Gute Kunst: „Vogelfrei oder völlig losgelöst?“

In unserer aktuellen AP-Serie haben wir uns Gedanken über Freiheit gemacht. Doch wir waren nicht die ersten. Hier eine kleine Zusammenstellung verschiedener (Kreativ)-Produkte, die wir feiern:

Spotify-Playlist

Wir haben wieder eine bunt gemischt Spotify-Playlist mit Songs verschiedener Stile zusammengestellt. Handverlesene Lieder, in präziser Reihenfolge einsortiert. Dir fehlt noch ein Song? Dann schreib uns, welcher unbedingt noch rein muss.


Doku: Frei – unser Weg aus der Sekte

Eine ergreifende Dokumentation von zwei jungen Erwachsenen, die in einer christlichen Sekte in Norwegen aufwuchsen und als Missionare nach Deutschland kamen, um hier eine ähnliche Gemeinde aufzubauen. Doch ihr bisheriges Weltbild kommt ins Schwanken und das Fundamt, auf dem sie ihr ganzes Leben aufgebaut hatten, kommt ins Bröckeln. Sie wollen frei werden von eiserner Kontrolle, Machtmissbrauch, Manipulation und Gehirnwäsche. Sie machen sich auf die Suche ihres eigenen Glaubens und gehen gemeinsam mit ihren vier Kindern auf Weltreise.


Buch: Der Bibelraucher

Wilhelm Buntz: Der Bibelraucher – Portofrei bestellen
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Wem unser Interview mit Wilhelm Buntz zu kurz war oder wen seine Lebensgeschichte von vorne bis hinten interessiert, dem empfehlen wir wärmstes seine Autobiografie. Unglaublich ehrlich und im wahrsten Sinne des Wortes fesselnd geschrieben.


Film: 12 Years A Slave

Der mit zwei Oskars preisgekrönte Spielfilm erzählt die Geschichte des afroamerikanischen Geigers Solomon Northup, der im 19. Jahrhundert mit seiner Familie in New York lebt. Eines Tages wird er überlistet und als Sklave auf eine Baumwollplantage verkauft. Fortan kämpft er darum, wieder ein freier Mann zu werden und zu seiner Familie zurückzukehren. Nichts für schwache Nerven.

Nur ein Niemand – vom Versuch, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen

Schon vor längerer Zeit wurde ich auf einen Song hingewiesen, der mich so sehr inspiriert hat, wie schon lange keiner mehr zuvor. Damit das passiert, muss schon einiges zusammenkommen. Die Musik sollte eingängig, aber nicht gewöhnlich sein. Schnell mitzusingen, aber nicht langweilig und natürlich irgendwie besonders. Wenn noch dazu der Text eine tiefe Aussage in sich trägt und unvergleichlich unverkrampft mit der Musik ineinandergreift, ist es geschaffen: das Meisterwerk. So oder einen ähnlichen Prozess muss die amerikanische Rockband „Casting Crowns“ wohl durchlaufen sein, bevor sie 2018 den Song „Nobody“ veröffentlichte. Besonders der Refrain hat mich unmissverständlich angesprochen, mich inspiriert und mir eine neue Perspektive – ja fast schon eine Lebensvision offenbart. Ich bekomme immer noch jedes Mal Gänsehaut, wenn ich mir den Song anhöre. Doch bevor ich das weiter ausführe, höre lieber erstmal selbst:

Was geht dir durch den Kopf, nachdem du dir den Song angehört hast? Konntest du dich auf Text und Musik einlassen? Hast du einen Zugang gefunden? Denke noch ein paar Minuten darüber nach, falls der Song etwas in dir ausgelöst hat, bevor du weiterliest.

Was ich daran so genial finde, ist zunächst einmal der musikalische Einstieg, der mich so leicht und rhythmisch abholt und in den Song mit hinein nimmt. Dazu der Gesang in der Strophe – leicht gegenläufig zum Takt – gibt eine tolle Kombination zum mitwippen ab.

Doch was ich noch viel beeindruckender finde, ist der Refrain, der einerseits sprachlich so ausgefeilt ist und gleichzeitig eine wundersam tiefgründige Message übermittelt. Deswegen hier nochmal ein Ausschnitt:

„I’m just a nobody
trying to tell everybody
all about Somebody
who saved my soul.“

Nobody – Casting Crowns (feat. Matthew West)

„Ich bin nur ein Niemand,
der versucht allen,
alles über jemanden zu erzählen,
der meine Seele gerettet hat.“

Deutsche Übersetzung

„Ich bin nur ein Niemand.“

Wir haben in der Theater AG in der Schule einmal ein Stück gespielt, in dem eine Rolle „Paul Niemand“ hieß. Während es uns riesigen Spaß machte, mit diesem Nachnamen Wortwitze zu bilden wie „Niemand ist schon da“ oder „Niemand hört zu“ oder „Niemand hat heute Lust zu proben“, so ist es eigentlich – wenn man nicht gerade so heißt und es somit auf eine Person zutrifft – ziemlich deprimierend, wenn diese Sätze wahr wären. Wer möchte schon ein Niemand sein? Unbekannt. Unbeachtet. Ungesehen. Was ist daran schon positiv?

Mir gefällt diese Demut, direkt zu Beginn des Refrains. Wie sich der Sänger sieht. Dass er sich selbst nicht so wichtig nimmt und seinen Platz kennt. Dass er weiß, dass seine Fähigkeiten und seine Kraft begrenzt sind und nicht alles von ihm selbst abhängig ist. Mir tut es selbst immer wieder gut: mich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Einerseits hilft es mir, entspannter durch das Leben zu gehen. Wenn ich mir bewusst mache, dass ich auf viele Dinge gar keinen Einfluss habe, auch wenn ich es mir oft einbilde. Andererseits ist es heilsam für den Umgang mit meinen Mitmenschen. Wenn ich mich selbst nicht so wichtig nehme, wenn ich mich selbst nicht nur um mich selbst drehe, habe ich mehr Kapazitäten für meine Mitmenschen. Mir kommt es oft so vor, dass ich eher dazu neige, an mich selbst zu denken und an das, was ich will, als an die Bedürfnisse meiner Mitmenschen.

Nach diesem ersten Schritt steckt in dem Song noch ein ziemlich großer Auftrag drin: nämlich allen alles über jemanden zu erzählen, der irgendeine Seele gerettet hat.

Mit diesem jemand ist Jesus gemeint und die Aussage bezieht sich unter anderem auf folgende Bibelstelle:

„Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“

Matthäus 28,19 (NGÜ)

Ein ziemlich großer Auftrag, der fast schon unmöglich scheint. Aber wenn man ihn auf die ganze Menschheit bzw. alle Christen verteilt, ist er vielleicht gar nicht mehr so unmachbar, wie er im ersten Moment klingt.

Gleichzeitig finde ich, dass in diesem Bibelvers oft ein großer Druck mitschwingt – oder vielleicht auch eher erzeugt wird. Dass man irgendetwas Krasses reißen muss, um anderen Menschen von diesem Jemand zu erzählen. In der Fußgängerzone Leute ansprechen oder in fremde Länder fahren.

Ich mag beide Strategien nicht so und bin auch nicht der Meinung, dass das die alleinigen Anleitungen wären, diesen Auftrag zu erfüllen. Ich glaube, dass es kein Zufall ist, in welches Umfeld ich hineingeboren wurde und worin ich mich bewege. Jeden Tag. Ich glaube, dass es eher darum geht, mein Leben authentisch mit diesem Jemand zu leben und wenn sich die Gelegenheit ergibt, nicht zu kneifen und davon zu erzählen (und es ergeben sich genug Gelegenheiten). Aus diesem Grund wurde vor rund 15 Monaten dieser Blog gegründet. Um Möglichkeiten zu schaffen, ein authentisches Leben als Christ zu teilen, in der Hoffnung, andere Menschen dadurch zum Nachdenken anregen oder sogar inspirieren zu können. Um Mut zu machen, möchte ich zum Abschluss noch von einer dieser Gelegenheiten (im echten Leben) erzählen, die mittlerweile fast zwei Jahre her ist. Film ab!

Mein Magen knurrt. Ich habe Hunger. Der Nachmittag ist schon weit vorangeschritten und das Mittagessen eine Weile her. Aber ich muss noch etwas weiterlernen. Noch eine halbe Stunde. Dann kann ich rausgehen, um mein mitgebrachtes Vesper zu genießen (was ich normalerweise nie mache, weil ich zu faul bin). Normalerweise lerne ich auch nie in dieser Bibliothek, für die ich mich heute entschieden habe.

Es ist Dienstag, nach dem Lernen steht noch eine Probe für den Gottesdienst am Sonntag an. Seit kurzem bin ich dort irgendwie in ein Leitungsteam gerutscht und unser Wunsch und Ziel ist es, unser sonntägliches Treffen so zu gestalten, dass wir gerne Freunde mitbringen, ohne sie gleich abzuschrecken. Ich bin nicht so der Held darin – Freunde mitzubringen. Ich habe kein Problem zu meinem Glauben zu stehen, renne jetzt aber auch nicht mit einem „Jesus liebt dich“-Shirt rum und binde es jedem auf die Nase. Doch heute wollte ich es mal wieder versuchen. Ich hatte morgens extra gebetet, dass ich zwei Kommilitonen einlade, mit denen ich mich dienstags immer zum Mittagessen treffe. Doch beide konnten heute nicht. Was für eine Enttäuschung! Da war es mir endlich mal wieder ein Anliegen gewesen und ich hatte sogar gebetet und dann nahm Gott mein Angebot nicht an…

Da stand ich also nun. Draußen vor der Bibliothek. Leicht frustriert, aber auch mit leichter Vorfreude auf die Probe heute Abend. Ich entpackte gerade mein Vesper, als mich auf einmal jemand ansprach: „Hey, was machst du hier so spät noch?“ Ich war etwas überrascht, ihn zu sehen. Wir kannten uns nur aus einer Vorlesung und hatten bisher nicht oft geredet. Aber ein bisschen Gesellschaft beim Essen war ja nicht schlecht. „Ähm… ich…“ Jetzt kam der Moment der Wahrheit. Erfand ich einfach irgendeinen halbwahren Grund wie „Stress mit den Prüfungen“ oder stand ich zu meinem Plan. Ich war leicht nervös und entgegnete: „Ich habe später noch so eine Probe in der Stadt. Für so einen Gottesdienst.“

„Waaaaaas?! Gottesdienst?! Ist ja mega krass. Das feier ich voll, wegen der Gemeinschaft und so. Meinst du, ich kann auch kommen?“, erwiderte mein Kommilitone. Diese Reaktion hatte ich jetzt nicht erwartet. Eher sowas wie: „Alter, was ist bei dir falsch?! Du gehst in die Kirche?! Glaubst du dann auch an Gott?“

Zum Glück war ich in der Situation nicht sprachlos, aber doch ein bisschen kalt erwischt. „Ja klar kannst du kommen“, sagte ich. Ich nannte ihm Adresse und Zeitpunkt und er versprach auf jeden Fall zu kommen. Wenn das nur immer so einfach laufen würde…

Ich erzähle diese Geschichte so gerne, weil sie zeigt, dass ich gar nichts tun musste, um den in diesem Beitrag angesprochenen Auftrag zu erfüllen. Ich musste nichts Verrücktes oder Außergewöhnliches machen, sondern einfach nur meinen Alltag leben und im entscheidenden Moment ehrlich und authentisch sein. Ich bin ein Niemand in der Geschichte. Meine Rolle hätte auch jemand anders spielen können. Vielleicht nicht an diesem Tag, aber an einem anderen. Es geht nicht um mich, sondern darum, ehrlich und authentisch zu sein.

Die Geschichte geht noch weiter. Mein Kommilitone kam tatsächlich in den Gottesdienst. Es gefiel ihm sehr gut und da er – frisch hergezogen – Anschluss suchte, blieb er und schloss sich unserer Studentengruppe an. Wir begleiteten ihn auf seinem Weg, diesen Jemand (Jesus) kennenzulernen, der bereits unsere Seelen gerettet hatte und nun drauf und dran war, dasselbe auch mit ihm zu tun. Nach einigen Monaten entschied sich mein Kommilitonen dann selbst mit diesem Jemand zu leben – doch das ist eine andere Geschichte. Für heute zählt: Alles begann mit einem Niemand.


Danke an Martin Adams für das Foto von Unsplash.

Erkennst du die Ironie?

Bevor du den Beitrag liest, setze dir am besten Kopfhörer auf, lehne dich zurück, schließe die Augen und höre dir folgendes Lied an. Achte dabei besonders auf den Text, lass ihn auf dich wirken und beobachte, was er in dir auslöst.

Viel Spaß!

Geil oder?

Also wenn dich dieser Song nicht sprachlos macht….

…dann weiß ich auch nicht ;).

Als ich diesen Song zum ersten Mal gehört habe, habe ich mich sofort unmissverständlich angesprochen und verstanden gefühlt. Der Text hat mir die Augen für eine Erkenntnis geöffnet, wie ich sie schon lange nicht mehr hatte. Ich fühlte mich ertappt auf eine unausweichliche Art.

Kennst du das? Du hörst einen Song oder Text, bist dermaßen sprachlos und denkst dir nur: „Besser hätte ich es nicht ausdrücken können.“ oder: „Würde es das nicht geben, ich hätte es geschrieben.“

Das ist natürlich mehr Fiktion als Realität und will sagen, dass einem dieser Text aus der Seele spricht. So viel zur Beziehung zwischen mir und diesem Lied.


Ich habe ein ambivalentes Verhältnis zur Ironie. Einerseits mag ich sie sehr und wir verstehen uns gut. Probleme treten erst auf, wenn Dritte dazu kommen und man nicht auf derselben Wellenlänge treibt oder ich es mit der Ironie übertreibe. Doch darum geht es in diesem Song nicht. Hier wird Ironie mehr als eine Art Selbst-Widerspruch verstanden. Es geht um Fragen, wie:

Wo sagst du etwas anderes, als du tust?
Wo nimmst du dir etwas vor, obwohl du genau weißt, dass du es nie machen wirst?
Wo gelingt es dir nicht, zu dir selbst zu stehen?

Es geht um Fragen der Identität. Ich wünsche mir authentisch zu sein, in dem, was ich sage und tue. Da ich weiß, dass ich das nicht alleine schaffe, hilft mir folgender Bibelvers immer wieder dabei, damit umzugehen. Gott sagt zu mir:

„Meine Gnade ist alles, was du brauchst. Meine Kraft zeigt sich in deiner Schwäche.“

2. Korinther 12, 9

Wie gehst du damit um, diese Selbst-Widersprüche einerseits auszuhalten und ihnen andererseits entgegenzuwirken?

Text by spaghettihirn.

Danke an Bud Helisson für das Foto von Unsplash.

Weniger ist mehr – Ein Adventsmedley

„Und wieder ist Dezember, mitten im Advent“ (1)….
Da schwingt so viel mit: Gemütlichkeit, Langeweile, Vorfreude, Resignation, Erwartung, Ernüchterung, Glühwein, Plätzchen, Wichteln, Handschuhe und Wollsocken, Musik und Lichter, Weihnachtsmarkt, Geschenke, Familie, Tannenduft, Zimt und und und  – „Alle Jahre wieder“ (2)

Ist es das? Was macht die Adventszeit eigentlich aus?
Adventsfeiern hier und Weihnachtsfeiern dort, tausende Einladungen bis der Terminkalender platzt und gleichzeitig denkt jeder schon Richtung Jahresende…

„Weniger ist mehr – Ein Adventsmedley“ weiterlesen