Wenn Freundschaft das Leben kostet


Inspiriert von 1. Samuel 20

„Natürlich will dein Vater mich umbringen! Wie oft hat er es schon versucht, wie oft?! Und immer wieder bin ich zurückgekommen! Und immer wieder hat er es versucht“,  brüllt er mich an, als hätte ich Schuld daran. „Ich kann mit ihm reden. Er würde auf mich hören“, sage ich schlichtend. „Das hast du letztes Mal versucht und wie lange ging das gut, mh? Jedes Mal bin ich wiedergekommen, jedes Mal hab ich seine Kriege gewonnen. Und was ist der Dank? Dass er mich umbringen will?“ Er wird noch ärgerlicher. Ich versuche ihn weiter zu beruhigen: „Ich kann doch auch nichts dafür. Aber wenn er es vorhätte, würde ich es wissen!“ „Einen Scheiß würdest du wissen! Glaubst du ernsthaft, er hätte nicht spitz gekriegt, dass wir Freunde sind? Er würde es dir nicht sagen! Ich glaube, du checkst nicht was hier los ist! Ich komme mit einem Sieg aus dem Krieg zurück, bin gerade angekommen, da muss ich plötzlich fliehen. Und wenn meine Frau, seine Tochter, mir nicht den Arsch gerettet hätte und ihren Vater und König angelogen hätte, würde ich jetzt nicht mehr leben! Jonathan, ich kann  so nicht mehr weiter machen!“ 

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Zweirad vs. Vierrad – Das Duell

„Hat er sie noch alle? So ein Spinner!“ Das denke ich mir, als mich ein Auto extrem eng und schnell in einer schmalen Einbahnstraße überholt. Sein Nummernschild und sein Verhalten hatten mich schon darauf hingewiesen, dass er sich hier nicht auskannte. Ich hatte ihn vor einigen Augenblicken mit meinem Fahrrad überholt, weil er stehengeblieben war. Vermutlich suchte er nach dem Weg. Mein Manöver hatte ihn offenbar so provoziert, dass er sich zu seiner aggressiven Überholaktion hinreißen ließ.

Die Einbahnstraße endet an einer größeren Straße. Er biegt rechts ab. Ich auch. An der nächsten Kreuzung muss ich links. Also vom Fahrradweg über die Fahrbahn, um mich in der kleinen, extra für Fahrradfahrer eingerichteten Linksabbiegerspur einzuordnen. Er bleibt in der durchgehenden Spur. Da Berufsverkehr ist, ist es sehr voll. Links neben mir Autos und rechts auch. Da ich als Fahrradfahrer einfach auf meiner Linksabbiegerspur vorbei kann, muss ich an ihm und seinem Auto vorbei. Kurz bevor ich vorbeifahre, fällt ihm ein, dass er sich falsch eingeordnet hat und doch links abbiegen will. Er blinkt und will sich jetzt wohl irgendwie noch dazwischen quetschen. Ich bremse, mein Vorderrad auf Höhne seines Hinterrads. Ich bin noch ziemlich geladen von seinem prollig-gefährlichen Überholmanöver und sehe es überhaupt nicht ein, jetzt auf meine Vorfahrt zu verzichten. Unsere Augen treffen sich in seinem linken Seitenspiegel. Während er mich neben seinem Auto sieht, fängt er an links rüber zu ziehen. Seine B-Säule kommt immer näher, es interessiert ihn überhaupt nicht, dass ich eigentlich Vorfahrt hätte.

Damit hat er bei mir gerade ein Toleranzlevel überschritten. Ich bin das schwächste und hilfloseste Glied der Situation, eingeengt zwischen Autos. Er hat zu viel herumgekratzt meinem Gerechtigkeits- und Sicherheitssinn. Er hat zu sehr herumgetreten auf meinem Stolz, meiner Ehre, meiner Autonomie. Und jetzt fordert er das Recht des Stärkeren ein, nutzt seine Macht aus. Ich überlege eine halbe Sekunde, nehme meine rechte flache Hand und knalle ihm damit äußerst beherzt auf sein Dach. Der Schreck sitzt. Ich fahre schnell vorbei. Zu spät macht er seine Tür auf, um mich anzumotzen. Während ich schnell links abbiege, merke ich wie mein Puls vor Euphorie hochgeht. In einem Augenblick die Machtverhältnisse umgekehrt. Stolz, Ehre, Autonomie, Sicherheit und Gerechtigkeit wiederhergestellt – scheinbar. Ich biege rechts ab, folge meinem normalen Weg, als ich bemerke, dass der Kerl mich verfolgt. Er überholt mich, schneidet mir den Weg ab, ich habe keine Chance. Er steigt aus, stürmt auf mich zu, brüllt mich an. Schon etwas bedrohlich, mit seiner Camouflage-Hose. Er will mich an meiner Jacke packen, tickt mir etwas auf meinen Helm, aber laut werden kann ich eben auch: „Fass mich nicht an!“ Meine ganze Körpersprache und Stimmlage drückt Kontrolle und Selbstbewusstsein aus. Er nimmt Abstand und ich lasse einen Satz mit den Wörtern Polizei, Nummernschild und Körperverletzung fallen. Er steigt immer noch schimpfend wieder in sein Auto. Ich fahre weiter, muss direkt links abbiegen. Er gibt nochmal Gas und schneidet mich während ich links abbiege, um dann zu verschwinden.

Wie war es so weit gekommen?

Ich habe diese Schwäche, dass ich sehr allergisch reagiere, wenn Autofahrer keine Rücksicht auf Fahrradfahrer nehmen. Das schneidet sehr scharf und empfindlich in meinen Stolz und meine Ehre ein. Meine Geltungssucht und mein Durst nach Gerechtigkeit nehmen dann überhand. Nicht, dass ich ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden nicht gut heißen würde. Aber tatsächlich ist es meine Schwäche, dass ich da nicht einfach drüber stehen kann. Selbstjustiz für meinen Stolz. Natürlich war das Verhalten dieses Typen nicht in Ordnung und ungerecht, aber ich hätte aussteigen und einstecken können.

„Ihr wisst, dass den Vorfahren auch gesagt wurde: Auge um Auge, Zahn um Zahn! Doch ich sage euch: Leistet keine Gegenwehr, wenn man euch Böses antut! Wenn jemand dir eine Ohrfeige gibt, dann halte die andere Wange auch noch hin! Wenn einer dich vor Gericht bringen will, um dein Hemd zu bekommen, so lass ihm auch noch den Mantel!“

Matthäusevangelium 5,38-40

Auf den nächsten Metern musste ich dann den Kampf zwischen Stolz, Eitelkeit, Schuld und Scham ausfechten. Gerade als Christ hätte ich ein anderes Verhalten an den Tag legen sollen. Weg vom „Wie du mir, so ich dir“ zum „Wie Christus mir, so ich dir“. Immerhin liebt Jesus diesen Kerl genauso wie mich. Wer weiß schon, warum er so ist, wie er ist? Ist die Gerechtigkeit, die Jesus mir verschafft nicht viel zu groß und vollkommen, als dass ich noch selbst etwas hinzufügen könnte? Es wäre an mir gewesen, diese göttlich-andersartige Gerechtigkeit zu reflektieren. Es wäre an mir gewesen, einzustecken, meinen Egoismus und meine Geltungssucht zu überwinden. Zum Glück ist mein Heimweg lang genug, dass ich um Vergebung für ihn und für mich bitten kann und mir ein altes, lieb gewonnenes Lied in Erinnerung rufen kann:

Gott, lass uns dein Heil schauen
Auf nichts Vergänglich‘s trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!
Lass uns einfältig werden,
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein.

Matthias Claudius – Der Mond ist aufgegangen

Euer Lukas

Photo by Hermes Rivera on Unsplash

#läuftbeimir. Nicht.

Wenn du diesen Beitrag jetzt liest, dann versetze dich einmal eine Woche zurück. Was hast du an diesem Tag gemacht? Nun, ich saß ziemlich verzweifelt vor meinem Laptop, schaute die Kalendertage an, die wie ein Wimpernschlag vergingen und fragte mich, wann ich endlich diesen Beitrag zu Papier bringen würde. Normalerweise hätte ich ihn schon längst fertig haben sollen. Alleine deshalb, um nachher keinen unnötigen Stress haben zu müssen und nochmal Korrektur lesen zu können.

Genau dieses Problem hatte ich nun. Weniger als eine Woche vor Veröffentlichung hatte ich nicht einmal den ersten Satz aufgeschrieben. Ich kann euch versichern, ich war sehr verzweifelt.

Doch warum bin ich überhaupt in diese Situation gelangt? Ich wusste, an äußeren Umständen konnte es nicht liegen, da ich die gesamte Woche Urlaub hatte und diese eigentlich für das Schreiben dieses Beitrags nutzen wollte. Stattdessen mühte ich mich mit anderen Dingen ab, tat alles andere als meinen Laptop zu schnappen und anzufangen. Ich musste ja noch die Wohnung gründlich putzen… Einkaufen war auch wieder mal an der Zeit, geschweige denn von den dreckigen Fenstern…

Du entdeckst vielleicht ein Gefühl zwischen den Zeilen, welches du auch kennst. In unserem Leben haben wir uns spätestens vor den Hausaufgaben in der Schule gedrückt und erst einmal alles andere erledigt außer das, in dem Moment, Wichtigere. Genauso ging es mir mit diesem Beitrag.

Der ein oder andere kennt dieses kleine gefürchtete Wort: SCHREIBBLOCKADE. Vermutlich haben ebenso alle Musiker, Poetry Slammer, Dichter oder Autoren damit Erfahrungen gemacht. Rein aus Interesse habe ich mich mal auf Wikipedia schlau gemacht und das Wort gegoogelt. Und irgendwie habe ich mich dort in meiner Situation wiedergefunden. Was ich herausgefunden habe? Lest selbst:

Punkt eins. Definition: „Eine Schreibblockade ist ein psychisches Phänomen, bei dessen Auftreten die Autoren dauerhaft oder vorübergehend nicht in der Lage sind zu schreiben.“ Check. Dem kann ich zustimmen.

Punkt zwei. Erscheinungsformen: „Der Text wird zwar geplant, es gelingt aber nicht, ihn zu schreiben.“ Check. Auch dies kann ich bestätigen. In meinem Kopf hatte ich schon 2 Wochen vorher ein festes Thema über das ich schreiben wollte. Feste Formulierungen hatte ich auch schon zwischengespeichert, ich hätte den Text also nur noch runter schreiben müssen.

Aber gehen wir weiter zur zweiten Erscheinungsform, die wie ich finde, noch besser passte: „Das Schreiben wird als qualvoll empfunden und es werden Vermeidungshandlungen wie Aufräumen, Putzen etc. ausgeführt.“ Ok, als qualvoll würde ich es vielleicht nicht unbedingt bezeichnen, eher vielleicht als eine große Überwindung. Aber ja, die Vermeidungshandlungen habe ich leider tatsächlich ausgeführt. Was zum Putzen und Aufräumen allerdings noch dazu kam ist Netflix. Muss ich zugeben.

Punkt drei. Ursachen: „Eine davon ist der Anspruch, sofort einen fehlerfreien und perfekten Text schreiben zu müssen.“ Check. Irgendwie fand ich gerade diese Formulierung interessant, obwohl ich doch erst einmal stutzen musste. Hatte ich diesen Anspruch denn? Eigentlich wusste ich ja, dass es auf unserem Blog darum geht, authentisch zu sein und aus alltäglichen Erlebnissen erzählen. Ein perfekter Text ist dann ja nicht wirklich nötig. Oder doch? Ich glaube im Insgeheimen will jeder von uns einen möglichst spannenden, anregenden, stilistisch guten und fehlerfreien Artikel präsentieren. Ist logisch und natürlich auch erstrebenswert und doch brauchen wir vielleicht manchmal grade diese Zeiten der Schreibblockaden, um zu realisieren, dass es nicht darauf ankommt. Mir ging es jedenfalls so.

Aber um das Ganze noch zu übertrumpfen, las ich erst vor paar Tagen einen Post von einer Autorin, die ein ganz ähnliches Gefühl beschrieb. Ein Gefühl der Leere und des „Ich habe gerade nichts zu teilen“. Ihr Fazit dazu war: „Ich will nicht reden, um zu reden. Ich will nicht posten, um zu posten. Ich will nicht schreiben, um zu schreiben.“ Das hat mich sehr bewegt und hing mir noch lange nach. Und je länger ich darüber nachdachte, desto stärker wuchs in mir das Gefühl, dass ich nicht über das eigentlich geplante Thema schreiben konnte, nur um einen Text zu präsentieren, der dann pünktlich um 16:00 Uhr erscheint. Ich wollte nicht schreiben, um zu schreiben!

Schlussendlich habe ich mich dann dazu entschieden, diesem Artikel kein Thema, kein besonders spannendes Ereignis oder eine Fragestellung zu Grunde zu legen, sondern lieber das nieder zu schreiben, was mir grade am schwersten fällt und auf der Seele liegt. Ich habe am Ende dieses Beitrags kein Fazit und keine Aufforderung an dich. Stattdessen hoffe ich nur, dass du einen ehrlichen Einblick in mein Herz gewinnen konntest. Denn zuallererst möchte ich authentisch sein in dem, was ich tue. Oder in dem, was ich schreibe. Auch wenn ich in manchen Momente eigentlich nichts zu sagen haben.

Danke an Lauren Mancke und Unplash.com für das Bild.

Maske ab, Vorhang auf!

Seit meinem fünften Lebensjahr liebe ich es, auf großen Bühnen vor vielen Leuten aufzutreten und dafür in die verschiedensten Rollen zu schlüpfen, Skripte auswendig zu lernen und – zumindest meistens – schicke Kostüme anzuziehen. Meine erste Rolle war der „Grashüpfer“ in „Schneeweißchen und Rosenrot“ und – nun ja – für das Stück eher weniger von Bedeutung. Doch seit diesem, meinem ersten großen Auftritt, wurde das Schauspielern zu meiner großen Leidenschaft! So spielte ich in den Jahren darauf auf vielen verschiedenen Bühnen. Mal vor kleinerem und mal vor größerem Publikum. Mal die Hauptrolle und mal auch einfach bloß den Grashüpfer. Mal sang ich ein Solo und mal tanzte ich.
Und obwohl jede Rolle, die ich spielte, ganz anders als die vorherige war, hatten alle meine Rollen etwas gemeinsam: sie waren fiktiv. Nur Rollen, die ich für 90 Minuten spielte. Keine Realität.
Vor jeder Aufführung musste ich in „die Maske“, um dort geschminkt, frisiert und zurechtgemacht zu werden. Wenn ich dort fertig war, fühlte ich mich genauso: Wie jemand, der eine Maske trägt.

Wir haben nun Mitte September. Der Sommer neigt sich dem Ende zu und was bleibt, sind die Erinnerungen an Strandtage, gelesene Bücher, Städtetrips und laue Sommernächte mit guten Freunden. Doch für mich bleibt noch etwas anderes:
Eine schmerzhafte und zugleich heilsame Erkenntnis, von der ich euch heute gerne berichten möchte…

Diesen Sommer ist mir bewusst geworden, dass ich nicht nur auf großen Bühnen eine andere Rolle spiele und dafür eine Maske trage. Nein, ich tue dies jeden Tag.
In meinem Alltag.

Wenn ich an meine letzten Jahre zurückdenke, fallen mir so viele Situationen ein, in denen ich sehr gestresst und überfordert von all den Aufgaben war, die ich (so dachte ich zumindest) bewältigen musste. Aber vor allem war ich gestresst, weil ich extrem hohe Ansprüche an mich selbst hatte. Ich wollte so vieles erreichen und sein. Ich wollte Bestnoten in der Uni bekommen. In meiner Hochschulgruppe wollte ich tatkräftig mitwirken, Neues starten und in der Band spielen. Ich versuchte, jeden Tag Sport zu machen, immer gesund und vollwertig zu essen und natürlich selbst zu kochen. Wenn Leute zu Besuch kamen, räumte ich vorher die ganze Wohnung auf, damit bloß keiner auf die Idee kommen könnte, ich sei chaotisch. Darüber hinaus versuchte ich auch vor Gott „gut dazustehen“ und jeden Morgen Bibel zu lesen, mich vorbildlich an alle Gebote zu halten und niemandem meiner Mitmenschen schlecht zu behandeln. Und dann wollte ich noch schön aussehen, mich hübsch anziehen und meine Haare einigermaßen pflegen.
Und und und…
Je länger ich diesen Maßstäben hinterherjagte, desto unzufriedener wurde ich mit mir selbst. Es gelang mir nicht, die „Greta“ zu sein, die ich sein wollte.
Doch auch, wenn ich mir selbst nichts vormachen konnte, so wollte ich dennoch nach außen hin so tun, als ob ich diese „Wunder-Greta“ sei. Ich lächelte permanent und wollte um jeden Preis von meinen Mitmenschen gemocht werden. Ich versuchte immerzu gut gelaunt zu wirken, freundlich zuvorkommend zu sein und mir Zeit für alles und jeden zu nehmen – auch, wenn das bedeutete, dass ich keine Zeit mehr für mich selbst hatte.
Ich meißelte mir selbst eine Maske, die ich tragen wollte. Eine Maske, die versteckte, wer ich wirklich war. Und je krampfhafter ich versuchte, diese Maske aufrechtzuerhalten, desto erschöpfter und verzweifelter war ich. Mein Alltag wurde für mich zu einer Überforderung. Zu purem Stress.

Doch warum das alles? Warum meinte ich, eine Maske tragen zu müssen? Und warum tragen auch viele andere eine Maske?
Vielleicht auch Du?

Meine Antwort darauf war einfach zu finden und schwer zu akzeptieren:
Ich strebte danach, „perfekt“ zu sein – die perfekte Tochter/ Freundin/ Cousine/ Kommilitonin/ Praktikantin/ Mitbewohnerin/ Gruppenleiterin/ etc.
– mit dem Ziel, dadurch von anderen gemocht und vielleicht sogar bewundert zu werden. Und all das, weil ich meinen eigenen Wert nicht erkannte…

Das zu realisieren, war für mich schmerzlich und heilsam zugleich.
Schmerzlich, weil ich, auf dem Weg „perfekt“ zu werden, mich selbst verloren habe. Ich wollte von der Welt geliebt werden und hasste mich selbst mit jeder „Unperfektheit“ an mir immer mehr.
Und heilsam, weil ich in diesem Sommer meinen Kurs geändert habe. Ich habe mir viel Zeit genommen, um mich selbst wiederzufinden, bzw. kennenzulernen. Und ich kam zu dem Schluss: Ich will keine Maske mehr tragen! Ich will endlich ich selbst sein! Unperfekt, aber echt!

Doch was passiert, wenn die Maske ab ist und ich mein wahres Gesicht zeige?
Mögen mich meine Freunde und Familienmitglieder noch, wenn ich nicht immer nur gute Laune habe und bei mir „alles gut“ ist? Was ist, wenn ich nicht mehr jedem zustimme, sondern mal meine Meinung vertrete und sage, was mich stört? Was ist, wenn ich belächelt werde oder über mich geredet wird, weil ich zu dem stehe, was ich gut finde? Wenden sich meine Mitmenschen dann von mir ab?
Bin ich noch eine gute Freundin, wenn ich mal keine Zeit oder keinen guten Ratschlag parat habe? Mögen mich die Leute in Heidelberg noch, wenn ich nicht überall dabei bin, für irgendein Event mitarbeite oder irgendwo in einer Band mitspiele? Sind meine Eltern noch stolz auf mich, wenn ich nicht nur Bestnoten schreibe oder Entscheidungen treffe, die vielleicht nicht in ihrem Sinne sind? Enttäusche ich meine Vorgesetzten im Praktikum an der Schule, wenn ich einmal kein didaktisches Feuerwerk im Unterricht abfackeln lasse? Und wie denken andere Christen über mich, wenn ich mal nicht jeden Tag in der Bibel lese, lüge, neidisch bin oder meinen Mitmenschen mal nicht wertschätzend begegne?

Ja, die Frage „Was denken die anderen?“ hält mich (und vermutlich viele andere) davon ab, die Maske(n) abzunehmen und ich selbst (bzw. man selbst) zu sein.
Doch nun komme ich zu meinem alles entscheidenden Fazit:

Fakt No. 1
Wenn ich vorgebe, jemand anderes zu sein und mich hinter einer „perfekten“ Maske verstecke, dann mögen meine Mitmenschen ja nicht wirklich mich, sondern die Fake-Greta. Was habe ich davon? Ich möchte ja genauso gemocht werden, wie ich wirklich bin und nicht so, wie mein Gegenüber es gern hätte. Und wenn ich dann mal nicht gemocht werde, „so what?!“ – dann darf es mir egal sein, weil ich mir gewiss sein kann, dass mich die „richtigen Menschen“ mögen werden. Und darauf kommt es doch an. Oder?

Fakt No. 2
Wenn ich mein wahres Gesicht zeige und zu meiner Unperfektheit stehe, ist das nicht nur für mich, sondern auch für andere befreiend. Wenn ich jemanden kennenlerne, der nach außen hin „perfekt“ wirkt, wachsen bei mir häufig Selbstzweifel und Eifersucht: „Warum schafft sie/er das alles und ich nicht?“ Doch mal ganz im Ernst: Wer ist schon perfekt? (Und was ist überhaupt „perfekt“?)
Einer meiner Lieblingssprüche lautet: „Nur eine 0 hat keine Ecken und Kanten“. Gerade unsere Unperfektheit macht uns nahbar, interessant, authentisch und liebenswert!

Deshalb bin ich entschieden, mich von nun an nicht länger zu verbiegen und mich hinter einer Maske verstecken, um anderen zu gefallen. Ich will ICH sein. Die wahre Greta.
Erträumt, erschaffen und unendlich geliebt von meinem Vater im Himmel!

Ich möchte euch ermutigen, echt und authentisch zu sein, die Masken abzulegen und euch genauso zu lieben und lieben zu lassen, wie ihr seid!
Es tut so, so gut! Eure Greta!

„Be weird. Be random. Be who you are. Because you never know, who loves the person, you hide.“ – C. S. Lewis


„Das mach ich morgen…“

Es ist kurz nach Mitternacht. Ich fahre auf dem Fahrrad von Freunden nach Hause. Die heißen Temperaturen des Tages sind gesunken. Ein angenehm kühler Wind weht durch meine offenen Haare. Ich fahre über eine Brücke. Die Straßenlaternen spiegeln sich im pechschwarzen Fluss. Ruhig liegt er da und nimmt seinen Lauf. Nur wenige Menschen sind unterwegs. Kein Auto in Sicht. Ich fahre in der Mitte der Straße und strecke meine Arme aus. Über mir der Sternenhimmel. So weit und so klar. Die laue Sommernacht verleiht mir ein euphorisierendes Gefühl. Ich fühle ich mich einfach frei. Frei von Sorgen. Frei von Pflichten. Frei von Grenzen. Diese Nacht lädt zum Träumen ein. Ich denke an die Träume, die ich früher hatte. Was ist aus ihnen geworden? Ich denke an die Träume, die ich heute habe. Was wird aus ihnen? Ich sollte endlich mal anfangen, ihnen nachzugehen!
Am besten gleich morgen!

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Auszeit

Schon seit ein paar Wochen habe ich mir eine Auszeit gewünscht. Mich danach gesehnt, mal durchzuschnaufen, innezuhalten und nachzudenken. Ich mag es nicht, wenn Leute über ihr stressiges Leben jammern. Das erscheint mir manchmal als das Schlimmste aller Smalltalk-Themen. Doch die letzten Wochen kann ich nicht anders beschreiben, als stressig.

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Frag würdig

Mit dem Ende der Schulzeit und dem Beginn des Erwachsenwerdens (ein Prozess, der wohl bis an das Lebensende eines Menschen nie ganz abgeschlossen sein dürfte) schlich sich immer öfter eine Frage in meinen Kopf hinein. Sie war auf einmal da. Aus dem Nichts. So selbstverständlich und von allein, als wäre sie schon immer da gewesen. Langsam nistete sie sich in meinem Gehirn ein, machte es sich gemütlich, bis sie plötzlich vor meinem inneren Auge aufblitzte. Eine Frage, die sinnbildlich für unsere individualisierte Gesellschaft steht. In der der Drang zur Selbstverwirklichung wie in keiner vergleichbaren Phrase angelegt ist. Gleichzeitig bringt sie den jugendlichen Übermut, dass die Welt einem nach der Volljährigkeit offen steht, zum Ausdruck. Ich begann mich zu fragen: Was will ich im Leben erreichen?

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