Weg vom Fenster #challengeaccepted

Es ist wieder soweit – Plätzchenrezepte werden aus dem Schrank hervorgekramt und vom Mehl des letzten Jahres befreit, 24 liebevoll verpackte Geschenke hängen in den meisten Haushalten vor dem Fenster, übervolle Weihnachtsmärkte laden zum Glühweintrinken ein, Lebkuchen haben endlich ihre Berechtigung im Supermarktregal zu stehen, die Weihnachtsklassiker „Last Christmas“ und „All I want for Christmas“ werden im Radio rauf und runter gespielt, Kerzenlicht von Adventskränzen erhellt wieder die Wohnzimmer, während es draußen schon am späten Nachmittag finster wird, die Postboten tragen gefährlich hohe Pakettürme von Tür zur Tür und nahezu jedes Smalltalk-Gespräch endet mit der Frage, ob es dieses Jahr wohl weiße Weihnachten geben wird.

Es ist wieder soweit – es ist Adventszeit.
Eine Zeit, die dazu einlädt, ruhig zu werden und der Hektik des Alltags einmal mehr zu entfliehen. Eine Zeit, die ihren Ursprung im Christentum hat und auf das Ankommen des Baby-Königs in der Krippe hinweisen will – auch, wenn das bei all den „Merry Christmas“-Lichtreklamen in der Stadt, den kitschigen Weihnachtsfilmen und den panischen Geschenkekäufen schnell mal untergeht.
Eine Zeit der Besinnlichkeit und Stille; der gelebten Nächstenliebe und einer tiefen, in uns Menschen verankerten Sehnsucht nach Liebe, die einer himmlischen Freude am Weihnachtsabend weicht, wenn wir den kleinen großen Heiland in der Krippe feiern.

Ich mag die Adventszeit sehr! Ich kann es jedes Jahr kaum erwarten, dass der düstere und nasse November endlich endet und die gemütliche, gesellige, fröhliche Adventszeit beginnt.
Doch jedes Jahr stelle ich frustriert am 24. Dezember fest, dass die Adventszeit schon wieder vorüber ist und ich so vieles von dem, worauf ich mich gefreut und was ich mir vorgenommen habe, gar nicht umgesetzt habe. Kein Plätzchenbacken, kein Weihnachtsbasteln, keine Lesenachmittage bei einer Tasse Kakao, keine Winterspaziergänge, kein Gedichteschreiben, kein Weihnachtsliedersingen mit Freunden, kein Weihnachtskartenschreiben…
Jedes Jahr bedaure ich aufs Neue, dass Zeitstress und ewig lange To-Do-Listen (und nicht Besinnlichkeit und Stille) die Quintessenz meiner Adventszeit waren.

Vor einem Jahr evaluierte ich einmal den Grund für die immer wieder auftretende, innere Unruhe in mir und traf eine einfache und zugleich (für die meisten von uns) radikale Entscheidung:
Ich verabschiedete mich von dem, was mich am meisten davon abhielt, im Hier und Jetzt zu sein: WhatsApp und allen weiteren Social-Media- und Unterhaltungs-Apps auf meinem Handy. Für 24 Tage.

Ich erklärte natürlich zuvor meinen Freunden und Familienmitgliedern, dass ich nur noch telefonisch erreichbar sein würde und sie mir SMS‘ oder Emails schicken könnten, wenn etwas Wichtiges anstünde. Das funktionierte wunderbar.
Der ein oder andere beschwerte sich zwar, dass ich so schlecht erreichbar sei, aber genau das war es ja, was ich mir wünschte. Es hatte mich zuvor enorm gestresst, (gefühlt) immer erreichbar sein zu müssen. Außerdem wollte ich nicht länger meine Freundschaften in unpersönlichen Chats über mein Smartphone pflegen, sondern Zeit für persönliche Begegnungen haben. Und so vertraute ich darauf, dass ich – auch ohne WhatsApp – mit den wichtigsten Menschen in Kontakt bleiben würde.
Klar, ich bekam weniger von all dem mit, was noch so abging. Die Angst, etwas zu verpassen, war immer mal wieder präsent. Doch im Grunde genommen tat es mir gut, nicht auf jedem spontanen Bar- oder Spieleabend dabei zu sein. Denn so hatte ich endlich einmal wieder freie Zeit!
Ich schrieb neue Poetry Slams, bastelte Geschenke, trank Kaffee in schönen Cafés, ging wandern, machte Musik und all die schönen Dinge, die ich mir vorgenommen hatte. Mal allein und mal mit Freunden.

Nach den 24 Tagen Adventszeit fühlte ich mich überhaupt nicht so gestresst wie sonst. Ich hatte meine Tage viel intensiver wahrgenommen. Ich war wirklich präsent gewesen. Und auch meine Gedanken waren nicht mehr so „schwer und überladen“.

Mir wurde mehr denn je bewusst, wie häufig ich mein Handy im Alltag nutzte, um „leere Minuten“ zu füllen. Ich wollte mich rund um die Uhr unterhalten fühlen und ließ dadurch für meine eigenen Gedanken kaum Raum. Unmöglich war es dabei, zur Ruhe zu kommen!
In den ersten Tagen nahm ich die Ruhe auch nicht unbedingt als angenehm war. Innezuhalten und mich mehr mit meinen eigenen Gedanken auseinanderzusetzen, war ungewohnt und beängstigend für mich. Früher hätte ich schnell zu meinem Handy gegriffen und mich mit irgendwelchen Chats, Posts und Videos abgelenkt. Doch diese Flucht war nicht mehr möglich. Das Ergebnis dieser Zeit waren heilsame und weiterbringende Erkenntnisse.

Nach dieser „Probezeit“ im Advent entschied ich mich dazu, weiterhin nur noch über Telefon, SMS und Email zu kommunizieren und Instagram und Facebook ausschließlich über meinen Laptop (und meist nur 1xtäglich) zu nutzen. Ich habe diese Entscheidung keinen einzigen Tag bereut.

Warum schreibe ich all dies nieder?
In zwei Tagen beginnt offiziell die Adventszeit und ich bin mir sicher, dass nicht nur ich mir wünsche, der „alljährlichen Weihnachts-Hektik“ zu entfliehen und die Adventszeit bewusster wahrzunehmen…

Deshalb möchte ich DICH zu einer Challenge einladen, die das Potenzial hat, deinen Alltag die nächsten 24 Tage krass zu verändern!
24 Tage weniger Zeit allein vorm Handy, weniger oberflächliche „Wie geht’s dir?“-Nachrichten beantworten, weniger schlaflose, am Handy verbrachte Nächte, weniger vollgestopfte Terminkalender und vor allem weniger Weihnachts-Hektik!

Advent bedeutet Ankunft, Ankommen, Neubeginn. Die letzten Tage des Jahres 2019 brechen an. Halte inne. Komm an – im Hier und Jetzt.
Komm bei DIR an und bereite DICH für das Ankommen Gottes in unserer Welt vor. Jetzt ist die Zeit dafür!
Trenn dich von dem, was dich daran hindert, im Hier und Jetzt zu sein! #digitalerminimalismus

Ich habe einige Vorschläge für Dich gesammelt (und selbst ausprobiert), wie das aussehen könnte – zum Beispiel:
– nur 1-2x am Tag „bewusst“ online gehen (z.B. für 15-30Minuten)
– mobile Daten ausgeschaltet lassen und nur die WLAN-Verbindung zu Hause nutzen
– WhatsApp ganz deaktivieren oder löschen (#hardcore, aber lohnenswert!)
– Apps von deinem Handy löschen, die in Wahrheit echte „Zeitfresser“ sind (und z.B. Instagram und Facebook nur noch über deinen PC benutzen)
– jeweils an den Adventssonntagen dein Handy ausgeschaltet lassen, um diese Tage bewusst wahrzunehmen
– 24 Tage keine Videos/Serien schauen
– …

Wie sieht’s aus? Bist DU dabei? Challenge accepted?
Oder hast Du vielleicht eine ganz andere Idee, der Weihnachts-Hektik zu entkommen?
Schreib unserem Team gerne bei Telegram, Instagram, Facebook oder Email! Ich fänd’s mega, wenn wir’s zusammen durchziehen.

Eure Greta,
die sich auf die nächsten 24 Dezembertage schon sehr freut!

Eine Liebeserklärung…

Es ist 05:15 Uhr. Der Wecker klingelt in einem unangenehmen, schrillen Ton und erinnert mich daran, dass kein Wochenende, sondern Montag ist. Und dass ich etwas für mein Geld tun muss. Die Arbeit ruft. Wie jeden Morgen fällt es mir schwer aufzustehen, das warme und wohlige Bett zu verlassen und das im ersten Moment grelle Licht anzuschalten, ins Bad zu gehen und mir lustlos Kleidung überzuwerfen. Meist endet es damit, dass ich solange auf die Snooze-Taste drücke, bis es zu spät ist, mich zu schminken, mir schöne Sachen auszusuchen und die Haare einigermaßen ordentlich zu kämmen.

Wenn ich dann endlich gestresst, aber relativ pünktlich im Auto sitze und nicht selten voller Eile losfahre, klopfe ich mir insgeheim manchmal selbst auf die Schulter und stelle fest, dass ich schon wieder einen neuen Rekord im Fertigmachen aufgestellt habe. 10 Minuten sind nicht gerade schlecht. Würde ich zumindest behaupten. Beim Fahren komme ich schließlich langsam runter. Mein Puls beruhigt sich und ich habe endlich Zeit meinen Kaffee zu trinken und den Tag durchzudenken.

Nach einer Weile komme ich auf die Bundesstraße. Und das ist mir während der Sommerzeit die liebste Zeit des Tages. Der Grund dafür?
Der Himmel. Dort erscheint Tag für Tag, jeden Morgen neu, der schönste Sonnenaufgang, den man sich vorstellen kann. Und jeden Tag denke ich mir wieder und wieder, dass dies wohl der Schönste sein muss, den ich je gesehen habe. Kein Sonnenaufgang ist wie der andere. Manchmal haben die Wolken eine faszinierende Formation oder besondere Muster. Manchmal entdecke ich Farben oder Farbverläufe, die ich zuvor noch nie gesehen habe. An anderen Tagen bin ich geblendet von der Helligkeit und den Strahlen der Sonne, die durch die Bäume gleiten. Dann würde ich am liebsten die Augen schließen und die Wärme auf meinem Gesicht genießen. Ein anderes Mal ist der Himmel rosa gepudert und mit feinen Linien durchzogen. Keinen einzigen Morgen komme ich aus dem Staunen heraus.

Mich überkommt jede Mal ein warmes Prickeln und Schauern, so voller Ehrfurcht bin ich angesichts dieser Schönheit, Perfektion und Macht. Glücksgefühle strömen mitten durch mein Herz und manchmal bekomme ich sogar eine Gänsehaut. Und wenn der Himmel in der kalten Jahreszeit verregnet und kalt aussieht, vermisse ich dieses Gefühl unglaublich.

Dann denke ich unweigerlich an den, der sich dies alles ausgedacht hat. Der eine so unglaubliche Kreativität und Freude daran besitzt, mir den anfangs schweren Tagesstart zu erleichtern und mich daran zu erinnern, wie wahr doch das Sprichwort ist: „Der frühe Vogel fängt den Wurm.“
Dann bin ich dankbar dafür, dass ich geregelte Arbeitszeiten habe, die ein frühes Aufstehen unumgänglich machen und dazu führen, dass Gott nur für mich dieses wunderschöne Gemälde in den Himmel zaubern kann. Klar, bestimmt sehen andere Menschen genau den gleichen Himmel wie ich. Und doch habe ich das Gefühl, dass dies ein ganz besonderes und wunderbares Geschenk von ihm an mich ist.

Mit der Voraussetzung, dass ich an einen Gott glaube, der all dies erschaffen hat, kann ich nicht anders als für dieses Phänomen und seine Bemühungen, mir eine Freude zu bereiten, dankbar zu sein. Die Folge davon ist, dass ich Gott auch viel klarer in anderen Dingen der Natur erkenne. Das feine Spinnennetz, das nach dem Regen glitzert. Das hohe Gras, welches sich im Wind bewegt. Der Wald direkt vor meiner Wohnung. Das Zwitschern der Vögel, die Blume am Wegrand… Ich liebe es ganz besonders diese kleinen Dinge ins Visier zu nehmen und mit der Kamera einzufangen. Stundenlang kann ich so vor dem gleichen Objekt stehen und es aus 100 verschiedenen Blickwinkeln ablichten und bestaunen. (Okay, das war jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben). Aber die Natur zu bestaunen hilft mir oft, Gott darin zu sehen. Deswegen finde ich auch einen Vers aus dem Römerbrief so cool:

Gott ist zwar unsichtbar, doch an seinen Werken, der Schöpfung, haben die Menschen seit jeher seine ewige Macht und göttliche Majestät sehen und erfahren können. Sie haben also keine Entschuldigung.“

Römer 1, 20

Für mich heißt dies, dass der Mensch schon alleine an der Natur, deren Schönheit und Vollkommenheit erkennen kann und muss, dass es einen Gott gibt.

Weiter gedacht: Wenn ich nun glaube, dass Gott diese Erde und den wunderschönen Sonnenuntergang vor meinen Augen erschaffen hat, dann stammen doch auch alle Dinge, die uns umgeben von ihm. Sowohl die guten Dinge wie auch die weniger guten. Eine Frage, die sich mir dann unweigerlich stellt:
Warum sind wir oft so undankbar, wenn wir doch eine ganze Reihe von Gutem um uns herum haben, mit denen unsere Dankbarkeit die Unzufriedenheit überwiegen sollte? Warum sind wir so schnell undankbar und so langsam wirklich dankbar? Ist der Mensch einfach so konzipiert, dass er automatisch die schlechten Dinge sieht und sich daran aufhält, während die guten und schönen Dinge lange Zeit brauchen, um uns bewusst zu werden?

Lasst uns doch in der kommende Woche auf genau so etwas achten. Lasst uns die Zeit nutzen, um bewusst Dankbarkeit und Zufriedenheit für alltägliche Dinge zu verspüren und andere damit anzustecken. Vielleicht hilft es dir ja, wie mir auch, deine eigene persönliche Liebeserklärung zu schreiben. Und wenn der Grund nur ein kleiner Sonnenaufgang ist. Dies ist meine Liebeserklärung. An die Schönheit. An Sonnenaufgänge. An das frühe Aufstehen. Und an Gott.

Eure Larissa!

Ein großer Dank geht raus an Flo und Unsplash.com für das Bild 🙂