Fehler vorprogrammiert

In unserer AP-Serie „Back to the Roots“ posten wir bis zum Ende des Jahres die Top-Beiträge vom ersten Jahr Alltagspropheten. Das heißt, alle die neu dazu gekommen sind, kommen auch in den Genuss diese kennenzulernen. Und ihr treuen Leser, die von Anfang an dabei waren… vielleicht entdeckt ihr ja etwas Neues!
Heute starten wir mit einem Beitrag vom 14. Juni 2019

Heute wird es ein bisschen nerdy. Es geht um AI beziehungsweise KI. Zwei Abkürzungen, die in meiner studiumsbedingten Filterblase in aller Munde sind. Ausgeschrieben bedeuten sie „Artificial Intelligence“ oder auf Deutsch „Künstliche Intelligenz“. Seit vielen Jahren versuchen Wissenschaftler, Computerexperten und Softwareentwickler, Programme zu schreiben, die intelligent sind. Soweit so gut. Aber was bedeutet das? Intelligent?

Die Zeiten, in denen Programmierer monatelang akribisch einen statischen Code schreiben, in dem genau steht, wie der Computer sich in welcher Situation zu verhalten hat, soll irgendwann der Vergangenheit angehören. Ziel ist es, dass sie intelligent werden und das von selbst tun. Das klingt jetzt erst mal sehr abstrakt. Aber schauen wir uns das mal praktisch an:

Was ist eine KI?

In seinen Grundzügen kommen KIs bereits in unserem digitalen Alltag zum Einsatz. Sie schlagen uns vor, welche Lieder uns gefallen könnten. Sie entscheiden, welche Bilder uns auf Instagram als Erstes angezeigt werden. Sie überlegen sich, welche Werbung uns gefallen könnte. Sie ermitteln die schnellste Route zum Zielort. Seit einigen Jahren reden wir Menschen mit ihnen. Sie haben sogar Namen. Seien es Siri, Alexa, Cortana oder ganz platt: Google. Was momentan meh oder weniger faszinierend ist, ist aber nur der Anfang. Irgendwann sollen uns KIs mit autonom herumfahrenden Autos chauffieren, wohin wir wollen.

Doch wie geht das? Grundsätzlich müssen diese Computerprogramme immer Entscheidungen fällen. Einfache Entscheidungen wie: „Biege ich links oder rechts ab?“ Aber auch weitaus Kompliziertere.
Ein Beispiel für diese Entscheidungen haben viele von uns vermutlich in irgendeiner Form im Ethik- oder Religionsunterricht durchgenommen. Man stelle sich folgende Situation vor:
Ein autonomes Fahrzeug rast auf eine Gruppe Kinder zu. Der einzige Weg die Kinder zu retten, ist nach links eine Klippe herunterzubrettern. Dieses Szenario wäre in jedem Fall tödlich für die Insassen des Fahrzeugs. Eine Entscheidung in Millisekunden. Unser menschliches Gehirn hätte niemals die Möglichkeit, so schnell reagieren. Der Computer kann das aber. Er kann in kürzester Zeit jedes mögliche Setting durchrechnen und entscheiden. Und genau hier entsteht das Problem. Jetzt können wir ihm sagen, wie er sich entscheiden soll. Wir können jetzt entweder das eine oder das andere Leben retten. Doch wie entscheiden wir uns?

So kommen wir auch schon zum Herzstück der KI.
Computer denken eigentlich ganz trivial. 1 oder 0. „True“ oder „false“. Zwei ganz einfache Kategorien. Doch unsere Welt ist nicht einfach nur schwarz oder weiß. Richtig oder falsch. Oft ist es viel komplizierter. Es gibt viele Graustufen zwischen schwarz und weiß. Doch wie kommt die KI dann dazu gewisse Entscheidungen zu treffen?

Wie KIs neues lernen

Da wir eine „Künstliche“ Intelligenz schaffen, liegt auch irgendwo ein Original herum. Das Original ist hierbei das menschliche Gehirn. Die Denkweise der KI nennt sich „neuronales Netz“. Man sagt ihr nicht mehr, was sie wann tun soll, sondern spielt ihr immer wieder verschiedenste Situationen vor. Darauf lässt man sie dann reagieren. Danach schaut man sich ihre Reaktion an und sagt ihr, ob sie richtig oder falsch entschieden hat. War ihre Entscheidung falsch, probiert sie es das nächste Mal anders, bis es richtig ist.

Das faszinierende dabei ist: jedes Mal, wenn eine KI Fehler macht, wird sie präziser und besser. Man optimiert sie, indem man sie immer wieder etwas falsch machen lässt.

Sind Fehler immer schlecht?

In meinem Kopf sind Fehler immer negativ konnotiert. Sie zeigen mir: ich habe versagt. Ich vermute mal, dass ich nicht der einzige bin, der in irgendeiner Form Angst davor hat zu versagen.
Ich habe Angst, in meiner nächsten Prüfung zu versagen.
Ich habe Angst, ein Projekt zu starten, weil es ja doch nicht klappen könnte.
Ich habe Angst, einen Vortrag zu halten.
Ich habe Angst, vor dem nächsten Bewerbungsgespräch.
Alles nur, weil ich ja einen Fehler machen könnte, mit meinem Versagen konfrontiert werden könnte.
Was ich aber nicht realisiere ist, dass genau diese Fehler mich – ähnlich wie die Künstliche Intelligenz – „präziser“ und „besser“ machen können. (Wenn man das so formulieren kann)

Wenn ich so zurückdenke, ist es echt erstaunlich, was ich alles gelernt habe, indem ich Fehler gemacht habe.
Als Kind habe ich einmal in eine Kerze gefasst und mir ziemlich die Finger verbrannt. Deshalb weiß ich heute, dass ich das Steak lieber nicht mit bloßen Händen vom Feuer nehmen sollte.
Als Kind bin ich einmal mit dem Cityroller ohne zu bremsen den Berg heruntergerast und so richtig auf die Schnauze geflogen. Deshalb weiß ich heute, dass es für mich und die anderen Insassen im Auto ziemlich gefährlich sein könnte, wenn ich zu schnell fahre.

Ich weiß das alles. Trotzdem versuche ich mit aller Kraft, Dinge und Situationen zu umgehen, in denen ich einen Fehler machen könnte. Was aber noch viel schlimmer ist: Wenn ich etwas falsch gemacht habe, versuche ich den Fehler kleinzureden oder ich gestehe ihn mir erst gar nicht ein. Wie soll ich dann daraus lernen? Gehe ich dann nicht die Gefahr ein, ihn immer und immer wieder zu tun?

Was, wenn wir Fehler gemacht haben?

Jesus macht uns ein Angebot, wie wir mit unseren Fehlern umgehen können. In Micha 7,19 steht, dass er sie „in das tiefste Meer“ wirft. Was wir aber tun sollen: Uns bewusst machen, was wir getan haben. Ihm davon erzählen. Denn so lernen wir daraus. Wie bei der KI bringen uns die Fehler voran. Aber nur, wenn wir wissen, dass sie falsch waren. Dann erst haben wir die Möglichkeit es das nächste Mal anders zu machen.

‌Wer Gott gehorcht, darf mich zurechtweisen, wenn ich schuldig werde; denn er meint es gut mit mir. Es ist eine große Hilfe, wenn er mir meine Fehler vorhält. Ich wehre mich nicht gegen seinen Rat.

Psalm 141,5

Text: Philipp Jenny
Bild: Philipp Jenny

Von der Freiheit, Fehler zu machen


Ich wache auf und schaue verschlafen auf mein Handy. „Mist, schon kurz nach sechs“, denke ich mir und bin auf einmal hellwach. Damit ich pünktlich um sieben Uhr auf der Arbeit bin, muss ich also sofort aufstehen, ins Bad, mich anziehen und losfahren. Aufgrund meiner Müdigkeit denke ich auch nicht wirklich nach, sondern hetze durch die Wohnung, um fertig zu werden und pünktlich anzukommen.

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Freundschaftsbänder zu verschenken!


Erinnert ihr euch an Freundschaftsarmbänder? Diese vielfarbigen, etwas schief geknüpften Dinger? Wer eins oder mehrere am Handgelenk hatte, war cool. Bekam man eins überreicht, war es regelrecht eine Auszeichnung: ein sichtbares Symbol der Zuneigung und Verbundenheit, hineingeknüpft in ein kleines, knatschbuntes Armband. Meistens waren sie schon nach einem Sommer dunkel vor Dreck und besser war es, wenn man nicht näher dran roch. Diese versifften Fäden wurden aber trotzdem weiter voller Stolz und Ehre getragen. So einfach war das.

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Filmen, Schneiden, Nachbearbeiten

Im Gegensatz zu den meisten Menschen ist mir momentan alles andere als langweilig. Die letzten Wochen habe ich sehr viel Zeit mit Videoschnitt verbracht. Das macht echt Spaß. Da ein bisschen tricksen, hier ein bisschen Farbkorrektur. Dort etwas verbessern. Das Problem ist: Alles dauert auf einmal länger, als ich es eigentlich geplant hatte.

Und wenn ich es mir recht überlegte war alles, was ich den über Tag tat – was Videoschnitt ausmacht – Fehler zu überdecken, verstecken und mit schönen Effekten abzulenken. Damit am Ende bloß nicht auffällt, dass Fehler gemacht wurden. An einer Stelle vergisst der Sprecher seinen Text, versucht die richtigen Worte zu finden. »cmd« + »k«; »delete«; »v«; verschieben; »crossfade«. In diesem Rhythmus klicken die Tasten so vor sich hin bis der Sprecher einen anscheinend perfekten, flüssigen Satz spricht. Doch kaum ist der Fehler ausgemerzt, taucht daraus resultierend der nächste  auf. Jetzt hüpft das Bild vor sich hin und man merkt klar und deutlich, dass getrickst wurde. Anderes Video drüber. Fertig.
Im Endeffekt ist das Schneiden von Filmen ein Teufelskreis der Kompromisse.

Ist das mein tägliches Leben nicht auch manchmal? Ich habe gelogen und jetzt muss ich das mit weiteren Lügen überdecken. Oder mir ist etwas kaputtgegangen und jetzt muss ich versuchen, es zu vertuschen. Im ersten Moment eine perfekte Lösung. Alles scheint gut zu laufen. Doch das Ganze überdecken und vertuschen macht alles nur noch schlimmer, als es schon ist. Am liebsten würde ich die Zeit zurückdrehen und meinen Fehler korrigieren.

Doch genauso wie der Film im Kasten ist, kann man Fehler nicht mehr rückgängig machen. Es gibt kein zurück mehr. Man muss mit dem Material arbeiten, dass man hat. Ich hasse Kompromisse. Ich würde es gerne perfekt machen. Aber dabei bleibt es nun mal.

Aber muss es dabei bleiben? Gibt es einen Weg da heraus? Das ist ein Problem, das schon Generationen vor uns beschäftigt hat. Und in wenigen Tagen denken viele wieder an eine Lösung des ganzen. Im wahren Leben gibt es nämlich zum Glück einen Weg raus. Zwar keine Zeit-Zurück-Dreh-Maschine, aber einer, der die Fehler nicht einfach verdeckt oder irgendwie hilflos zusammen schnipselt, sondern die Konsequenz davon trägt. In der Bibel heißt es sogar, dass es so ist, als würden die Fehler ganz, ganz weit weg »in die Tiefen des Meeres« geworfen. Dort hin, wo sie niemand mehr findet. Menschlich total unverständlich. Es ist doch nur gerecht, wenn man selbst seine gerechte Strafe bekommt. Und ich glaube da würden mir die meisten Menschen zustimmen. Aber selbst die schlimmsten Fehler will Jesus in seinen Augen ungeschehen machen, wenn man sie bereut. Das ist doch krass! Kein Fehler ist zu groß, als dass Jesus ihn nicht vergeben kann. Die Geschichte, die dahintersteckt haben wir letztes Jahr aus verschiedenen Perspektiven nacherzählt und werden sie nächste Woche nochmal auf unserem Blog hervor kramen.

»Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. Micha 7,19«

!’#@&% Fehler!

Heute wird es ein bisschen nerdy. Es geht um AI beziehungsweise KI. Zwei Abkürzungen, die in meiner studiumsbedingten Filterblase in aller Munde sind. Ausgeschrieben bedeuten sie „Artificial Intelligence“ oder auf deutsch „Künstliche Intelligenz“. Seit vielen Jahren versuchen Wissenschaftler, Computerexperten und Softwareentwickler, Programme zu schreiben, die intelligent sind. Soweit so gut. Aber was bedeutet das? Intelligent?

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