie sich Schmerz anfühlt, der unaushaltbar ist. Ich habe Erfahrungen mit Autoaggression und Selbstverletzung. Ich weiß, wie sich Einsamkeit und Verzweiflung anfühlen. Ich weiß, wie es ist, wenn man einfach nicht mehr weiterleben will. Aber Selbstmord ist nicht die Antwort darauf! Es mag sein, dass du das als einzigen Ausweg siehst, ich kann das verstehen. Aber ich will dir Mut machen, dein Leben nicht wegzuwerfen, sondern in Gottes Hände zu legen. 

Als ich mit 13 zum ersten Mal nicht mehr existieren wollte, habe ich Gott mein Leben gegeben. Ich wollte dieses Leben nicht mehr, aber er hatte irgendwie dafür gesorgt, dass ich weitergelebt habe. Also sollte er sich gefälligst was Gutes für mein Leben ausdenken. Das hat er auch getan. Es hat allerdings zwei weitere Selbstmordversuche gebraucht, bis ich den unfassbaren Wert meines Lebens wirklich verstanden habe. Es hätte mich nicht gewundert, wenn mich meine eigenen Handlungen das Leben gekostet hätten. Bis heute ist mir unerklärlich, warum sie das nie getan haben und warum da immer irgendjemand oder irgendwas war, das mich aufgehalten hat. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass Gott dabei ein entscheidende Rolle gespielt hat. Heute bin ich einfach nur dankbar, an keinem dieser Tiefpunkte gestorben zu sein.

Ich durfte lernen, dass das Leben die meiste Zeit bunt und Hoffnung der kleine weiße Streifen am Horizont ist. Die Frage ist nur, wie navigieren wir durch die Zeiten, in denen das anders ist? Depression hat mein Leben dunkelgrau gemacht. Die Suizidversuche waren die schwärzesten Momente. Aber gerade in diesen Momenten brauchte ich die Hilfe anderer Menschen, die den Horizont noch im Blick hatten, als ich ihn nicht mehr sehen konnte. 

Für selbstbewusste und eigenständige Menschen wie mich ist das eines der härtesten Dinge, die ich je getan habe – einzugestehen, dass ich Hilfe brauche. Zuzugeben, dass ich es allein nicht mehr schaffe. Der Pastor Steve Austin hat wunderschön formuliert, was passiert, wenn wir uns dazu durchringen, anderen Menschen von unseren Problemen und Kämpfen zu erzählen.

Die Kraft der Verletzlichkeit, des Mutes und der Gnade hat mein Leben verbessert. Allerdings ist das nicht von heute auf morgen passiert. Transformation ist gekommen, als ich mit anderen Menschen mitten in unserer Zerbrochenheit Beziehung gelebt habe.

Steve Austin auf twloha.com/blog/being-christian-and-living-with-a-mental-illness/

Genau das durfte ich auch erfahren. Verletzlichkeit macht uns nicht schwach, sie macht uns stärker. Und sie gibt uns die Möglichkeit auf ganz besondere Art, anderen Menschen Hoffnung zu schenken, weil wir selbst ihren Schmerz so gut kennen. Wir sind Hoffnungsträger und wir waren niemals dafür gemacht, allein durch dieses Leben zu gehen. 

Ich habe drei Menschen in meinem Leben als Notfallkontakte in meiner Suicide Safety App, die ich wirklich jederzeit anrufen kann und mit denen ich bereit bin, meine schlimmsten Momente zu teilen. Ich wüsste nicht, was ich ohne diejenigen tun würde. Und um sicher zu gehen, dass mich nicht mein Stolz davon abhält mich an diejenigen zu wenden, und einen dummen Fehler zu machen, habe ich außerdem das Wort alive (lebendig) auf mein Handgelenk tätowieren lassen. Trotz allem was war, bin ich noch am Leben. Und das ist auch der einzige Zustand, in dem ich mich befinden sollte. Für den ganzen Rest meines Lebens. 

Falls da niemand ist, den du anrufen kannst oder willst, hoffe ich trotzdem inständig, dass du mit deinen Gedanken nicht allein bleibst. Bitte sprich mit jemandem. Irgendwem. Einem Pastor oder einem Telefonseelsorger zum Beispiel.

Die TelefonSeelsorge® erreichst du 24-7 unter der Telefonnummer 0800 / 111 0 111, 0800 / 111 0 222 oder 116 123. Außerdem per Mail und Chat unter online.telefonseelsorge.de.

Ich jedenfalls werde weiter hoffen, weiter kämpfen und weiter leben. 

Letztendlich wünsche ich jedem von euch, dass ihr in eurem eigenen Leben solche Menschen findet und eure Todessehnsucht niemals stärker ist als euer Lebensmut! Passt auf euch auf.

xoxo, eure Karo

Your life matters. You’re needed. You’re loved.

Linkin Park

Weitere Links:

Der englischsprachige TWLOHA Blog hilft mir immer und immer wieder.

Da Suizidprävention so wichtig ist, haben die Leute von frnd hier Infos rund ums Thema gebündelt. Schaut gerne auch auf deren Instagram Channel vorbei!

Auch Lukas & Jana haben sich bei uns schon Gedanken zum Thema gemacht. Einfach auf die Namen klicken und du kommst direkt zu ihren Beiträgen.

Gute Kunst: Herz über Kopf

Spotify-Playlist

Wir haben wieder eine bunt gemischt Spotify-Playlist mit Songs verschiedener Stile zusammengestellt. Handverlesene Lieder, in präziser Reihenfolge einsortiert. Dir fehlt noch ein Song? Dann schreib uns, welcher unbedingt noch rein muss.


Film: Alles steht Kopf

Bei der elfjährigen Riley steht alles Kopf seit sie ihre Heimat Minnesota Richtung San Francisco verlassen musste. Ihre Basisemotionen Freude, Kummer, Angst, Wut und Ekel versuchen sie von ihrer psychischen Schaltzentrale aus durch den „Daily-War“ zu manövrieren. So beginnt eine abenteuerliche Reise durch das menschliche Innenleben. Zwischen Traumwelten, dem Langzeitgedächtnis, Persönlichkeit und Kernwerten lernen Riley’s Emotionen sich selbst neu kennen und schätzen, müssen existentielle Krisen überwinden und entdecken völlig neue emotionale Qualitäten und Möglichkeiten. Ein schöner und erfrischender Film, der Psychologie in eine unterhaltsame Story verwandelt und uns dazu ermutigt auch unangenehme Emotionen schätzen zu lernen.


Buch: Resilienz

https://i0.wp.com/images.booklooker.de/x/01JeTn/Christina-Berndt+Resilienz-Das-Geheimnis-der-psychischen-Widerstandskraft-Was-uns-stark-macht-gegen.jpg?w=1200&ssl=1
Quelle: https://images.booklooker.de/x/01JeTn/Christina-Berndt+Resilienz-Das-Geheimnis-der-psychischen-Widerstandskraft-Was-uns-stark-macht-gegen.jpg

Warum können manche Menschen besser mit Krisen umgehen und bleiben dabei gesünder als andere? Warum können einige besser mit ihren Emotionen umgehen als andere? Kann man psychisch unkaputtbar sein? Oder kann man nur lernen schneller und besser wieder aufzustehen, wenn man einen Rückschlag erlitten hat? Was kann man überhaupt für seine innere Stärke tun, was ist genetisch angeboren und welchen Einfluss haben Erziehung, Umfeld und Biografie? All diese Fragen drehen sich um das Thema „Resilienz“ – die Fähigkeit mit widrigen Umständen umzugehen, diese durchzustehen und womöglich noch etwas dabei zu lernen. Die Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt fasst in diesem Spiegel-Bestseller viele Forschungsergebnisse aus Psychologie, Medizin, Soziologie usw. für Laien verständlich zusammen und fühlt den Geheimnissen der Resilienz auf den Zahn. Sehr informativ! Kein klassischer Ratgeber! Und dennoch viel Praktisches für den Alltag!


Fotoprojekt: What real men cry like

Fotografin Maud Fernhout hat sich mit dem Thema Männlichkeit auseinandergesetzt und Männer beim Weinen porträtiert. Das ganze Projekt kann man auf ihrer Website anschauen. Ein paar Hintergründe gibt es hier. Ein Plädoyer gegen eingefahrene Rollenbilder.

Film: I still believe

Ganz ehrlich Leute? Ich hatte bei diesem Film eine Dauer-Gänsehaut und habe Rotz und Wasser geheult. Dies ist wirklich einer der emotionalsten, traurigsten und gleichzeitig schönsten und tollsten Filme, die ich je geschaut habe.

Der Film behandelt die Geschichte des christlichen Sängers Jeremy Camp, welcher kurz nach der Hochzeit die Liebe seines Lebens an Krebs verlor. Die Verfilmung dieser wahren Begebenheit basiert auf seinen Erzählungen. Während der Dreharbeiten war Camp mit anwesend, so dass die Geschichte möglichst wahrheitsgetreu erzählt werden konnte. Gespielt wird Camp von dem Hollywood Schauspieler KJ Apa (bekannt aus „Riverdale“), welcher die Rolle wunderbar verkörpert und mit Leib und Seele spielt. Ebenso singt KJ Apa alle Songs in dem Film mit seiner eigenen Stimme, welche übrigens bei mir jedes Mal eine Gänsehaut hervorruft.

Besonders der Titelsong „I still believe“ ist am Ende ein wunderschöner Abschluss und ganz besonderes Fazit des Films, der nicht nur emotional berührt, sondern auch zum Nachdenken anregt. Denn er behandelt sowohl die wunderschöne, wenn auch sehr kitschige Liebesstory von Jeremy und Melissa, als auch die sehr aktuellen und alltäglichen Themen wie Leid und Tod, und wie man trotz schwerer Umstände an Gott und dem Glauben festhalten kann.

Was mich mit am meisten begeistert ist, dass dieser Film besonders gut und auf eine feinfühlige Art und Weise den christlichen Glauben weitergibt und christliche Werte widerspiegelt. Allerdings sollte man nicht von Anfang an erwarten, dass die Wahrheit des Evangeliums an erster Stelle steht. Dennoch kommt die zentrale Botschaft gut raus und allein schon das Statement was gesetzt wird, indem ein christlicher Film in den Kinos erscheint, ist für mich ein Grund, diesen Film anzusehen.

Ich kann auf jedenfall sagen, dass dieser Film einen Besuch zu 100% wert ist und dich nicht enttäuscht zurücklassen wird.

Um auf den Geschmack zu kommen, kannst du dir hier unten schon Mal das Lied „I still believe“ mit kleinen Filmausschnitten angucken. Wenn du allerdings nichts gespoilert bekommen willst, scrolle lieber weiter😉

So, damit hoffe ich, dass ihr nun richtig gespannt auf den Film seid! Packt eure Freunde oder Familie ein und ab geht es ins Kino…

Und dann schreibt uns gerne auf Instagram, wie ihr den Film findet;)

LG, eure Larissa

Film-Szene aus „I still believe“

Beitragsbild von Joseph Frank auf Unsplash

Nah am Wasser gebaut

Hast du schonmal deinen Vater oder eine andere männliche Person weinen sehen? Ich nur sehr selten. Und wenn doch, muss schon etwas sehr Schlimmes passiert sein. Man(n) weint doch nicht einfach so.

Als Kind war ich eine richtige Heulsuse. Ich habe schnell und viel geweint. Manchmal war das ein willkommenes Mittel, um Autoritätspersonen weichzumachen (funktionierte meistens hervorragend). Als Teenager habe ich mir angewöhnt, nicht mehr so offen zu weinen (was nicht heißt, dass es seltener wurde, geschweige denn immer geklappt hat). Ich habe mich schon immer für sehr emotional gehalten und hatte oft Angst, damit in einer erwachsenen Männerwelt zu bestehen. Was mache ich, wenn ich eigentlich nah am Wasser gebaut bin, aber keine Schwäche zeigen darf oder will? Warum gilt es überhaupt als schwach, Gefühle zu zeigen? Und warum gelten traurige Tränen als besonders schlimm?

Laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung finden die Hälfte aller Männer, dass man(n) in der Öffentlichkeit nicht weinen sollte, unter Frauen sind es rund ein Viertel (Q1). Wo man Männer hingegen immer wieder in der Öffentlichkeit weinen sieht, ist beim Fußball. Zuletzt einige Spieler von Paris Saint-Germain nach dem verlorenen Champions League Finale letzte Woche. Was man auch von den überbezahlten Sportlern halten mag, Emotionen zeigen, die für andere unangenehm wären, können sie.

Ich würde mittlerweile behaupten, dass ich mir aufgrund des gesellschaftlichen Drucks das Weinen abgewöhnt habe (was ich nicht gut finde). Zumindest kann ich mich selten daran erinnern, wann es das letzte Mal war. Mittlerweile fällt es mir nicht nur in der Öffentlichkeit schwer Tränen zuzulassen, sondern auch, wenn mich niemand sieht. Oftmals fühle ich mich danach, aber meine Tränendrüsen scheinen nicht mehr richtig funktionieren oder nur noch selten. Ich habe mir angewöhnt, Emotionen in Form von Tränen aus Traurigkeit zu unterdrücken. Doch ich glaube nicht, dass ein reifer Umgang mit Emotionen bedeutet, sie nicht mehr zuzulassen. Emotionale Intelligenz heißt nicht von einer Heulsuse zum Eiszapfen zu werden. Der angemessene Umgang liegt irgendwo in der Mitte und Eis kann schmelzen. Und so sehr man(n) auch versucht, die Tränen zurückzuhalten: Jede Welle bricht, irgendwann.

Letztendlich ist das hier ein Plädoyer mehr Schwachheit, Verletzlichkeit und insbesondere dafür, Gefühle zu zeigen. Weil ich mir das selbst wieder mehr wünsche. Ich glaube, die Gesellschaft kann das (v)ertragen. Traurigkeit ist zwar weniger schön als Freude, aber letztendlich nicht schlimm. Ich glaube, dass wir sie brauchen, um Freude überhaupt als solche zu erkennen.

In der bereits angesprochenen Studie geben 18,5 Prozent der Deutschen (alle Geschlechter) an, aufgrund von bewegenden Filmszenen zu weinen (Q2). Falls du also am Ende dieses Textes richtig Lust hat, deine Tränendrüsen mal wieder durchzuspülen, empfehle ich dir dieses Video, das mich zum Weinen bringt. Also Taschentücher auspacken und los geht’s:


by spaghettihirn

Danke an Luca Bravo für das Foto von Unsplash.

Fotoreihe: Verstecke Emotionen

Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass Masken unseren Alltag so sehr bestimmen würden, wie es zurzeit der Fall ist? Wir können nur noch wenige Dinge in der Öffentlichkeit tun, bei denen wir keine Maske brauchen. Was dabei verloren geht, sind viele Gesichtsausdrücke und kleine Emotionen, die jetzt unter der Maske versteckt bleiben.

Aber wenn wir ehrlich sind, waren Masken doch schon immer ein fester Bestandteil unseres Lebens. Vielleicht nicht der Mund-Nasen-Schutz, aber die unsichtbaren Masken, die wir aufsetzen, um nicht unsere wahren Emotionen zu zeigen. Wen lässt du hinter deine Maske blicken?
Psalm 139 sagt uns, dass Gott uns voll und ganz durchschaut, er weiß wie es wirklich in uns aussieht und nimmt uns liebevoll unsere Masken ab.

Diese Fotoreihe soll ein paar dieser „Versteckten Emotionen“ darstellen. Erkennst du welche Emotionen sich hinter den Masken verstecken?

Jonathan, 29 Jahre alt, leidenschaftlicher Fotograf und Videograf aus der Nähe von Tübingen. Liebt es zu Reisen ob in Deutschland oder auch in ferne Länder. 

Mehr Fotos und Videos von Jonathan könnt ihr auf seiner Instagram-Page finden: @jonathan_ohnmacht

Was fühlst du?

Milli, 27, verheiratet und Grafikdesignerin. Hat im Rahmen ihrer Masterarbeit ein Spiel entwickelt, das dich auf die Vielfältigkeit deiner Emotionen aufmerksam macht. Außerdem schreibt sie auf ihrem Blog www.hellomilli.com über ihren Alltag und die Hochsensibilität.

Wir alle tragen sie in uns und brauchen sie zum Leben. Jeden Tag begegnen wir ihnen und wir fühlen sie ständig: Emotionen. Wütend, traurig, fröhlich, überglücklich. Wir fühlen uns immer “irgendwie”. Ich als hochsensible Person bin randvoll mit Emotionen und empfinde sie oft derartig intensiv, dass sie mich sogar übermannen. Für andere kann ich mich so sehr mitfreuen, dass ich ihre Freude übertrumpfe. Über negative Geschehnisse der Welt verspüre ich so viel Trauer, dass mich eine depressive Stimmung einholt. Emotionen sind enorm vielfältig, bei jedem unterschiedlich und oft nicht leicht zu greifen. Doch egal welche Rolle sie in deinem Leben spielen: Ich glaube, es ist wichtig, von ihnen zu wissen und durch Worte von ihnen Gebrauch zu machen. 

“Nicht zum Ausdruck gebrachte Gefühle werden niemals sterben.”, sagte einst der Psychologe Sigmund Freud. Das hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Es sagt aus, dass ich früher oder später von einer Empfindung, die ich vielleicht nicht wahrhaben wollte oder der ich keinen Raum zum Existieren gab, eingeholt werde. Sei es eine Beziehung, die dann auf die Probe gestellt wird oder eine Konfrontation mit einem Erlebnis, das ich noch verarbeiten muss. Leider verfällt unsere Generation immer mehr dem Trend, sich nicht mitzuteilen oder dies nur oberflächlich zu tun. Bilder statt Worte, wenig tiefgründige Dialoge und ausschließlich zur Unterhaltung dienende Medien sind vorne mit dabei. Bei einem solch blinden und beinahe ohnmächtigen Konsum geht die Fähigkeit, das Empfinden der Seele zu beschreiben, schlichtweg verloren. 

Aber warum ist es überhaupt so wichtig, sich mitteilen zu können? 

Eine befreundete Psychologin erzählte mir von einer Aufgabe, die sie Klienten meist zu Beginn einer Therapie gibt. Sie bittet die Person dabei, binnen fünf Minuten alle Emotionen aufzuschreiben, die ihr in dieser Zeitspanne einfallen. Im Durchschnitt, erklärte sie mir, finden dabei 15 Adjektive ihren Weg auf’s Papier. Das klingt erstmal viel, ist aber tatsächlich sehr wenig. Einer der häufigsten Gründe einer Therapie beruht auf internem oder externem Stress. Menschen verlieren die Fähigkeit, sich Grenzen zu setzen und überarbeiten sich und ihr Gemüt. Darunter leidet die Beziehung zu sich selbst, zum Partner, den Kindern, den Mitmenschen. Das Resultat  sind zum Beispiel schwierige Familienverhältnisse oder ein Burnout. All das nur, weil uns die Fähigkeit unsere Gefühle zu beschreiben, aufgrund eines diesbezüglich mangelnden Wortschatzes, abhanden geht. 

Welche Emotionen gibt es denn überhaupt? 

In der Psychologie spricht man von sogenannten “Basisemotionen”, die wie Primärfarben über allen weiteren Emotionen stehen. Dazu zählen Freude, Ärger, Überraschung, Furcht, Traurigkeit, Angst und Ekel. Mit diesen Emotionen kommt man schon ganz schön weit, wobei meine persönliche innere Emotionswelt sehr öde sein würde, hätte ich nur diese Umschreibungen zur Auswahl. Wenn ich “Freude” empfinde, kann ich oft von einem “erfüllten” Gefühl sprechen. Erlebe ich “Ärger” bin ich manchmal echt “wütend” oder auch “enttäuscht”. Ein “überraschendes” Gefühl nehme ich möglicherweise als “erstaunt” wahr. Durch das Wissen der Vielzahl an Emotionen gebe ich mir selbst und meinem Gegenüber die Möglichkeit, deutlicher zu kommunizieren und Missverständnissen aus dem Weg zu gehen. Außerdem fällt es mir viel leichter, subjektive Grenzen zu ziehen, die ich mit den richtigen Worten gut erklären kann. 

Verglichen mit einer normalsensiblen Person, nehme ich als hochsensible Person deutlich mehr Reize wahr. Zum Beispiel erfasse ich in einer Bar nicht nur das direkte Gespräch, sondern auch das vom Nebentisch, während die Sirene eines vorbeifahrenden Krankenwagens dröhnt und hinter der Theke ein Glas zerbricht. Eine solche, tägliche Reizüberflutung führt schnell zu einer leeren Batterie und fordert ein Rückzugsbedürfnis. Für das Gegenüber oft nicht leicht einzuordnen, doch durch die Kenntnisse der Reichhaltigkeit an Emotionen, besser zu verstehen. “Du, ich muss mich mal zurückziehen, ich fühle mich von den Eindrücken des heutigen Abends sehr überfordert. Ich brauche etwas Zeit, um alles zu sortieren, bis ich wieder entspannt sein kann.” Einzig und allein durch die Hilfe detaillierter Worte gebe ich dir einen Einblick in meine emotionale Welt, den du sonst nie hättest. 

Wie du dich darauf einlassen kannst 

In Psalm 139,14 lesen wir davon, dass wir “wunderbar” und sogar “erstaunlich” gemacht sind. Gott kennt deine innere, emotionale Welt und auch wenn sie an einem Montag weniger vielfältig sein mag als an einem Samstag, existiert sie. Ich glaube, es zählt zu unserer Aufgabe, unseren Körper auch in Bezug auf die Gefühlswelt zu pflegen. Versuch doch mal in den nächsten Tagen bewusst auf deine emotionalen Reaktionen zu achten. Was fühlst du, wenn du Musik hörst? Wie fühlst du dich nach einem Gespräch mit deinem besten Freund? Was spürst du, nachdem du die aktuellen Nachrichten gecheckt hast? Schreibe dir eine Liste mit den Basisemotionen und lass viel Platz dahinter, denn mit Achtsamkeit wirst du immer mehr Sekundärfarben finden, die deine innere Welt bunt machen. 


Danke an Rosalind Chang für das Beitragsfoto von Unsplash.