Hineni! – Hier bin ich!



Kathrin. Fast 54, 3+1. Tolle Kinder und Schwiegertochter. Seit 36 Jahren glücklich verheiratet. Frauenärztin mit Überzeugung und Begeisterung, Passionierte Radlerin. Geschichtensammlerin. Zieht Energie aus inspirierenden Gruppenerfahrungen und liebt die Zusammenarbeit mit Christen aus aller Welt.


In den Osterferien waren wir mit unseren mehr oder weniger erwachsenen Kindern unterwegs in Israel. Eine Mischung aus Urlaub, Bildungs- und Pilgerreise auf den Spuren der Bibel, dessen, was wir glauben, zusammen mit anderen Christen aus einer Nachbargemeinde unseres Heimatortes. Ich habe die Zeit sehr genossen, mit den Kindern, in guten Gesprächen, mit neuen Menschen, die kennenzulernen Freude machte und spannend war. Nachdem wir schon unglaublich viel zusammen erlebt, gesehen und gehört hatten, besuchten wir am Ende der Reise das „Friends of Zion“-Museum in Jerusalem. Es ist weniger ein Museum als ein technisch brillantes, multimediales Darstellungskonzept der Geschichte Israels und der Persönlichkeiten (Politiker, Geschäftsleute, Militärs, Akademiker und viele einzelne herausragende Menschen), die durch ihre Überzeugung und ihren Glauben eine nachhaltige Verbindung zwischen dem jüdischen und den christlichen Völkern hergestellt haben.

Themen waren das Land der Verheißung, die biblische Geschichte des Volkes Israel, Abraham und seine Erben und Nachfolger, die jüdischen und christlichen Träumer, die sich im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts nach einer Wiederherstellung Israels sehnten, die Visionäre (nichtjüdische Menschen aus aller Welt, die auf ihre Weise halfen, den Traum zu verwirklichen, z.B. Winston Churchill oder Queen Victoria), „Lichter in der Dunkelheit“ (Menschen, die unter Einsatz ihres Lebens Juden vor dem Holocaust bewahrten – Oskar Schindler, Corrie ten Boom…), die Mutigen, die nach dem Krieg an der Seite der jüdischen Bevölkerung für das Land Israel kämpften.

Bewegend war auch der letzte Raum, in dem alle couragierten Menschen von Abraham bis zu den Persönlichkeiten der Neuzeit noch einmal zusammenfassend dargestellt wurden und wie jeder auf seine Herausforderung reagiert hat und DA war, wo er gebraucht wurde, um an der Erfüllung des Versprechens der Propheten Israels teilzunehmen. Und am Ende der Präsentation waren wir alle dabei – auf der 3D-Leinwand – mit unseren Porträtfotos, die wir am Beginn der Tour durch das Museum an einer Selfie-Station gemacht hatten.  Hier und später im Museumsshop begegnete mir das „Hier bin ich“ – hebräisch HINENI, das in besonders mächtiger Weise die Bereitschaft beschreibt, eine Aufgabe mit aufmerksamer Hingabe, verantwortungsvoller Verpflichtung zu übernehmen und präsent zu sein mit Leib und Seele.

Ich war überwältigt und tief bewegt – vor 36 Jahren begann meine persönliche Geschichte als Christ mit drei Abenden in der Jugendgruppe, die ich neu besuchte. Einer der drei Abende hatte die Berufung des Propheten Jesaja als Thema (Jes. 6,8), in der Gott fragt: Wen soll ich senden? Und Jesaja antwortet: Hier bin ich (HINENI), sende mich! Ich war damals begeistert (und bin es immer wieder) von dieser völligen Hingabe, die in dieser Antwort steckt. Und in all den Jahren habe ich mich immer wieder bei entsprechenden Gelegenheiten gefragt, was das für mich bedeutet.

Immer wieder in herausfordernden Situationen meines Lebens, an Wegkreuzungen, in Entscheidungsprozessen begegnete mir dieser Satz „Hier bin ich!“ und jetzt hier in Jerusalem noch so viel umfassender. Seit April denke ich immer wieder darüber nach, sehe das eingefügt in mein Lebenspuzzle, lese in der Bibel, habe Situationen vor Augen und staune über die Macht dieser drei Worte.

„Hier bin ich – HINENI!“, sagt Abraham in der Isaaksgeschichte dreimal zu Gott oder seinem Sohn Isaak. Auch Esau und Jakob, Joseph und schließlich Mose, als Gott ihn aus dem Dornbusch heraus anspricht, antworten mit „Hier bin ich!“ Dann Samuel, den Gott im Traum beruft und er es erst überhaupt nicht versteht…

Ich liebe es, Dinge zu tun von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all meiner Kraft (5. Mose, 6,5), sei es in meinem Berufsalltag als Frauenärztin, beim Mountainbike fahren, mit meiner Familie oder in einem Gemeindeprojekt. Und ich liebe es, dies in einer Gruppe mit Menschen zu tun, denen man anmerkt, dass sie ihr Bestes geben wollen.

Von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all meiner Kraft Gott lieben – so steht es als Aufforderung im Neuen Testament, als eine Art Zusammenfassung der zehn Gebote! HINENI!

So ein Satz bringt mich natürlich auch an meine Grenzen und zeigt mir meine Möglichkeiten und Unmöglichkeiten. Er kann auf ungute Weise ein Leistungsdenken in mir erzeugen, das krank machen kann.

Bei aller Faszination, Motivation und Begeisterung: was tun, wenn ich einfach nicht mehr kann, wenn alles zu viel ist, wenn Pläne nicht gelingen, wenn Misstrauen und Zweifel größer als mein Glaube sind, wenn die Müdigkeit stärker ist jedes andere Gefühl und vieles von dem, was ich machen wollte, noch nicht fertig ist.

Dann erlebe ich es als total beruhigend und beglückend, dass Gott selbst von sich sagt, z.B. als er von Mose nach seinem Namen gefragt wird: „Ich bin da!“ (2. Mose 3,14)

Und dreimal spricht Gott im Buch des Propheten Jesaja: “Darum soll an jenem Tag mein Volk meinen Namen erkennen, dass ich es bin, der da spricht: Hier bin ich!“ (Jes. 52,6) und „Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.“ (Jes.58,9) und „Zu einem Volk, das meinen Namen nicht anrief, sage ich: Hier bin ich, hier bin ich!“ (Jes.65,1).

Und ich denke dann auch an Jesus, der absolute HINENI! „Hier bin ich!“ Gottes, der selbst kurz bevor er diese Welt gen Himmel verließ, seine Jünger losschickte mit einer Riesenaufgabe und dem Versprechen: Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt (Mt. 28,20) – HINENI!


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