Der Mann des Zweifels

Es war einmal ein Mann. Er hatte ganz Europa bereist. Überall gelebt – ein Vagabund. Er stammte vom Adel ab und pflegte viele Beziehungen zum gesamten europäischen Klerus. Und obwohl er nicht sonderlich alt wurde, hatte er den gesamten 30-jährigen Krieg erlebt, der Europa verwüstet und entvölkert hatte. Er hatte den größten Schmerz seines Lebens erfahren, als er seine 5-jährige Tochter – sein einziges Kind – zu Grabe tragen musste. Wer ihn sah, hätte ihn wohl als kränklich beschrieben. Und dennoch war er der intellektuelle Rebell seiner Zeit und litt unter der Verfolgung der konservativen Kirchenfürsten. Er war ein Universalgenie – der Vater der neuzeitlichen Philosophie. Europa, wie wir es heute kennen, wäre undenkbar ohne ihn. Und er war ein frommer Mann. Sein Name ist René Descartes.

Vielleicht denkst du dir jetzt: Wer ist dieser Typ? Und was hat er mit meinem Zweifeln und meinem Glauben zu tun? Ich sage dir: sehr viel! Lass uns etwas weiter in sein Leben eintauchen.

Zu einer Zeit, als René gerade 23 Jahre alt war und als Soldat im Dienste des bayrischen König stand, wurde er mit seiner Kompanie in der Nähe von Ulm (manche sagen Neuburg) eingeschneit. Sein Biograf Adrien Baillet berichtet von drei Träumen, die Descartes in der Nacht vom 10. auf den 11. November geträumt haben soll und die seinem Leben eine neue Richtung gaben. Denn ihm sei dort ein Licht aufgegangen und er verspürte eine starke Berufung zum Philosophen. Seit einiger Zeit hatte er eine Vision vor Augen: die Vision von einer universalen Methode zur Erforschung der Wahrheit. Und jetzt wusste er, dass er dazu berufen war, diese zu entwickeln. 

René hatte ein Problem. Das Problem war die Wirklichkeit. Ist das, was ich erlebe, wirklich wahr? Vielleicht kennst du solche Fragen auch. Und wenn nicht von dir selbst, dann vielleicht von Dom Cobb aus Inception, der seine Frau an diese Frage verliert. Rene fragte sich, was er überhaupt glauben könne, und zog alles, aber wirklich alles in Zweifel. Man nennt das auch den methodischen Zweifel. Er habe die Welt in seiner Unruhe „zerdacht“, meint Harald Lesch. Am Ende bleiben nur noch wenige Worte übrig: „Je pense, donc je suis“. Oder auf Deutsch: Ich denke, also bin ich. Oft wird dieser Satz dahingehend missverstanden, dass das menschliche Sein eine Konsequenz des Denkens sei. Hier geht es darum, dass Descartes ein neues Selbstbewusstsein begründet. Für ihn ist Denken gleich Zweifeln und solange er denkt und zweifelt, kann er sich sicher sein, dass mindestens sein eigenes Denken und Zweifeln wirklich wahr sind. Das Denksystem, das daraus entstand, nennt man Rationalismus. Für die Beantwortung unserer Grundfrage (Ist das, was ich erlebe, wirklich wahr?) bedeutet das: Was ich durch mein Denken mit logischen Argumenten nach dem Vorbild der Mathematik begründen kann, ist wahr! Über alles andere sollte man besser keine Aussage treffen. Als sich dieser Denkansatz in Europa verbreitete, entstand eine Fortschrittsexplosion der Naturwissenschaften, von der wir bis heute massiv profitieren.

Musste Descartes seinen Glauben dann nicht über Bord werfen? Nein. Aber er musste anders glauben. Da er nur an seinem Selbstbewusstsein nicht zweifelte, versuchte er seinen Glauben logisch und vernünftig zu begründen. Und das hat er wirklich getan. Wie etliche Philosophen und Theologen des Mittelalters, allen voran Anselm von Canterbury, konnte René Gott beweisen. Wie er das gemacht hat und warum das heute nicht mehr funktioniert, wäre Stoff für einen anderen Beitrag. Aber für Descartes passte das! Auch wenn Gottesbeweise seit einigen Jahrhunderten nicht mehr so populär sind, so ist doch sein Denken erhalten geblieben. Jeder von uns hat so einen kleinen René hinter seiner Stirn, der flüstert: Ich glaube nur, was ich verstehe und was mir logisch erscheint! Vermutlich werden alle europäischen Christus-Glaubende mindestens einmal mit solchen Zweifeln konfrontiert, weil der christliche Glaube oft gar nicht mal so logisch erscheint. Mich haben solche Gedanken oft umgetrieben und zweifeln lassen, aber, Gott sei Dank, durfte ich etwas feststellen:

Die Ursache vieler Zweifel liegt nicht so sehr an meiner Begrenztheit oder Gottes Komplexität, sondern an dem kleinen René in meinem Kopf. Seine letzte Sicherheit war sein mehr oder weniger vernünftiges Selbstbewusstsein. Außerhalb davon gab es nichts, was Wahrheit sein durfte. Descartes glaubte an das, was er über Gott dachte. Ich glaube an einen Gott, der zu den Menschen und auch zu mir spricht. Das ist die letzte Sicherheit. Der Schlüssel dazu ist Vertrauen, Treue und Beziehung. Auch wenn ich an mir selbst zweifle, kann ich auf das vertrauen, was Gott über mich sagt. Auch wenn ich an Gott zweifle, kann ich auf das vertrauen, was Gott über sich sagt. 

Als Europäer, muss ich lernen mein „mindset“ etwas flexibler zu gestalten und Gott hilft mir dabei. Er ist auch ein Gott der Europäer, aber in erster Linie war und ist Gott ein Gott der Hebräer. Mein Denken und Glauben aus hebräischer Perspektive zu betrachten, hat mir sehr dabei geholfen die Bibel zu verstehen. Immerhin sind die meisten Menschen und alle Autoren der Bibel althebräisch sozialisiert und nicht europäisch. René glaubte an Gott als das höchste und vollkommenste Wesen. Ich will das nicht leugnen, aber diese verkürzte Ansicht ist durchtränkt mit antiker heidnischer Philosophie à la Platon, die bereits im frühen Mittelalter Einzug in die europäisch-christliche Philosophie und Theologie erhalten hatte.
Gott ist nämlich auch der Typ, der bei Abraham isst und anschließend mit ihm wild über das Schicksal der Stadt Sodom diskutiert.
Gott ist der Typ, der sich mit Jakob auf einen Faustkampf einlässt und gewissermaßen „verliert“.
Gott ist der Typ, der lieber in einer Nomadenhütte wohnt, als im Himmel. Gott ist der Typ, der sich als Mensch gebären lässt und in Windeln kackt. Gott ist der Typ, der als verurteilter Verräter wie Abschaum am Kreuz stirbt.
Gott ist der Typ, den Johannes gesehen, gehört und angefasst hat.
Gott ist der Typ, der für die Jünger Frühstück macht.
Gott ist der Typ, der mit seinem Geist in mir wohnt.
Gott ist der Typ, der Simon fragt „Liebst du mich?“
Gott ist der Typ, der dich fragt: Vertraust du mir?

Euer Lukas

Beitragsbild: Photo by Laurenz Kleinheider on Unsplash

Fun-Fact: Den Schädel von Rene Descartes kannst du dir im Musée de l’Homme in Paris anschauen. Ganz witzig, darin hat das alles stattgefunden!

Photo by Mathew Schwartz on Unsplash

Von der Heiligkeit, die Hosen runterzulassen

Lynn. 25. Studentin in Heidelberg. Braucht Kreativität und Aktivität. Ist outdoorbegeistert. Liebt Kuchen, Gespräche mit Lachanfällen und lernt gerade, sich von Gott unterbrechen zu lassen.

Ich liebe deutsche Redewendungen. Eine Metapher jagt die nächste und die Bilder bleiben nachhaltig im Kopf. Redewendungen machen es einfach, komplizierte Angelegenheiten zu beschreiben. Jeder versteht, was „Schmetterlinge im Bauch“ sind oder was es heißt, wenn man „den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht“. Mein neuester Favorit seit einiger Zeit: „die Hosen runterlassen“, was umgangssprachlich so viel wie „in einem sehr unangenehmen Moment die Wahrheit bekennen“ heißt. Es bedeutet, sich öffentlich verletzlich zu machen. Das Risiko einzugehen, in der eigenen Ehre eventuell getroffen zu werden und die Peinlichkeit des Moments auszuhalten. Seelisch und emotional blank zu ziehen. 

Zugegeben, die „Hosen runterzulassen“ ist eine sehr bildhafte Metapher und geht für den ein oder anderen unter die Gürtellinie (…um bei dem Bild zu bleiben😉). Doch falls dir das Bild unangenehm ist, bist du hier richtig. Denn in diesem Punkt ging es mir in der letzten Zeit sehr, sehr ähnlich…

Winter 2019/2020. Mein Studium war nach einigen Jahren endlich am Ziel angelangt: die Examensphase begann. Der Schreibtisch wurde zu meinem besten Freund – Kaffee, Fachbücher und der Laptop meine täglichen Weggefährten. Meine Zeit für Freunde, Sport, Kreativität oder Events musste ich radikal reduzieren. Angst vor einem Versagen kurz vorm Studienabschluss war bei mir schon immer hoch, weshalb ich als logische Konsequenz für meine Abschlussphase beschloss: „Kampfhaltung einnehmen. Durchziehen. Nicht schwach werden.“ Meine Haltung war also praktisch gesehen ziemlich effizient. Erstmal nicht bedenklich, zumindest nicht für die Examenskandidatin in mir.

Was ich jedoch nicht bemerkte: Mein Inneres begann ebenfalls, in Kampfhaltung zu gehen. Die Möglichkeit, verletzt zu werden, umging ich, indem ich mich vor bestimmten Fragen und wunden Punkten distanzierte. „Nicht schwach werden“ wurde also auch das Motto für die emotionalen, sensiblen Bereiche meines Alltags. Ich schaffte es so weit mit meiner Kampfhaltung, dass ich sogar vor Gott „effizient“ mit meiner Verletzlichkeit umging. Indem ich Gott meine zuvor selbst ausgewählten Schwächen hinlegte, konnte er ja direkt was damit anfangen und musste nicht erst suchen – praktisch, oder? ICH entschied, was ich Gott aus meinem Leben geben wollte. Diese Haltung wurde meine praktische Interpretation von:

„Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit,
damit die Kraft Christi in mir wohne.“

2. Korinther 12,9

Kämpferische Effizienz, allzeit bereit für persönliches Aufopfern – der „selbstlose“ Aktivismus fühlte sich richtig und erwachsen an, sowohl für mein alltägliches, als auch für mein emotionales und geistliches Leben. 

Bis dann mein persönlicher „Hosen runterlassen“-Moment kam.

Ich fing nämlich an, mich zu wundern: Warum war alles – von meinen Studienaktivitäten mal abgesehen – so still um mich herum und in mir geworden? Ich vermisste das Lebendige in meinem Alltag – wirklich „intensiv“ erlebte ich mich und andere nicht mehr. Auch die andauernde, fehlende Tiefe mit Gott wurde mir unheimlich. Ich wollte eine Lösung. Mein Kämpfer-Ich war im vollen Modus. 

Wie sehr in genau dieser Haltung das Problem lag, wurde mir klar, als ich an Silvester auf die „Zukunftswerkstatt“ (Freizeit auf dem Dünenhof, Cuxhaven) als Teamer mitfahren durfte: einem Ort, an dem Raum genug ist, dass das eigene Ich seinen Platz vor Gott finden kann. Ehrlich und ungeschönt, wenn man sich darauf einlassen möchte. Und hier, in diesem geschützten Freizeitrahmen, war meine Power innerlich auf einmal am Ende. Meine Kämpfernatur fühlte sich nicht mehr natürlich an. Stattdessen fiel mir auf, wie wenig ich eigentlich unter Kontrolle hatte, vor allem, was meine Schwächen anging. Mir wurde klar, dass ich vergessen hatte, wer der eigentliche Kämpfer in meinem Leben war – und dass meine Interpretation von 2. Korinther 12,9 völlig in die falsche Richtung ging.

Mich traf dieser Blick auf meinen blinden Aktivismus hart: Meine Ehre war getroffen, die Peinlichkeit groß. Meine Hosen waren (nicht ganz freiwillig) runtergelassen. Gott war Zeuge meiner Verletzlichkeit. Schon die ganze Zeit. Und auch wenn es übertrieben klingt: dieser Moment war heilig. 

„Heilig“, weil Gott mir in diesem Moment ziemlich deutlich und gleichzeitig unglaublich sensibel zeigte, wie wenig es an meiner Kraft liegt, mein Leben von ihm erfüllen zu lassen – sondern, dass er der Einzige ist, der mich stark, geliebt und gerecht machen kann und will, wenn ich ihn lassen würde. Wie sehr ich genau das in meinem Leben eigentlich aktuell brauchte, wurde mir in diesem Moment klar. Das war mein Zeitpunkt, die „Hosen runterzulassen“. Mir wurde auch bewusst, wie viel mehr und intensiver meine Freundschaften, Beziehungen und der restliche Alltag aussehen könnten, wenn ich nicht länger bete: „Gott, ICH gebe dir folgende Dinge, die mich beschäftigen …“, sondern ihn vielmehr im Gebet fragen würde: „Gott, was willst DU mir abnehmen, was ist dran?“.

Ich bin jetzt dabei zu lernen, dass mein eigentlicher Aktivismus eher so aussehen sollte, dass ich (geistlich gesehen! :)) öfter meine Hose runterlasse, auch wenn es mich alles kostet: Mut, Ehre, Lässigkeit und Kontrolle. Nicht mehr Ich, sondern Er. Attraktiv ist das im Alltag meistens nicht – genauso wenig, wie mitten auf der Straße ohne Hose dazustehen. Doch: Gott braucht uns nicht attraktiv, um unser Leben intensiv und atemberaubend zu machen – für ihn reichen auch Unterhosen. 

Eure Lynn, die jetzt erstmal neue Hosen shoppen geht.


Das Beitragsbild hat Lynn Schröder selbst gemacht.

„Glaubst du, dass es einen Gott gibt?“

Da war sie wieder. Die Frage, die Chance und Gefahr zugleich war. Die Frage, die mich jedes Mal ein panisches SOS-Gebet gen Himmel schicken ließ, in der Hoffnung, daraufhin eine „richtige“ Antwort in den Wolken ablesen zu können. Die Frage, auf die ich mir selbst so sehr eine Antwort wünschte.

Es war Dienstagmorgen und eigentlich nur ein kurzes Small-Talk-Gespräch zwischen zwei Vorlesungen. Ich hatte gerade meine Sachen auf den Tisch gelegt, als meiner Kommilitonin der Sticker mit der Aufschrift „Woran glaubst Du?“ auf meinem Terminkalender auffiel.
„Glaubst du an Gott?“, fragte sie mich, „Glaubst du, dass es wirklich einen Gott gibt?“

Sie blickte mich fragend an. Ihr Blick war weniger skeptisch als erwartet. Vielleicht sogar hoffnungsvoll? Panisch suchte ich nach einer Antwort. Eine Antwort, die logisch durchdacht und überzeugend war. Eine Antwort, die ohne all die mysteriösen, christlichen Floskeln auskam und dabei noch irgendwie „cool“ klang. Doch ich hatte keine Antwort.
Wie auch?

Ich glaubte an Gott, schon irgendwie. Aber die Gründe dafür konnte ich nicht als Beweismaterial für die Existenz Gottes anführen. Sie rührten eher von persönlichen Erlebnissen, meiner sozio-kulturellen und familiären Prägung und einer inneren Gewissheit her. Wie glaubwürdig würde das klingen?
Und obwohl mein Glaube an Gott auf der einen Seite für mich das Wichtigste war, zweifelte ich ihn mehr an, als irgendetwas anderes, wovon ich überzeugt war…
Wie sollte ich jemand anderem von der Existenz Gottes erzählen, wenn ich mir selbst immer wieder die Frage danach stellte?

Dieses und viele andere Gespräche über den Glauben machten mir die Dringlichkeit bewusst, mich selbst mit meinem eigenen Glauben kritisch auseinanderzusetzen.
Woran glaubte ich? Wovon war ich überzeugt? Und vor allem: Warum?

„Ein Glaube ohne jeden Zweifel ist wie ein menschlicher Körper ohne Immunsystem. Zweifel sind dazu da, dass man mit ihnen ringt.“

aus “Warum Gott?” von Timothy Keller

Ich wollte meinen eigenen Zweifeln auf den Grund gehen und nicht länger in meinem „Schön-Wetter-Glauben“ festhängen, der alles ausblendete, was diesen infrage stellen konnte. Ich wollte mich nicht länger selbst mit meinen eigenen Zweifeln konfrontiert fühlen, wenn mir Freunde, Familienmitglieder oder Kommilitonen von den ihren berichteten. Ich wollte Perspektiven und Antworten auf Fragen finden, die ich mir selbst schon lange stellte, um schließlich auch durchdachte Antworten geben zu können.

Ich hatte Fragen wie:

– „Warum sind Menschen anderer großer Religionen genauso überzeugt von der Existenz ihrer Gottheit, wie Christen es sind?“
– „Warum legen selbst die Christen die Bibel so unterschiedlich aus und unterscheiden sich so extrem in ihrem Gemeindeleben? Was ist richtig und was ist falsch?“
– „Warum berichten Menschen, die meditieren oder mentales Training, etc. machen von den gleichen spirituellen Erfahrungen, wie ich, wenn ich gebetet und darin Gott(?) erfahren habe?“
– „Ist mein Glaube psychologisch erklärbar und bloß ein Konstrukt, dass mich Krisen besser aushalten lässt und meinem Leben einen Sinn verspricht?“
– „Wie kann Gott jeden einzelnen Menschen auf der Welt aus Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart lieben und kennen?“

Ich entschloss mich damals dazu, neben meinem eigentlichen Lehramtsstudium noch das Fach „evangelische Theologie“ zu studieren. Ich wollte mehr über die Bibel, ihre Hintergründe und den christlichen Glauben erfahren. Darüber hinaus las ich viele Bücher, führte unzählige Gespräche, hörte Predigten und stellte viele Theorien auf. An dem einen Tag war ich völlig überzeugt von Gottes Existenz, am anderen hielt ich alles bloß für einen Irrglauben. Endlich gefundene Antworten lösten wieder neue Fragen aus oder konnten sich in der Diskussion mit anderen nicht behaupten. Es gab schließlich kein objektives „Richtig“ oder „Falsch“.

Ich rang mit Gott, betete um Beweise und Sicherheiten, stellte ihn auf die Probe, klagte ihn an und wandte mich von ihm ab und dann wieder zu. Ich wägte ab, welche Indizien für die Existenz Gottes sprachen und welche dagegen. Ich konnte trotz meines neuen Wissensschatzes Gott nicht beweisen, aber ich konnte auch nicht das Gegenteil tun.
Mein Fazit: die Wahrscheinlichkeit, dass es Gott gab, war für mich höher, als die, dass Gott nur ein altmodisches Hirngespinst aus früheren Zeiten war.

Hatte ich auf jede meiner Fragen eine triftige Antwort gefunden? Nein, aber ich hatte neue Perspektiven, mögliche Erklärungsansätze und nach all dem Ringen mit Gott einen festeren Glauben an ihn als zuvor.

Und meine Antwort auf die Frage meiner Kommilitonin?
Nun ja, Glaube ist keine Wissenschaft und beruht nicht auf nachweisbaren Fakten, sondern auf einer inneren tiefen Überzeugung. Für diese, bzw. meine, tiefe Überzeugung kann ich zwar einige sehr gute Gründe nennen, doch daran glauben, muss sie selbst.
Und eins ist für mich ganz sicher: sich heute auf die Suche nach Gott zu begeben und sich mit seinen Zweifeln auseinanderzusetzen ist in jedem Fall besser, als es eines späteren Lebtages zu bereuen, das nicht schon längst gemacht zu haben.

Jahreslosung 2020: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!”

Eure Greta,
die euch wärmstens das Buch „Warum Gott?“ von Timothy Keller empfehlen kann!

Fehlende Worte

Weihnachten rückt näher und das Ende des Jahres auch. In all dem Endjahres- und Adventsstress präsentieren wir heute stolzen den letzten Gastbeitrag 2019 – und das in einer besonderen Form. Unsere Autorin hat ihre Gedanken in einem Gedicht zusammengefasst und gleichzeitig eingesprochen. Also unbedingt Anhören!

Jenny, 21, aus dem wunderschönen Südbaden. Studentin.
Mein Herz schlägt für: Gott, Gemeinde, Zeltlager, Innenarchitektur, Kreativität, Tanzen.


Jetzt will ich also einen Text verfassen,
das Ende sollte zum Anfang passen,
geistreich, gewitzt und klug soll er sein,
jeder Satz endet mit einem Reim.
Dazu noch ne schöne Moral am Ende,
nach einer, sich zum Guten fügenden Wende.
Damit jeder denkt: „Hey, was da geschrieben steht
hilft mir voll weiter, weil’s noch jemandem geht
wie mir.“

Währenddessen kommt ne neue Mail rein:
„Die Hausarbeit sollte bald fertig sein.
Ideal sind 12 Seiten, gern aber mehr.“
Und ich frag mich: „Wo nehm‘ ich nur die Worte dafür her?“
Gleichzeitig meldet sich mein schlechtes Gewissen:
„Da sind auch noch ein oder zwei Referate, die gehalten werden müssen!“
Doch wenn es nur das wäre: es fehlen auch noch Gliederung, Anfang und Schluss,
nicht mal das Thema hab ich, aber ich muss
bis morgen damit fertig sein.
Wie krieg ich da bis dahin nur gute Ideen rein?

So viel zu tun und weder Zeit noch Ideen,
Zeitdruck kommt und Worte gehen,
kein Anhaltspunkt, um was Anständiges aufs Blatt zu bringen,
kein Anhaltspunkt, um gegen die Zeit zu gewinnen.
Und was tut man in so einer Situation?
Richtig: Prokrastination.
Das Talent dafür, alles vor mir herzuschieben
und keine Motivation zum Tun zu kriegen
scheint mir in die Wiege gelegt zu sein.
Und ohne Idee und Zeit
komm ich allein
nicht weit.

So schweifen meine Gedanken zum Ursprung des Ganzen:
was ist Kreativität eigentlich und wie kann es passieren,
dass neue Ideen sich stückweise kreieren
in meinen Gedanken, was braucht es dazu,
dass einzelne Gedanken sich einen und nun
ein gutes Ergebnis erzielen? Was brauchen
wir Menschen, dass solche Gedanken auftauchen?

Ist es nicht so, dass es nichts wirklich Neues geben kann?
Das Eine knüpft ans Vorherige an
und alles Neue entsteht aus Dingen, die es schon gab?
Ist es nicht so, dass ich gar keine neue Idee mehr hab?
Denn alles Neu erfundene ist nachempfunden jenem, was schon war,
keine Idee war vorher noch nie da.
Flugzeuge gibt es, weil Menschen wollten, was Vögel schon taten,
U-Boote bauten wir nach dem Vorbild der schwimmenden Arten,
alles, was wir erfanden hier auf Erden,
sollten nur Nachbildungen von der bestehenden Schöpfung werden.

So komm ich nur zu einem logischen Schluss:
Mein Schöpfer ist der, an den ich mich wenden muss,
denn so, wie er als Erster das Fliegen erfand,
so ist auch jede andere Idee aus seiner Hand.
Und ich bin nur klein und ideenlos,
denn keiner meiner Gedanken ist so groß,
als dass er ohne Vorbild funktioniert.

Aber trotzdem sitz ich hier und schreibe nen Text,
obwohl ich nach jedem Wort frag: „Und jetzt?“
Obwohl meine Kreativität dazu nicht reicht.
Denn meinem Schöpfer fällt es leicht,
meine Lücken zu füllen und mir zu helfen all das besser zu schreiben, als ich es allein je kann.
Denn bei meinem Schöpfer fängt alle Kreativität an.
Und so will ich dir sagen:
kein Grund zu verzagen,
Wenn Zeit und Ähnliches gegen dich ist,
dann hilft er dir weiter, wenn du offen dafür bist,
denn ihm reicht auch kürzeste Zeit aus
und trotzdem kommt am Ende was Gutes raus.
Denn er schenkt dir die Zuversicht:
am Ende des Tunnels scheint immer ein Licht.


Danka an Alice Achterhof für das Foto von Unsplash.

Würde Jesus einen Burger bei McDonalds bestellen?

Als ich auf die Welt kam, wussten meine Eltern bereits, wie sie mich nennen würden: Greta. Ein norwegischer Name, den sie besonders schön fanden. Es gab Zeiten, da mochte ich meinen Namen nicht. Der Grund dafür: niemand anderes hieß so. Erst mit 16 Jahren lernte ich zum ersten Mal eine Person kennen, die den gleichen Namen trug wie ich. Sie war 84 Jahre alt und in Wirklichkeit hieß sie „Margareta“, doch ihre Enkel nannten sie „Oma Greta“. Und irgendwann fand ich es dann auch cool, einen Namen zu haben, der weniger bekannt war.
Doch genau das änderte sich im Mai 2018, als die damals 15-jährige Greta Thunberg, anstatt in die Schule zu gehen, vorm Parlamentsgebäude in ihrem Heimatland Schweden für einen konsequenteren Klimaschutz demonstrierte. Welche Welle daraufhin international ausbrach, ist niemandem von uns entgangen. „Fridays for Future“ wurde ins Leben gerufen und weltweit demonstrieren junge Menschen und mittlerweile auch Erwachsene jeden Freitag für „climate justice“ (übersetzt: Klimagerechtigkeit).

Greta Thunberg beeindruckt mich! Ihr Mut, ihre Hingabe und ihre Authentizität lassen mich wirklich ehrfürchtig werden. Umweltschutz und die Folgen des Klimawandels waren auch für mich schon seit dem Kindergartenalter wichtige und emotionale Themen. Ich bin dankbar für das, was meine Namensvetterin durch ihre Taten erreicht hat und tagtäglich erreicht!
Und ich will mich ihr anschließen und hier auf dem Blog über genau diese Themen sprechen! Denn auch, bzw. vor allem Christen sollten Klimaschutz ernst nehmen. Warum? Darauf will ich in diesem Beitrag eingehen!

2 gute Gründe, warum Christen den Klimaschutz ernst nehmen sollten:

1. Gottes „gute“ Schöpfung ehren
Christen glauben, dass Gott der Schöpfer der Welt ist. Im Schöpfungsbericht heißt es, dass alles, was Gott erschuf, in seinen Augen „gut“ war. Auch können wir in der Bibel lesen, dass Gott den Menschen als „Verwalter seiner Schöpfung“ erschaffen hat:
„Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen.“
(EÜ, Genesis 1,26)

Die Schöpfung ist ein „Geschenk“ von Gott an uns Menschen. Viele berichten, dass sie sich Gott in der Natur am nächsten fühlen, weil ihre Schönheit und ihre Größe von IHM zeugen.
Doch wie gehen wir mit Gottes „guter“ Schöpfung um?
Plastikmüll im Meer, Aussterben von faszinierenden Unterwasserlandschaften, ausgetrocknete Flussbetten, schmelzende Eisberge, Abholzung von Regenwäldern für wirtschaftliche Zwecke, Überproduktion und Wegschmeißen von Lebensmitteln, klimabedingte Umweltkatastrophen, Anstieg der Meeresspiegel und noch viel mehr!
Das sind nur einige der Folgen unseres bisherigen Umgangs mit dem Geschenk, das Gott uns Menschen einmal aus purer Liebe übergeben hat.

Und was ist mit den, von Gott geschaffenen und vom Menschen benannten Tieren? Ja, Gott beauftragte den Menschen, über die Erde und die Tiere zu „walten“. Doch wie sieht diese „Verwaltung“ heutzutage aus?
Grausamste Massentierhaltung, Artensterben, Wilderei, Überfischung der Meere, Tierversuche und so weiter…
In Sprüche 12,10 heißt es: „Ein guter Mensch sorgt für seine Tiere, der Gottlose aber ist durch und durch grausam.“

Wo ist also unsere Achtung vor Gottes „guter Schöpfung“ geblieben?
Deshalb meine Frage: Würde Jesus einen Burger bei McDonalds bestellen?
Einen Burger, für dessen Herstellung 2400l Wasser verbraucht wurden und für dessen Frikadelle ein Tier gestorben ist, das zuvor gemeinsam mit bis zu 500 anderen Rindern auf minimalstem Stallplatz gemästet und unwürdevoll getötet wurde?
Ich weiß es nicht. Würdest Du den Burger essen?

2. Deinen Nächsten lieben
Als die Jünger von Jesus wissen wollten, welches Gebot das Wichtigste sei, antwortete Jesus: „Liebe deinen Nächsten wie Dich selbst.“ (Markus 12,31)

Wenn ich mir ein T-Shirt bei H&M (etc.) kaufe, trage ich mit meinem Kauf dazu bei, dass Kinder weiterhin unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und für einen viel zu niedrigen Lohn Kleidung herstellen, die anschließend für relativ wenig Geld in v.a. westlichen Ländern verkauft wird. Ehre ich damit meine Mitmenschen?

Die Folgen des Klimawandels (Dürre, Trockenheit, Waldrodung, Überschwemmung, etc.) treffen momentan vor allem Menschen in Entwicklungsländern. Also Menschen, die vorwiegend in wirtschaftlich schwachen Ländern leben und ihre Nahrung zum Großteil aus eigener Landwirtschaft beziehen. Klimaschwankungen führen unter anderem dazu, dass die Ernten ausbleiben und Familien ihre Existenzs- und Nahrungsgrundlage verlieren. Unterernährung, Krankheiten, Trinkwassermangel und das Verlassen der eigenen Heimat sind die Folgen. Ehre ich also meine Mitmenschen, wenn ich (zum Beispiel) einen Inlandsflug von München nach Berlin buche und damit zu einem erhöhten (und unnötigen) CO2-Ausstoß beitrage, der wiederum den Klimawandel vorantreibt?

Ich glaube, dass es unbedingt notwendig ist, dass sich Christen ihrer (von Gott übertragenen) Verantwortung bewusst sind und mit ihrem Lebensstil einen Unterschied in dieser Welt machen! Meiner Meinung nach ist Klimaschutz eine zutiefst christliche Erfindung. Jede unserer täglichen (Kauf-/Handlungs-)Entscheidungen ist eine Möglichkeit, Gottes Schöpfung und unseren Mitmenschen weltweit die Ehre und Würde entgegen zu bringen, die ihnen zustehen!

Also los!
Wenn ich mit Freunden über Klimaschutz spreche, höre ich häufig die Aussage: „Aber es bringt doch sowieso nichts, wenn nur ich meine Lebensweise verändere! Alle Menschen müssten mitziehen.“
Ich kenne diesen Gedanken auch. Verständlich, oder?
Während ich komplett auf tierische Produkte verzichte, um meinen CO2-Ausstoß zu verringern, bucht eine Freundin von mir gerade ihren achten Flug für einen Wochenendtrip dieses Jahr. Das frustriert mich!
Doch auch ich habe noch lange nicht in jedem Bereich meines Alltags einen umweltschonenderen Weg gefunden! Der entscheidende Punkt ist, dass jeder von uns in seinem Alltag einen ersten Schritt machen kann! Und dann einen zweiten und einen dritten.

6 einfache Schritte, die Du tun kannst:

  1. Iss weniger/kein Fleisch und andere tierische Produkte
  2. Nutze Fahrrad und Bahn statt Auto und Flugzeug
  3. Unterstütze Organisationen finanziell, die Entwicklungshilfe und Armutsbekämpfung vorantreiben (Bsp.: Brot für die Welt)
  4. Geh streiken – am 29.11.2019 in deiner Stadt am „Global Day of Climate Action“
  5. Hinterfrage deinen Konsum
    – Wo kannst Du mehr auf Plastik verzichten?
    – Schonmal deine Kleidung „second hand“ gekauft?
  6. Informier dich über Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Tierhaltung und Umweltpolitik. Zum Beispiel hier:
    – Fridays for Future: https://fridaysforfuture.de/
    – IPPC Report: https://www.de-ipcc.de/
    – 17 Nachhaltigkeitsziele der Micha-Initiative: https://www.micha-initiative.de/nachhaltigkeitszielesdgs
    – Film über Tierhaltung weltweit: http://www.earthlings.de/

Das war’s von mir diese Woche! Mir liegt dieses Thema sehr auf dem Herzen und ich weiß, dass das Lesen dieses Beitrags durchaus unangenehm sein kann. Ich möchte auf keinen Fall „von oben herab“ schreiben. Es geht mir darum, einen Anstoß dazu zu geben, sich über dieses längst überfällige Thema (und unsere Verantwortung dafür) Gedanken zu machen und neue Wege und Möglichkeiten im Alltag zu finden. Auch ich darf dabei noch Vieles lernen und verändern.

Meine Frage an Dich:
Wie stehst Du zum Thema „Klimaschutz“ und welchen Schritt wirst du diese Woche noch umsetzen?

Ich freue mich (wirklich) auf Deine Antwort!
Deine Greta, die sich jetzt erstmal ein leckeres veganes Eis gönnt! 😉

Ich wünschte, ich könnte nicht mehr beten!

Natalie. 21. Studentin. Liebt es tiefe Gespräche mit Leuten zu führen und dabei Gottes Wirken zu erkennen.

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Zu spät!?

Vanessa. 21. Studiert Sonderpädagogik. Liebt Jesus, Essen und die Fotografie. Verbringt gerne mal einen Tag im Fotolabor. Sucht immer einen Platz an der Sonne. Nachhaltigkeit liegt ihr am Herzen. Bei Flohmärkten kann sie nie weit sein.

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#yourstoryisimportant

Karo. 23. Studentin für Internationales Management. Unterwegs, um Abenteuer und Alltag zu kombinieren. Dabei auf der Suche nach der Bedeutung von Heimat – sowohl auf der Erde als auch in Gottes Gegenwart. Hat gelernt, dass Sternstaubmomente meistens in der Unvorhersehbarkeit und auf Umwegen zu finden sind.

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