Socken in Sandalen


Sommer 2018
Die Ferien haben begonnen und ich möchte zusammen mit meiner Familie in Norddeutschland surfen gehen. Um zu ihnen zu fahren, habe ich mir eine günstige Sparpreis-Zugverbindung zu “unbeliebten Zeiten” rausgesucht. Es ist vier Uhr morgens als mein Wecker klingelt und meinen viel zu kurzen Schlaf beendet.

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Rassismus to go


Fünf Wochen zuvor. Am 13. März 2020 saß ich in einer Stuttgarter S-Bahn Richtung Hauptbahnhof. 17:30 Uhr. Was war die letzten Stunden passiert? Eine Entscheidung war getroffen worden: Wegen des Corona-Virus ist von Veranstaltungen über 50 Menschen abzusehen und es werden alle Schulen und Kitas geschlossen. Was bedeutete diese Entscheidung für mich persönlich? Es war für mich der Wendepunkt von „Corona nervt“ zu „Corona wird uns richtig kaputt machen“. Nun saß ich in der S-Bahn, um von meinem Hebräisch-Unterricht in Stuttgart nach Heidelberg zu fahren. Während des Unterrichts waren immer wieder einige meiner Kollegen verschwunden, um zu telefonieren und mit verdatterten Gesichtern wieder in den Raum zu kommen. Meistens ging es um das kurz- und langfristige Absagen jeglicher kirchlicher Veranstaltungen als Reaktion auf die gerade eingegangenen Meldungen. Mich würden diese Themen erst in zwei Stunden erwarten, weil ich auf dem Weg zu einem Treffen unseres Gemeindevorstands in Heidelberg war. 

Aber nun zurück zur Situation in der S-Bahn. Ich hatte das Gefühl, dass wirklich etwas „in der Luft lag“, wie man so sagt. Menschen auf engem Raum, genug Zeit um Viren auszutauschen, kein Sicherheitsabstand möglich – nicht so prickelnd. Es lag was in der Luft. Nach rationalem Überlegen war es sehr unwahrscheinlich, dass irgendjemand in meiner Nähe tatsächlich mit dem Virus infiziert war. Aber es war keine rationale Situation mehr. Es lag etwas in der Luft. Und das war Angst. Auch wenn wir in dem Zug nicht alle miteinander sprachen, hatte ich das Gefühl, dass die meisten dasselbe spürten. Was ich so beängstigend und faszinierend fand, war, dass es keine gedachte Angst war, die jeder in seinem Kopf hatte, sondern es lag in der Luft. Angst war einfach da, irgendwie in uns, aber vor allem um uns herum. Vielleicht kennt ihr so etwas. Es ist diffus und irgendwie nicht zu kontrollieren. Wir hatten die Kontrolle über Corona verloren und traten durch Schulschließungen und Absagen von Veranstaltungen den Rückzug an. Das war völlig unbekanntes, ungeahntes Terrain – insbesondere in diesem Ausmaß. Kontrollverlust führt zu Angst. Und jetzt in der Bahn ging die Kontrolle über die Angst in uns verloren, die Angst war irgendwie atmosphärisch in der Luft. Es fühlt sich ein bisschen so an, wie in einem Film, wenn man denkt: „Gleich passiert was!“ Nur eben real. 

Was ich erschreckend finde: Angst verändert einen! In Sekunden entsteht systematisches Misstrauen gegenüber fast allem und allen. Besonders dem gegenüber, was ein bisschen fremd ist. Das Gehirn assoziiert dann kurios und völlig ungebremst allen möglichen Scheiß zusammen. Zum Beispiel: mir gegenüber saß eine junge Frau mit vermutlich asiatischen Wurzeln. Mein Gehirn assoziiert: asiatisch – China – Wuhan – Corona. Zwei Sitzecken weiter saß eine sehr extrovertierte, angetrunkene Frau mittleren Alters, die sich in gebrochenem Englisch und afrikanischem Akzent mit dem ihr gegenüber sitzenden jungen Mann unterhielt. Der wirkte ebenfalls etwas angetrunken. Er sah nicht afrikanisch aus und hatte wahrscheinlich familiäre Wurzeln im Nahen Osten. Er redete sehr leise, sie dagegen sehr laut. Bis zu der Sitzecke von mir und der Asiatin drangen immer nur Wortfetzen der afrikanischen Frau: „Corona, Corona, Corona!“ oder „Not like Ebola“ (dt: nicht so, wie Ebola) und „Blood, everywhere blood!“ (dt: Blut, überall Blut). Diese Phrasen wiederholten sich. Das Ebola-Virus gehört zu den Viren, die bei Menschen hämorrhagisches Fieber verursachen, dabei kann es passieren, dass Menschen einfach ausbluten. Ich wusste nicht, ob ich wissen wollte, was diese Frau in ihrem Leben schon gesehen hatte. Alles in allem war die Stimmung in der S-Bahn beängstigend. Ich konnte mich selbst beobachten, wie ich alle Menschen unkontrolliert auf ihre hygienischen Standards und ihr Risiko, potentiell ansteckend zu sein, abcheckte – nur aufgrund ihrer möglichen Herkunft, Hautfarbe und sozialem Milieu. Misstrauen, Vorurteile und, ja man kann sagen, rassistische Gedanken fluteten einfach meinen Kopf. Zum Glück blieb da noch ein gewisses Reflektionsvermögen, das merkt, was gerade für ein Quatsch im eigenen Kopf läuft.

Schließlich stiegen wir alle am Hauptbahnhof aus und gingen zügig zur Rolltreppe. Ich hatte das Gefühl, jeder wollte diesen Ort schnellstmöglich verlassen. Vor den Treppen staute es sich dann. Dicht gedrängt huschten Menschen durcheinander. Kennst du das, wenn man versucht nicht einzuatmen, weil man Angst hat, dass die Luft dreckig, verseucht oder infektiös ist? Statt Rolltreppe bin ich dann lieber die lange, normale Treppe gegangen. Oben, auf dem letzten Treppenabsatz angekommen, kamen mir dann plötzlich zwei etwa 13-Jährige pubertierende Jungs entgegen, die ausfallartig und stampfend Schritte auf vorbeilaufende Menschen zu machten und dabei „Corona!“ schrien. Die hatten einen totalen Knall. Aber das gab der ganzen Situation den Rest. Ich wollte da einfach nur weg und war froh als ich den S-Bahnhof verlassen hatte, ruhig auf dem richtigen Gleis stand, um auf den ICE zu warten und über das nachdenken konnte, was in den letzten Minuten abgegangen war.

Angst macht was mit uns. Angst löst das „wir“ auf und hinterlässt ein „ich“. Angst spaltet Mensch und Mensch in Schwarz und Weiß, in Freund und Feind, in schwach und stark, in wertvoll und verzichtbar. Angst lässt Menschen Regale leer kaufen. Angst macht gesunden Menschenverstand trüb. Angst lässt Menschen zweifeln und Angst schürt Misstrauen. Seit Jahren leistet das Robert-Koch-Institut treue Arbeit für unsere Gesundheit. Angst vergisst das. Seit Jahren haben wir immer genug zu essen. Angst verlernt das. Angst macht uns schwach, zerbrechlich und kaputt. Glaube, Liebe und Hoffnung schweißen uns zusammen, machen uns widerstandsfähig und stark.

Euer Lukas

Photo by Arthur Edelman on Unsplash

Repost: Er ist weg!

Über die Ostertage haben wir ein kleines Special geplant. Wir wollen die Story aus der Sicht verschiedener beteiligter Personen erzählen. Zum ersten Mal auch zum Anhören:

„Petrus! Petrus!“ Das kann doch nicht wahr sein! Warum macht er nicht auf? „Petrus! Bitte! Mach auf. Es ist wichtig!“ In meinem Kopf ist ein riesiges, emotionales Durcheinander. Und jetzt auch noch das.

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Repost: Haschen nach Wind

Über die Ostertage haben wir ein kleines Special geplant. Wir wollen die Story aus der Sicht verschiedener beteiligter Personen erzählen. Zum ersten Mal auch zum Anhören:


War das alles umsonst? Alles vergeblich? Nur ein Haschen nach Wind? Die Zeichen waren eindeutig! Ich habe es gesehen, mit eigenen Augen. Er war der Messias, der Retter auf den wir tausende Jahre gewartet haben. Die Wunder, die er getan hat, lassen eigentlich keinen Zweifel zu. Eigentlich.

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Repost: Ein Sündenbock für den Frieden

Über die Ostertage haben wir ein kleines Special geplant. Wir wollen die Story aus der Sicht verschiedener beteiligter Personen erzählen. Zum ersten Mal auch zum Anhören:

 

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Filmen, Schneiden, Nachbearbeiten

Im Gegensatz zu den meisten Menschen ist mir momentan alles andere als langweilig. Die letzten Wochen habe ich sehr viel Zeit mit Videoschnitt verbracht. Das macht echt Spaß. Da ein bisschen tricksen, hier ein bisschen Farbkorrektur. Dort etwas verbessern. Das Problem ist: Alles dauert auf einmal länger, als ich es eigentlich geplant hatte.

Und wenn ich es mir recht überlegte war alles, was ich den über Tag tat – was Videoschnitt ausmacht – Fehler zu überdecken, verstecken und mit schönen Effekten abzulenken. Damit am Ende bloß nicht auffällt, dass Fehler gemacht wurden. An einer Stelle vergisst der Sprecher seinen Text, versucht die richtigen Worte zu finden. »cmd« + »k«; »delete«; »v«; verschieben; »crossfade«. In diesem Rhythmus klicken die Tasten so vor sich hin bis der Sprecher einen anscheinend perfekten, flüssigen Satz spricht. Doch kaum ist der Fehler ausgemerzt, taucht daraus resultierend der nächste  auf. Jetzt hüpft das Bild vor sich hin und man merkt klar und deutlich, dass getrickst wurde. Anderes Video drüber. Fertig.
Im Endeffekt ist das Schneiden von Filmen ein Teufelskreis der Kompromisse.

Ist das mein tägliches Leben nicht auch manchmal? Ich habe gelogen und jetzt muss ich das mit weiteren Lügen überdecken. Oder mir ist etwas kaputtgegangen und jetzt muss ich versuchen, es zu vertuschen. Im ersten Moment eine perfekte Lösung. Alles scheint gut zu laufen. Doch das Ganze überdecken und vertuschen macht alles nur noch schlimmer, als es schon ist. Am liebsten würde ich die Zeit zurückdrehen und meinen Fehler korrigieren.

Doch genauso wie der Film im Kasten ist, kann man Fehler nicht mehr rückgängig machen. Es gibt kein zurück mehr. Man muss mit dem Material arbeiten, dass man hat. Ich hasse Kompromisse. Ich würde es gerne perfekt machen. Aber dabei bleibt es nun mal.

Aber muss es dabei bleiben? Gibt es einen Weg da heraus? Das ist ein Problem, das schon Generationen vor uns beschäftigt hat. Und in wenigen Tagen denken viele wieder an eine Lösung des ganzen. Im wahren Leben gibt es nämlich zum Glück einen Weg raus. Zwar keine Zeit-Zurück-Dreh-Maschine, aber einer, der die Fehler nicht einfach verdeckt oder irgendwie hilflos zusammen schnipselt, sondern die Konsequenz davon trägt. In der Bibel heißt es sogar, dass es so ist, als würden die Fehler ganz, ganz weit weg »in die Tiefen des Meeres« geworfen. Dort hin, wo sie niemand mehr findet. Menschlich total unverständlich. Es ist doch nur gerecht, wenn man selbst seine gerechte Strafe bekommt. Und ich glaube da würden mir die meisten Menschen zustimmen. Aber selbst die schlimmsten Fehler will Jesus in seinen Augen ungeschehen machen, wenn man sie bereut. Das ist doch krass! Kein Fehler ist zu groß, als dass Jesus ihn nicht vergeben kann. Die Geschichte, die dahintersteckt haben wir letztes Jahr aus verschiedenen Perspektiven nacherzählt und werden sie nächste Woche nochmal auf unserem Blog hervor kramen.

»Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. Micha 7,19«

Wer nicht hören will, muss fühlen!

Kurz vor Neun. Sonnenstrahlen fallen auf mein Gesicht, auf meine Arme und die Bettdecke. Ich genieße den Moment eine Weile, kuschele mich nochmal tief in meine Decke ein und sonne mich in der Wärme, die mein Fenster durchdringt. Die Vorhänge mache ich abends schon lange nicht mehr zu. So ist die Sonne das erste, was mich morgens aufwachen lässt. Die Minuten schreiten dahin und eigentlich will ich viel lieber noch länger liegen bleiben. Nachdem ich mir aber einen kurzen Ruck geben, stehe ich auf und tappe ins Bad. Kurze Morgenwäsche und dann weiter zur Kaffeemaschine. Während mir der Duft von starkem, schwarzem Kaffee in die Nase steigt, werde ich immer wacher. „Wie dankbar bin ich für diese Kaffeemaschine“ denke ich mir jedes Mal, wenn ich sie sehe. Mit dem Kaffee in der Hand geht es zurück zum Sofa. Dort hole ich meine Bibel und meinen Laptop hervor. Nach einer Weile gibt es den zweiten Kaffee und ein leckeres Frühstück.

Als Nächstes checke ich meine E-Mails. Das Postfach läuft über von Arbeitsaufträgen und Anweisungen: Familienrecht, Zwangsvollstreckung, Tarifverträge… Wann muss ich das erledigen? Heute. Abgabetermin? Morgen. Nun, irgendwie und irgendwann muss ich ja anfangen. Und damit mache ich mich an die Arbeit. Den ganzen Vormittag brauche ich dafür, zwischendurch gibt es einen dritten Kaffee. Mittags lasse ich das Essen mittlerweile einfach weg. Entweder vergesse ich es oder haben kein Hunger. Schließlich hocke ich ja eh nur daheim herum.

Nachmittags werden hier und da Kleinigkeiten erledigt, die Wohnung aufgeräumt und was sonst so anfällt. Der Uhrzeiger steht dann schon auf sechs Uhr und draußen taucht die Abendsonne alles in wunderschönes Licht. Ein bisschen frische Luft und Bewegung tut gut, deshalb ziehe ich meine Jacke und Schuhe an und mache einen kleinen Waldspaziergang. Der liegt ja glücklicherweise direkt vor meine Haustür. Als ich nach einer 3/4 Stunde zurückkomme, ist es fast schon dunkel. Ich kehre zurück auf mein Sofa, in der Hand eine Schale voll Obst und öffne Netflix. Und damit ist der Abend ausgefüllt. Irgendwann werde ich müde, lege mich hin und genieße noch etwas die Sterne direkt über meinem Kopf. Ich reflektiere den Tag nochmal kurz und danke Gott dafür. Noch ein Blick auf das Handy und ich schlafe ein.

So in etwa sieht im Moment mein Tagesablauf aus. Ok, nicht immer läuft der Tag so produktiv ab wie beschrieben. Es gibt auch Tage, an denen ich nichts anderes mache, als auf dem Sofa zu gammeln. Und ich liebe es. Keine Ahnung, wann ich das letzte Mal so entspannte Tage erlebt habe. Ihr habt es bestimmt gemerkt, ich sitze auch zu Hause in Quarantäne. Nicht offiziell, aber ich habe das Gefühl, dass wir im Moment alle in einer Art „Selbstquarantäne“ sitzen. Seit ungefähr zwei Wochen bin ich nun zu Hause und von der Arbeit freigestellt. Eigentlich ist es untertrieben zu behaupten, ich wäre bei der Ankündigung, dass wir zu Hause bleiben sollen, in einen Freudentaumel gefallen. Endlich mal Zeit, keine Arbeit, keine langen Anfahrtszeiten und keine Verpflichtungen.

Gleichzeitig könnte ich genauso gut in ein tiefes Loch fallen. Ich weiß, dass ich sehr emotional veranlagt bin und die Situation im Moment bringt meine ganze Gefühlswelt durcheinander. Allein schon alle abgesagten Events, Konzerte und Konferenzen könnten mich zum Heulen bringen. Um euch das bisschen zu verdeutlichen: Schon im Januar hatte ich bis Ende Juli meinen Terminkalender voll durchgeplant. Jedes Wochenende war mindestens eine Sache, auf die ich mich freuen konnte. Sei es die Steps-Konferenz, ein Frauenwochenende, unser Alltagspropheten-Offline-Meeting oder der SAT-Gottesdienst, den ich moderiere. Ich bin sicher, ihr könnt euch sehr gut vorstellen wie es ist, wenn dieser Plan und die damit verbundene Vorfreude nun komplett auf den Kopf gestellt wird! Mein Geburtstag in zwei Wochen wird wahrscheinlich so aussehen, dass ich alleine zu Hause sitze und mich langweile. Das macht mich ganz schön traurig und enttäuscht, gleichzeitig aber auch wütend.

Doch inmitten meines chaotischen Gefühlslebens fällt mir plötzlich eine kleine und unscheinbare Situation ein, die schon paar Wochen her ist. Ich saß mit meinen Eltern im Wohnzimmer und erzählte ihnen über meine Pläne für das nächste halbe Jahr. Dabei zeigte ich ihnen auch meinen Terminkalender auf dem Handy, in dem wirklich jedes Wochenende markiert war. Dabei jammerte ich, wie viel Stress ich doch hätte und das zwei coole Events auf einen Tag fallen würden, zwischen denen ich mich nicht entscheiden konnte. Meine Eltern waren natürlich über den vollen Kalender nicht grade begeistert und versuchten mir klar zu machen, dass ich dies unmöglich alles durchziehen könnte und meinem Körper auch mal eine Pause gönnen sollte. Und an die Ausbildung musste ich auch denken. Den Rat den mein Vater mir mitgab: „Bete doch mal über deinen Terminkalender!“

Im ersten Moment fragte ich mich, was das bringen sollte. Ich würde deswegen kein einziges Event oder Konzert streichen. Trotzdem schickte ich nach einer Weile doch ein Gebet nach oben. Ich weiß nur noch, dass ich dabei weiter dachte, alle Termine durchziehen zu können und Gott mir die nötige Kraft dazu schenken würde. In diesem Punkt hörte ich nicht auf den Rat meiner Eltern und stellte mich selbst quer. Ich sah nicht ein, auch nur ein Event zu streichen und so zu verpassen.

Kennt ihr das Sprichwort: „Man kann nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen“? Nun, statt mir eine Hochzeit auszusuchen und die andere zu streichen, fielen einfach beide gleichzeitig weg. Vor einer Woche strich ich dank der Corona-Krise mehr oder weniger unfreiwillig alle Termine, Geburtstagsfeiern, Meetings, Konzerte und Konferenzen aus meinem Kalender. Dieser ist nun leer. Keine Markierungen, keine Farben. Und ich habe Zeit. So viel Zeit wie seit langem nicht mehr.

Die Lektion die ich gelernt habe? Gottes Wege sind nicht meine Wege und seine Gedanken nicht meine Gedanken (Jesaja 55, 8). Ich habe geplant ohne Rücksicht auf mich oder meinen Körper und Gott musste mir leider auf die harte Tour zeigen, dass dies nicht unbedingt das Richtige war. Auch wenn das ja keine schlechten Dinge waren, auf die ich mich gefreut habe. Im Gegenteil. Aber… Wer nicht hören will, der muss fühlen!

Ich glaube Gott benutzt die Zeit auch gerade einfach, um mir persönlich zu zeigen, dass ich auch mal einen Gang runterschalten und Prioritäten setzen muss. Das habe ich jedenfalls bis jetzt gelernt. Und ich bin gespannt, welche Erkenntnisse noch auf mich warten. Die Corona-Krise ist kein Geschenk des Himmels und fordert jedem etwas ab, dennoch können wir die Zeit, die wir jetzt über haben, sinnvoll nutzen. Das bedeutet für mich zum Beispiel mehr Zeit mit Gott und der Familie zu verbringen, meinen Kleiderschrank auszumisten und alte Kleidung in die Kleidersammlung zu geben, einen großen Frühjahrsputz zu veranstalten und Spaziergänge zu machen. Und natürlich einfach mal nichts zu tun.

In diesem Sinne genießt die Zeit mit euch selber und eurer Familie und bleibt daheim!

Eure Larissa

Danke an Unsplash.com und Joshua Rawson-Harris für das Bild:)

Dann geh‘ doch zu Netto – (kreative) Quarantäne-Tipps für nach dem Einkaufen

Auf einmal ging alles ganz schnell. Am 11. März erklärte die Weltgesundheitsorganisation den Corona-Virus zur Pandemie (weltweiten Epidemie). Zwei Tage später wurde in Deutschland die Schließung von Schulen und Kitas festgelegt und seit Montag weitere Maßnahmen verabschiedet, die das öffentliche Leben einschränken. So besorgniserregend und ungewohnt die aktuelle Lage doch ist, so möchte ich diesen Beitrag dazu nutzen, um eine andere Perspektive darauf zu bieten. 

Seit dieser Blog in die großen Weiten des Internets aufgebrochen ist, gab es ein Thema, das unsere Agenda immer wieder dominiert hat. Zahlreiche Beiträge drehten sich darum, wie man mit (digitaler) Überforderung oder überzogener Produktivität umgehen kann. In vielen Texten stach immer wieder der Wunsch nach Auszeiten hervor. Eine Auswahl findest du am Ende des Textes.

In der heutigen Zeit, in der die Welt immer komplexer wird und sich gefühlt immer schneller dreht, ist der Wunsch nach Auszeiten so groß wie nie zuvor. Vielleicht, weil wir verlernt oder nie gelernt haben, mal Pause zu machen und innezuhalten.

Jetzt stehen wir in Deutschland (und der ganzen Welt) vor einer riesigen Herausforderung: die Ausbreitung des Corona-Virus eindämmen. Die Folge: Einschränkungen des öffentlichen Lebens und zu Hause bleiben. Viele Menschen befinden sich bereits in Quarantäne. Auch wenn das kein optimaler Zustand ist, so ist es doch notwendig. Doch an den Umständen und der Situation lässt sich wenig (eigentlich gar nichts, sorry für den Realismus) ändern. Den einzige, was wir momentan tun können, ist ein verantwortungsbewusst mit dieser Krise umzugehen . 

Letzten Monat sprach Pastor Craig Groeschel in seinem Vortrag auf dem Willow Creek Kongress in Karlsruhe davon, dass man Ideen auch mal konventionell (engl. inside the box) entwickeln solle. Denn begrenzte Möglichkeiten fördern die Kreativität. Wann könnte diese Aussage besser zutreffen, als jetzt? Und wann könnte man sie besser ausprobieren, als jetzt?

Jetzt sagst du vielleicht, dass ich leicht reden habe, weil ich Student bin und deshalb von den Folgen nicht so schlimm betroffen. Und damit hast du Recht. Und dafür bin ich sehr dankbar. Daher ist es mir umso wichtiger, etwas von dieser Leichtigkeit hinaus zu sprühen. Deshalb hier mein ultimativer (mehr oder weniger) kreativer Quarantäne-Tipp:

Vor ein paar Monaten haben wir in unserem Podcast über Prokrastination gesprochen. Darin ging es unter anderem um die sogenannte (und berühmt-berüchtigte) “Wenn-ich-mal-Zeit-habe-Liste”. Hier geht’s zur Folge:

Wann wäre ein besserer Zeitpunkt als jetzt, um genau diese Liste mal wieder auszupacken (oder endlich mal eine anzulegen)? Jetzt, wo man sowieso zu viel Zeit hat und sich somit auf etwas fokussieren muss, um nicht von der Eintönigkeit des Alltags überrumpelt zu werden.

Falls du noch keine Liste dieser Art hast (oder kein Listen-Typ bist), hier ein paar Vorschläge, was du da so drauf schreiben kannst. Vielleicht spricht dich ja die ein oder andere Idee an:

1. Podcast hören!

Höre dir möglichst viele an. Das Wunderbare daran ist, dass man nebenher noch etwas machen kann. Zum Beispiel Putzen, Kochen oder Aufräumen. Besonders empfehlenswert: der Alltagspropheten-Podcast. Zufälligerweise erscheint kommenden Montag eine Folge passend zum Thema Auszeiten.

Hier noch drei weitere Podcast-(Geheim)-Tipps zur Ablenkung von mir:

A) “Die größten Hits und ihre Geschichte” von SWR3 erzählt wunderbar die Story hinter berühmten Songs. Wie kamen die Musiker auf die Idee? Wie hat sie sich entwickelt? Für alle, die sich für das “was steckt dahinter” interessieren.

B) Die “Einhundert” – der absolute deutschsprachige Klassiker unter den Storytelling-Podcasts von Deutschlandfunk Nova – erzählt eindrücklich, nah und spannend Geschichten von Menschen zu verschiedenen Menschen. Für Eintaucher.

C) Der “Craig Groeschel Leadership”-Podcast ist was für alle, die sich intensiv mit dem Thema Leitung und Führung auseinandersetzen wollen. Seine Gedanken sind einfach so unglaublich nachvollziehbar und inspirierend. Für alle Vordenker und Fortschreiter.

2. (Altes) Hobby auspacken!

Welchem deiner Interessen wolltest du schon seit Langem intensiver nachgehen? Besser singen können oder dein Instrument versierter beherrschen? Schreiben? Oder doch mal wieder das 1000er Puzzle aus dem Keller holen? Egal was, weg mit den Ausreden und rein ins Getümmel!

3. Oma anrufen!

Wann hast du das letzte Mal deine Oma angerufen? Oder deine(n) Tante/Onkel? Nutze doch die freie Zeit, um soziale Kontakte zu pflegen. Aber nicht analog (das ist ja aktuell bekanntlich verboten), sondern auf die Weise, die uns die wunderbare digitale Welt bietet: am besten per Skype oder am Telefon. Das Coole daran? Man kann sich sogar sehen.

Und solltest du doch mal Langeweile haben? Gar kein Problem! Halte sie einfach aus (was jetzt banal klingt). Ich glaube, dass wir genau das nicht mehr können: Langeweile aushalten und Nichtstun. Doch deinem Körper und Kopf tut eine solche Auszeit gut. Schonmal was von “produktivem” Nichtstun gehört? Hier ein inspirierender Artikel dazu: https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/faulheitsprinzip-die-hohe-kunst-des-produktiven-nichtstuns/

Wie das alles weitergeht, weiß keiner. Was für Folgen und Konsequenzen auf uns zukommen noch weniger. Doch bei alldem hoffe ich, dass viele Menschen die weltweite Quarantäne für Dinge nutzen können, die sie schon lange mal (wieder) machen wollten und für die sie sonst nie Zeit haben.


by spagetthirn, der jetzt erstmal wieder ne Runde beatboxen geht 😉

P.S.: Wie sieht es mit deiner Wenn-ich-mal-Zeit-habe-Liste aus? Hast du bereits eine oder legst du dir jetzt eine an? Was steht da so drauf? Schreib uns deine Ideen an info@alltagspropheten.de oder auf Social Media. Dort fordern wir dich an diesem Wochenende zur #coronachallenge gegen Langeweile auf. #staytuned


Wo es bei uns bisher rund um Auszeiten ging:

Danke an Bernard Hermant für das Beitragsfoto von Unsplash.

+++ FAKE NEWS +++

Was haben das Corona-Virus und Gossip miteinander gemeinsam?

Ich bin empört! Nein, wütend!
Ich stehe im Zeitschriftenkiosk der Mannheimer Bahnhofshalle. Mein Zug wurde mit 50 Minuten Verspätung angekündigt (,was schon Grund genug für meine Empörung sein könnte…) Doch ich blättere, um meine Wartezeit zu überbrücken, durch einige Outdoor-Zeitschriften. Beim Umdrehen fallen mir die vielen, fett markierten Überschriften der „Klatsch und Tratsch“-Zeitschriften auf: „Ist Helene Fischer schwanger?“, „Im Interview: Herzogin Kate spricht über ihre Schwägerin“ oder „Outfitskandal bei der Berlinale – das ging gar nicht!“…

Wie kann es sein, dass Menschen ihr Geld damit verdienen, über das Leben irgendwelcher „VIPS“ zu schreiben und Wahrheit und Privatsphäre dabei zweitranging sind? Warum reizt es Menschen diese Zeitschriften zu lesen, in denen berühmte Persönlichkeiten unvorteilhaft dargestellt werden und ihre scheinbare „Fehlerhaftigkeit“ mit provokativen Überschriften beworben wird?

Mein verspäteter Zug fährt endlich im Bahnhof ein und meine Wut verfliegt vorerst wieder. Doch es dauert nicht lange, da muss ich feststellen, dass ich selbst diesem gewissen Reiz unterliege, das Leben der Anderen zu beurteilen…
Während der Fahrt scrolle ich durch meinen Instagram-Feed. Ich betrachte Fotos von Freunden und Freundinnen und ertappe mich selbst dabei, wie ich Urteile fälle über ihre (Selbst-)Darstellungen, Meinungen und Entscheidungen. Zwar setzten sie sich mit ihren Posts und Storys der Bewertung anderer bewusst aus, dennoch empfinde ich Scham dafür, dass ich dieser Versuchung so leicht verfalle und meine Bewertungen häufig so schlecht ausfallen. Wollte ich, das so über mich gedacht und gesprochen wurde?

Einen Tag später feiern wir den 84. Geburtstag meiner Oma und ich lausche neben Kaffegeschirrgeklapper und plattdeutschen Liedern auf dem Klavier den überaus interessanten Gespräche von Ü80-Rentnern. Sie tauschen sich über die brandaktuellsten Neuigkeiten aus: den Vorgarten der Nachbarin, den Geiz der abwesenden Freundin, das Outfit von Frau F. beim Einkaufen auf dem Markt, den schnöseligen neuen Partner der Schwester oder die starke Gewichtszunahme der Schwiegertochter.
Scheinbar sind auch im Alter die „Skandale“ aus dem Leben anderer nicht weniger spannend geworden.

Es ist und bleibt Gesprächsthema Nr.1! Und ich frage mich:
Warum ist das Reden, oder eher das „unbarmherzige Spekulieren“ über das Leben der Anderen so hochgradig reizvoll und spannend?

Schließlich kennen ich doch selbst das unbehagliche, ängstliche Gefühl, wenn ich vermute, die Person zu sein, über die andere reden. Und wenn ich erst erfahre, dass über mich gesprochen und dabei die Tatsachen völlig verdreht oder einfach falsch dargestellt wurden, werde ich richtig wütend und fühle mich ohnmächtig!
Auf der einen Seite will ich selbst auf keinen Fall zum „Opfer“ von Lästereien werden und doch neige ich immer wieder dazu, selbst das Urteil über Andere zu fällen. Warum ist das so?

Zum einen glaube ich, dass es eine starke Neugier am aktuellen Geschehen ist. Gossip ist spannend! Wer hat wo, mit wem und was auf welche Art und Weise XY gemacht/gesagt? Wer ist mit wem zusammen? Wer hat sich zerstritten? Was ist wirklich in der Nacht von Samstag auf Sonntag passiert? Wenn mir mein eigenes Leben manchmal langweilig erscheint, interessiere ich mich für die Dramen der Anderen. Quasi eine “gute Unterhaltung”.

Aber ich glaube, dass es noch weitere Gründe für die Verbreitung von höchst spannenden Neuigkeiten aus dem Leben anderer gibt: Stolz, Hochmut und Sicherheit.
Die Fehler des Anderen hervorzuheben, lenkt von den eigenen Fehlern ab und lässt mich selbst „besser“ fühlen. Gossip stellt eine Möglichkeit dar, meinen eigenen Selbstwert zu pushen. Und wenn ich auf der Seite der Gossip-Verbreiter bin, wäge ich mich in scheinbarer Sicherheit, nicht selbst Zentrum der Gespräche anderer zu sein.

Wie makaber und armselig. Ich schäme mich für jede Situation, in der mich genau diese Motive dazu verführt haben, in Gesprächen mitzureden oder selbst etwas auszuplaudern. So möchte ich weder reden, noch denken. So ein Mensch möchte ich nicht sein!
Ich wünsche mir, das Gute und Fabelhafte in meinem Mitmenschen zu sehen und in jeder meiner Begegnungen gute und wertschätzende Worte zu sprechen. Ich möchte ein Mensch sein, der andere nach vorne bringt und ihre Fehler annimmt und mit ihnen gemeinsam darüber schmunzeln kann! Dieser Wunsch brennt in mir!

Zurück zu meiner Eingangsfrage:
Was haben das Corona-Virus und Gossip miteinander gemeinsam?
– beides verbreitet sich extrem schnell und die Übertragungsketten sind nur schwer zurückzuverfolgen.

Willst ich andere infizieren oder schützen?

Eure Greta,
die ab jetzt alles daran setzt, eine Epidemie der Nächstenliebe in Gang zu setzten! #letsdoittogether

Rente 2061 – und worüber man noch so nachdenkt, wenn man erwachsen wird

Wann wird man erwachsen? Ich meine jetzt nicht den 18. Geburtstag oder irgendwelche anderen juristischen Definitionen. Was zeichnet einen Erwachsenen aus? Geht es nur darum sich erwachsen zu fühlen? Was macht man als Erwachsener? Was macht erwachsen? Oder erscheint man nur erwachsen?

Ich habe mit 18 Jahren eine Kombination aus Berufsunfähigkeits- und Rentenversicherung (BU, RV) abgeschlossen. Beziehungsweise, ich hab sie unterschrieben, weil mein Papa es empfohlen hat und ich vollstes Vertrauen hatte, dass das das Richtige in dieser Situation war. Ich kann mich noch daran erinnern, wie wir mit einem Finanzberater bei meinen Eltern im Esszimmer saßen und er das ganze Versicherungskauderwelsch erklärt hat. Ich war maßlos überfordert, habe gar nicht so wirklich verstanden, worum es ging und dachte nur: „Passt schon.“ Altersvorsorge, Fonds, Paragraphen, Chancen-Risiko-Klassen, dynamische Beitragsentwicklung, usw. Voraussichtlicher Renteneintritt: 2061! Ich überblickte damals maximal die nächsten fünf Jahre, der Rest war Fantasy. Ich dachte einfach: Das muss man nicht verstehen, es gehört nur irgendwie dazu, das zu machen. War das erwachsen? Nö. Es war mehr so eine Spielplatzsituation. Papa ruft: „Spring, Junge!“ Lukas springt.

Mittlerweile sind fünf Jahre vergangen. Einiges hat sich verändert: Ausgezogen, geheiratet, Studium geht aufs Ende zu. Erwachsener geworden? Vermutlich. In der vergangenen Woche hat Lina (meine Frau) sich mit dem ganzen BU-RV-Thema beschäftigt. Während ich eher der Passt-schon-Denker bin, ist sie eher die wohlüberlegte Skeptikerin. Das bedeutet, sie wühlt sich mit Textmarkern und Post-Its durch 120 Seiten Verträge, Verpflichtungs- und Datenschutzerklärungen, um sich auf drei DIN A4 Seiten alle ihre Fragen zu notieren, die sie dann mit ihrem Papa und dem Finanzberater erörtert, um zu einer abgeklärten, wohlüberlegten Entscheidung zu kommen. Das wirkt irgendwie schon ein bisschen mehr erwachsen. Niemals wäre ich genauso vorgegangen, weil ich anders bin, aber ganz bestimmt auch nicht so wie vor fünf Jahren. Es hat sich nämlich herausgestellt: es ist besser, wenn man vieles von dem Zeug doch versteht. Letztendlich geht es wirklich um gruselige Dinge, wie: was passiert, wenn ich plötzlich nicht mehr arbeiten kann? Von welchem Geld will ich leben, wenn ich Rentner bin? Verrückt, man entscheidet über Geld, das man nicht einmal angefangen hat zu verdienen. Und man redet plötzlich von merkwürdig viel Geld im sechsstelligen Bereich, das sich irgendwie in den nächsten 40 Jahren ansammeln könnte. Das finde ich krass erwachsen. 

Erwachsensein kommt mir manchmal vor wie Schach spielen. Wie viele Züge kann ich im Voraus überblicken? Im Kindergarten war es crazy, wenn man morgens weiß, was abends passiert; irgendwann denkt man immer bis zum nächsten Geburtstag; dann bis zum Abitur. Und dann kommt die Frage: „Was mache ich nach dem Abi?“ Die endet oft mit einem unsicheren „keine Ahnung, aber ich glaube es ist das Beste, wenn ich hier oder da, oder irgendwo anfange“. Und dann wird man erwachsen und der Horizont wächst plötzlich bis ins Rentenalter. Auf einmal geht’s um Absicherung, Abschätzen von allen möglichen Eventualitäten und Risiken. 

Als Christ frage ich mich da manchmal: wie viel will ich denn absichern und wie viel vertraue ich darauf, dass Gott das schon gut macht und mich bewahrt. Eigentlich richtig dumm. Als gäbe es zwei Konten: eins mit meinen Versicherungen und eins mit Gottvertrauen. Als gäbe es da ein „Entweder-oder“. Als würde das so funktionieren. Ich glaube der Unterschied zwischen Gottvertrauen und Versicherungen ist, dass Versicherungen Schadensbegrenzung erzielen und Gottvertrauen Hoffnung spendet. Man merkt das allein an Worten wie „Vor-Sorge“ und „Zu-verSicht“.

Ich habe mir vorgenommen, mehr darauf zu schauen, was verantwortliches Handeln ist. Also, wie viele Unsicherheiten soll ich absichern, die ich ohnehin nicht in der Hand habe. Wo ist mein Geld vielleicht besser aufgehoben? Ich will ernst nehmen, was Gott über Geld sagt. Ich will nicht weniger Spenden, nur um irgendwelche Sachen zu versichern. In der frommen Subkultur kapitalisieren wir dann gerne irgendwelche Glaubensphänomene und sagen so churchy Zeug wie: „Ich investiere in die Ewigkeit und baue am Reich Gottes.“ Das finde ich ehrlich gesagt etwas missverständlich, wobei der Grundgedanke ja nicht schlecht ist: Die Versprechen Gottes ernstnehmen und glauben, dass sie real und wahr sind. Dennoch bin ich überzeugt, dass so mancher pseudo-frommer Leichtsinn auch nicht so göttlich und heilig ist. Es gibt ja durchaus Versicherungen, die Sinn ergeben und sich lohnen wahrzunehmen, weil man ja nicht allein auf dieser Welt ist, sondern unter Umständen auch Verantwortung für andere trägt. So eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine Haftpflichtversicherung sind da schon tolle Einrichtungen. Ich denke am besten ist es, wenn man sich beim Nachdenken über Versicherungen die Perspektive Hoffnung und Ewigkeit, die Gott uns gibt, vor Augen hält und die Zukunftssorgen von Gott in göttliche Zuversicht und ganzheitliches Verantwortungsbewusstsein verwandeln lässt.

Euer Lukas, der jetzt auch schon mal gedanklich und etwas stümperhaft bis zur Rente vorgedrungen ist.

Photo by Alexander Schimmeck on Unsplash

Aus Zweifeln auftauchen

Als Kind stellte ich meinem Vater mal die Frage: „Papa, warum weiß ich eigentlich, dass unser Glauben und unsere Religion die richtige ist?“ Damals beschäftigte ich mich in meinem kindlichen Glauben besonders mit einer Frage: Was hebt uns Christen von anderen ab und was ist an Gott anders im Vergleich zu Buddha oder Allah? Wie können Menschen aus anderen Religionen genauso überzeugt von ihrem Gott sein, obwohl wir doch den Anspruch besitzen, dass unser Glaube die Wahrheit ist? Und wie kann ich mir sicher sein, dass ich den richtigen Gott anbete?

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