Freundschaftsbänder zu verschenken!


Erinnert ihr euch an Freundschaftsarmbänder? Diese vielfarbigen, etwas schief geknüpften Dinger? Wer eins oder mehrere am Handgelenk hatte, war cool. Bekam man eins überreicht, war es regelrecht eine Auszeichnung: ein sichtbares Symbol der Zuneigung und Verbundenheit, hineingeknüpft in ein kleines, knatschbuntes Armband. Meistens waren sie schon nach einem Sommer dunkel vor Dreck und besser war es, wenn man nicht näher dran roch. Diese versifften Fäden wurden aber trotzdem weiter voller Stolz und Ehre getragen. So einfach war das.

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Wenn Freundschaft das Leben kostet


Inspiriert von 1. Samuel 20

„Natürlich will dein Vater mich umbringen! Wie oft hat er es schon versucht, wie oft?! Und immer wieder bin ich zurückgekommen! Und immer wieder hat er es versucht“,  brüllt er mich an, als hätte ich Schuld daran. „Ich kann mit ihm reden. Er würde auf mich hören“, sage ich schlichtend. „Das hast du letztes Mal versucht und wie lange ging das gut, mh? Jedes Mal bin ich wiedergekommen, jedes Mal hab ich seine Kriege gewonnen. Und was ist der Dank? Dass er mich umbringen will?“ Er wird noch ärgerlicher. Ich versuche ihn weiter zu beruhigen: „Ich kann doch auch nichts dafür. Aber wenn er es vorhätte, würde ich es wissen!“ „Einen Scheiß würdest du wissen! Glaubst du ernsthaft, er hätte nicht spitz gekriegt, dass wir Freunde sind? Er würde es dir nicht sagen! Ich glaube, du checkst nicht was hier los ist! Ich komme mit einem Sieg aus dem Krieg zurück, bin gerade angekommen, da muss ich plötzlich fliehen. Und wenn meine Frau, seine Tochter, mir nicht den Arsch gerettet hätte und ihren Vater und König angelogen hätte, würde ich jetzt nicht mehr leben! Jonathan, ich kann  so nicht mehr weiter machen!“ 

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Wie viele Freunde…?


Wenn ich über Freundschaft nachdenke, fühle ich mich manchmal so, als würde ich einem Blinden erklären, wie Farben aussehen. Nicht weil ich glaube, dass er nicht verstehen würde, was ich meine, sondern weil ich komplett überfordert wäre, die richtigen Worte zu finden. Freundschaft ist für mich eines der schwierigsten und komplexesten Themen. Warum? Weil es Menschen betrifft und die bekanntlich sehr kompliziert sein können. Treffen also zwei oder mehr Menschen aufeinander – nennen wir sie mal Freunde – kann es bisweilen sehr chaotisch werden.

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Alltagspropheten TALK #10 – Bromance und andere Freundschaften

In dieser Folge wird es deep. Philipp redet über Gefühle und Joschka erzählt, was ihm an Freudschaften wichtig ist. Also bloß nicht verpassen!

Achtung, toxisch!


„Du bist meine beste Freundin. Du darfst jetzt nicht gehen! Du darfst mich nicht allein lassen!“

„Mir geht’s so schlecht, weil du dich nicht um mich kümmerst.“

„Warum hast du dich mit XY getroffen, wenn du genau weißt, dass ich XY nicht mag?“ 

„Dich würde doch eh niemand wahrnehmen, wenn du nicht mit mir unterwegs wärst. Ohne mich bist du bloß ein Mauerblümchen.“

„Wenn ich dir wirklich wichtig wäre, würdest du das für mich machen!“ 

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Könnte es sein, dass Heimat vielleicht nur Neurobiologie oder gar reine Utopie ist?


Warum auf dem Beitragsbild eine Corona-Postkarte abgebildet ist? Ironie des Schicksals vielleicht. Mit dem Coronavirus hat das rein gar nichts zu tun. Diese Karte war nur das Einzige, was mir einfiel, als ich angefangen habe, diese Zeilen zu schreiben und über Heimat nachzudenken. Sie begleitet mich seit nunmehr fünf Jahren durch mein Leben. Sie hing an so vielen Pinnwänden, an so vielen Orten. Gefunden habe ich sie damals im Postkartenständer eines kleinen Kulturkinos in Brisbane. Ich habe viele davon mitgenommen und verschickt, weil sie so gut gepasst haben. From Where You’d Rather Be. [1] Aus der Hauptstadt des Sunshine State in Australien [2].

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Kennst du mich wirklich?

Seit einiger Zeit ärgere ich mich über nervige Werbung auf YouTube. Versteht mich nicht falsch, ich ärgere mich nicht über die Werbung an sich. Die gehört ja irgendwie dazu und finanziert die Creator, die dahinter stehen. Vielmehr ärgere ich mich über die Art der Werbung.
Ich hasse Handyspiele! Erst recht solche, in denen man irgendwelche bunten Bonbons miteinander verbinden und zerstören muss oder die, in denen man mit kleinen schwarzen Bällen Mauern abschießt. Keines dieser Spiele befindet sich auf meinem Handy und das letzte Mal, als ich so etwas in der Art heruntergeladen habe, war die Zeit, in der ich mein Handy viel mehr als Spielzeug und nicht als Tool verstand. Also wer bei Google hat dann beschlossen, dass mir so etwas gefällt? Wieso bekomme ich andauernd diese Werbung? Es muss irgendwo einen Fehler im System geben!

Vor einigen Tagen machte ich mich also auf Spurensuche. Im Wissen, dass Google von jedem ein Nutzerprofil erstellt und man dies nach Belieben bearbeiten kann, machte ich mich auf den Weg in die Google Katakomben. Die Rumpelkammer des Schreckens. Und was ich da fand, war tatsächlich erschreckend. Eine wilde Ansammlung von verschiedensten Daten Flimmerten mir entgegen. Eine lange Liste an Interessen und eigenschaften, die mich beschreiben. Schön kategorisiert und mit bunten Icons versehen. Wenn man diese angeklickt bekommt man weitere Infos und Google erklärt einem in freundlichem, nichtssagenden Marketingslang, warum sie zu dieser vermutung kommen: »Google vermutet dieses Interesse basierend auf Ihrer angemeldeten Aktivität in Google-Diensten sowie auf Ihrer angemeldeten Aktivität auf Websites und Apps, die nicht von Google stammen.«

Ausschnitt aus den Google Ad Settings

Wenn man die Informationen Kombiniert bekommt man ein ziemlich gutes Bild von mir:
Mein Name ist Philipp Jenny. Ich bin zwischen 18 und 24 Jahren und männlich. Ich bin Bachelor-Student und habe ein Kleingewerbe, das aber eher ein Nebenjob ist. Seit kurzem bin ich tief im Apple Ökosystem gefangen und besitze einen sehr, sehr alten Gebrauchtwagen. Ich interessiere mich für Kameraequipment und habe mich vor einiger Zeit angefangen, mich mit Audioproduktion zu beschäftigen. Ich habe einen immensen Kaffeekonsum und esse oft Fastfood. Ich gehe gerne Wandern, ab und zu mal Joggen und beschäftige mich in letzter Zeit vermehrt mit Umwelt und Klimawandel. Wenn ich einkaufen gehe, achte ich stark auf Preise und vergleiche. Generell interessiere ich mich sehr für Technik und Computer (…)

Das könnte ich noch ziemlich lange fortführen. Außer ein paar kleiner Feinheiten und dass Google denkt, dass ich gerne Handyspiele spiele, haben sie mich erstaunlicherweise sehr gut getroffen.
Ich wusste ja, dass Google mich gut kennt. Anders hätte ich mir die präzisen Video Vorschläge auf YouTube nicht erklären können. Aber so gut? Das ist schon schockierend.
Aber warum kennt mich Google so gut?

Eine Situation wie die folgende könnte dir vielleicht bekannt vorkommen:
Da hat man eine merkwürdig eitrige Stelle am Zeh und will wissen, was das sein könnte. Klar! Ich frage mal Google. Im Internet hat sicher irgendjemand in irgendeiner Form an irgendeinem Ort auf diesem Planeten ein ähnliches Problem. Nichtsahnend googlet man also vor sich hin und sucht… Wikipedia. Apotheken Umschau. GuteFrage.net. Einige Websiten und Suchbegriffe später steht das Ergebnis fest: Vermutlich Lungenkrebs. Bösartig. Im Endstadium. Wie lange habe ich wohl noch zu leben?
Was ich hier vielleicht ein bisschen überspitzt darstelle, ist tatsächlich ein sehr interessantes Phänomen. Für mich ist Googlen eine alltägliche Sache. Hemmungslos und ohne nachzudenken, tippe ich alles ein, was ich wissen will. Egal, ob beim Arbeiten am Computer oder unterwegs am Handy. Egal, ob Katzenvideos, Matheprobleme, Krankheiten, Wetter, Routenplanung, geheime Weihnachtsgeschenke, … Man könnte die Liste ins Unendliche fortführen. Was da alles an Suchbegriffen zusammenkommt, ist schon erstaunlich. Viele von uns stellen Google Fragen, die wir uns sonst niemals trauen würden, einen Menschen zu fragen. So kommt eine erhebliche Datenmenge zusammen. Stück für Stück lernt Google uns immer besser kennen.

Wenn ich genau über die verschiedenen Daten nachdenke, die ich tagtäglich einspeise, muss ich sagen: Die Suchmaschine weiß schon ziemlich viel. Kennt mich Google vielleicht besser als meine Freunde und Bekannte? Wie gut kenne ich eigentlich mein Umfeld? Führe ich nicht den immer gleichen Smalltalk? Oder lerne ich Menschen wirklich mit allem, was sie beschäftigt kennen? So oft führe ich die immer gleichen Gespräche. »Wie läufts in der Uni?« »Es regnet jetzt schon viel zu lange!« »Hast du das letzte Spiel vom SC Freiburg gesehen?« Alles eher Nebensächlichkeiten, die nichts zur Sache tun.
Mir persönlich fällt es extrem schwer, mich zu öffnen und Leuten zu sagen, wie es mir wirklich geht. Wenn ein Problem auftaucht, würde ich mich viel lieber in irgendeinem Loch verkriechen und mit niemandem reden.

Joschka hat Anfang des Jahres in einem Beitrag über Freundschaften geschrieben. Ihm ist aufgefallen, dass sich viele seiner Freundschaften auf ein Interessensgebiet oder auf einen Lebensabschnitt beschränken. Als Résumé schrieb er:

»Ich denke, der erste Schritt liegt darin, dass ich anfange, mich wieder wirklich für mein Gegenüber zu interessieren.«

Aus: Wann wir wohl anfangen, uns wieder wirklich füreinander zu interessieren – ein Plädoyer

Ich würde noch Stückchen weiter gehen. Reines Interesse am anderen ist ein erster Schritt. Man muss aber auch bereit sein, persönliche Dinge preiszugeben.

In der Bibel gibt es ein Vorbild für eine tiefe Gemeinschaft der ersten Christen. Damals führten die Gemeindemitglieder ein gemeinsames Leben. Sie wussten, dass sie aufeinander angewiesen sind und sich aufeinander verlassen konnten. Wenn schwierige Zeiten kamen, unterstützen sie sich gegenseitig, beteten füreinander und halfen einander am Glauben festzuhalten. Das alles im ganz normalen alltäglichen Leben. Wie schön ist es doch, wenn wir auch Menschen haben, mit denen wir das Leben teilen können! Mit denen wir durch die Höhen und Tiefen gehen können. Menschen auf denen wir vertrauen können. Ich glaube, das ist heutzutage zunehmend schwieriger, weil wir oft abgekapselt in unserer kleinen Welt leben.

Hast du jemanden, mit dem du dein Leben teilst, der dich wirklich kennt, wie du bist? Jemanden, mit dem du nicht nur einen Lebensabschnitt verbringst, sondern zu dem du eine tiefe und vertraute Freundschaft aufbauen kannst? Damit meine ich in erster Linie nicht einen Partner. Für wen könntest du ein solcher Freund sein?


P.S.: Wenn du selber mal herausfinden willst, was Google über dich weiß, dann klicke hier

Text: Philipp Jenny
Danke an Joni für das Bild!

Wann wir wohl anfangen, uns wieder wirklich füreinander zu interessieren – ein Plädoyer

Kennst du das? Wenn viele deiner Freunde auf einen bestimmten Kreis oder eine Gruppe beschränkt sind? Du hast Freunde in der Schule, in der Uni oder bei der Arbeit. Du hast Freunde, mit denen du zusammen Sport machst. Du hast Freunde, mit denen du abends weggehst. Vielleicht noch ein paar von früher oder von Zuhause. Ein paar in deiner Gemeinde. Mit vielen deiner Freunde verbindet dich eine, vielleicht auch zwei Interessen, aber selten mehr. Du siehst sie nur bei bestimmten Aktivitäten.

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