Komm zur Ruhe

Passend zum Anschluss an unsere Minimalismus-Serie gibt es mal wieder einen Gastbeitrag in unserem Format „VISIONAL“ – ein grandioses Wortspiel aus „vision“ und „audiovisual“. Dabei handelt es sich um unser Kreativformat, das einen Fokus auf audiovisuelle Medien mit Botschaft setzt. Kurzfilme, Podcasts, Poetry Slams – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Dabei soll es um

Joel. 24. Momentmaker und zukünftiger Lehrer. Begrüßt mit „Buongiorno“ und verabschiedet sich mit „Wir sehen uns in der Zukunft“. Liebt es Dinge mit Seele, Kreativität oder Liebe zu tun. Für und mit dem Schöpfer. 


Wie lange noch?

Ich habe keine Lust mehr! Nach über einem Jahr Pandemie ist das der Satz, der häufig in meinen Kopf kommt. Mittlerweile habe ich die Nase voll von den scheinbar nie endenden Einschränkungen. Ich verstehe, dass es wichtig ist Kontakte weiter einzuschränken. Aber der Wunsch sich endlich wieder unbeschwert mit Freunden treffen zu können – Pläne zu machen, wird mit jedem Tag größer. Ja. Ich beschwere mich hier auf einem sehr hohen Niveau. Es gibt Menschen, die liegen auf Intensivstationen und kämpfen um ihr Leben. Und ich? Ich meckere darüber, dass ich mich nicht mit mehr als einer Person gleichzeitig treffen kann. 

Vor ein paar Monaten hat es mich dann selbst erwischt. Ich bin glücklicherweise im Vergleich zu anderen in meinem Umfeld glimpflich davongekommen. Meine Freundin hat bis heute mit den Folgen zu kämpfen und bekommt immer wieder nur schwer Luft.
Und da stelle ich mir so oft die Frage: Wo ist Gott in dem ganzen? Warum tut er scheinbar nichts? Warum gehts mir gut und ihr nicht?
Klassische Fragen, die im Kontext von Leid oft gestellt wurden, die ich aber jetzt erst richtig nachvollziehen kann.

Letzte Woche habe ich dann für einen Livestream einen Poetry Beitrag gefilmt. In einer Zeit in der man mit so vielen hochemotionalen medialen Inhalten bombardiert wird, passiert es nur noch selten, dass ich eine Gänsehaut bekomme. Das Gefühl hatte ich schon lange nicht mehr. Aber in dem Moment als ich am Videoschnitt saß, hat es mich gepackt. Die Worte haben einfach genau zu meiner Situation gepasst. Ich konnte diesen großen Wunsch nach Normalität so sehr nachvollziehen. 

Als Christen sind wir in keiner bevorzugten Stellung. Also im Sinne von: Es ist nicht wie eine magische Formel die besagt, sobald du Christ bist, ist alles gut. Leider nicht. Schön wär’s. Wir stecken genauso im Sumpf wie jeder andere auch. Aber was mir hilft, ist zu wissen, dass ich nicht alleine bin. Dass es jemanden gibt, den ich anschreien kann, wenn mir etwas so richtig stinkt und wenn ich etwas nicht verstehe. Gott ist nicht weit weg und schaut nur zu. Er ist mit mir in diesem Sumpf und schenkt auch immer wieder Lichtblicke.

Als Christ habe ich eine Aussicht, dass es besser wird. Dass, egal wie schlimm meine Situation ist, irgendwann – spätestens bei Gott im Himmel – alles wieder gut ist (Und ich glaube nicht, dass wir bei Corona so lange warten müssen). Wir Christen haben vor allem in den dunklen Zeiten die Chancen für andere Leute da zu sein und ihnen einen kleinen Hoffnungsschimmer zu geben.
Wo kannst du dieser Lichtblick sein?

Ein Beitrag von Philipp

Das Video wurde für die Veranstaltung „paXanders“ vom SWD-EC Verband produziert.
Poetry: Tami
Schnitt: Philipp

Das Titelbild vom Beitrag ist von Engin Akyurt auf unsplash.com

Erwartet

Neues Jahr, neues Konzept. So läuft das bei Alltagspropheten. Während sich sonst alles verändert, ist Veränderung für uns die einzige Konstante. Eines unserer neuen Formate, die ab jetzt monatlich erscheinen, nennt sich „VISIONAL“ – ein grandioses Wortspiel aus „vision“ und „audiovisual“. Dabei handelt es sich um unser Kreativformat, das einen Fokus auf audiovisuelle Medien mit Botschaft setzt. Kurzfilme, Podcasts, Poetry Slams – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Los geht es mit einem Gastbeitrag von

Joel. 24. Momentmaker und zukünftiger Lehrer. Begrüßt mit „Buongiorno“ und verabschiedet sich mit „Wir sehen uns in der Zukunft“. Liebt es Dinge mit Seele, Kreativität oder Liebe zu tun. Für und mit dem Schöpfer. 

Warten ist unsexy. Und doch gehört es irgendwie dazu. Wir warten alle – jeden Tag. Ob an der Supermarktkasse, auf den Bus, auf einen lang ersehnten Anruf oder die nächste Zoom-Konferenz. Manchmal ist Warten freudig, manchmal nervig, doch es gehört zum Leben wie Atmen, Schlafen und Essen. Ich warte viel, weil ich in puncto Pünktlichkeit manchmal ein bisschen zu deutsch bin. Und ich habe gelernt, das Warten zu lieben und zu nutzen – für kurze Phasen der Reflexion.

Wir warten alle auf irgendwas, die Frage ist nur, was du aus deinem Warten machst. Deshalb: Warte nicht dein Leben, sondern liebe dein Warten.

Worauf wartest du?

https://www.youtube.com/watch?v=QtfRn34v1WM&t=2s

Video und Fotos von Joel. Text by spaghettihirn.

Von Oben – Video

Schöne Aussichten mochte ich schon immer. Egal, ob in die Zukunft oder von einem hohen Berg.

Genauso, wie ich Aussichten geliebt habe, habe ich die Höhe gehasst. Aus Angst. Höhenangst. Den Moment, wenn ich realisiere, dass ich die Kontrolle über mein Leben verliere, finde ich furchterregend. Bei dem Gedanken, dass ich jeden Moment – sollte ich über das Geländer fallen – sterben würde und nichts dagegen tun könnte, läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken.

Auf der anderen Seite gibt mir die Höhe durch meine (Höhen-)Angst auch einen Kick. Während ich sie früher kaum ertragen konnte, kann ich die schönen Aussichten mittlerweile genießen. In den letzten Monaten habe ich diese Orte immer wieder als Gelegenheiten besonderer Reflexion erlebt. Der Gang auf eine Anhöhe wurde zum bewussten Ritual, meinen Alltag und meine aktuelle Situation hinter mir zu lassen und mal von oben darauf zu blicken. Nachzudenken. Neu zu denken. Neue Wege einzuschlagen.

Versuch das mal. Nimm dir dieses Wochenende ein bis zwei Stunden Zeit. Such dir einen Aussichtspunkt. Laufe dorthin und lasse auf dem Weg bewusst deinen Alltag unten. Wenn du oben angekommen bist, dann blicke aus einer neuen Perspektive auf deine aktuelle Situation hinunter. Stell dir ein paar Fragen, wo du gerade stehst und wo du hin willst und was du tun solltest, um dorthin zu kommen. Und sei gespannt, was dann so passiert ;).

by spaghettihirn
Video und Foto von Philipp Jenny.

Filmen, Schneiden, Nachbearbeiten

Im Gegensatz zu den meisten Menschen ist mir momentan alles andere als langweilig. Die letzten Wochen habe ich sehr viel Zeit mit Videoschnitt verbracht. Das macht echt Spaß. Da ein bisschen tricksen, hier ein bisschen Farbkorrektur. Dort etwas verbessern. Das Problem ist: Alles dauert auf einmal länger, als ich es eigentlich geplant hatte.

Und wenn ich es mir recht überlegte war alles, was ich den über Tag tat – was Videoschnitt ausmacht – Fehler zu überdecken, verstecken und mit schönen Effekten abzulenken. Damit am Ende bloß nicht auffällt, dass Fehler gemacht wurden. An einer Stelle vergisst der Sprecher seinen Text, versucht die richtigen Worte zu finden. »cmd« + »k«; »delete«; »v«; verschieben; »crossfade«. In diesem Rhythmus klicken die Tasten so vor sich hin bis der Sprecher einen anscheinend perfekten, flüssigen Satz spricht. Doch kaum ist der Fehler ausgemerzt, taucht daraus resultierend der nächste  auf. Jetzt hüpft das Bild vor sich hin und man merkt klar und deutlich, dass getrickst wurde. Anderes Video drüber. Fertig.
Im Endeffekt ist das Schneiden von Filmen ein Teufelskreis der Kompromisse.

Ist das mein tägliches Leben nicht auch manchmal? Ich habe gelogen und jetzt muss ich das mit weiteren Lügen überdecken. Oder mir ist etwas kaputtgegangen und jetzt muss ich versuchen, es zu vertuschen. Im ersten Moment eine perfekte Lösung. Alles scheint gut zu laufen. Doch das Ganze überdecken und vertuschen macht alles nur noch schlimmer, als es schon ist. Am liebsten würde ich die Zeit zurückdrehen und meinen Fehler korrigieren.

Doch genauso wie der Film im Kasten ist, kann man Fehler nicht mehr rückgängig machen. Es gibt kein zurück mehr. Man muss mit dem Material arbeiten, dass man hat. Ich hasse Kompromisse. Ich würde es gerne perfekt machen. Aber dabei bleibt es nun mal.

Aber muss es dabei bleiben? Gibt es einen Weg da heraus? Das ist ein Problem, das schon Generationen vor uns beschäftigt hat. Und in wenigen Tagen denken viele wieder an eine Lösung des ganzen. Im wahren Leben gibt es nämlich zum Glück einen Weg raus. Zwar keine Zeit-Zurück-Dreh-Maschine, aber einer, der die Fehler nicht einfach verdeckt oder irgendwie hilflos zusammen schnipselt, sondern die Konsequenz davon trägt. In der Bibel heißt es sogar, dass es so ist, als würden die Fehler ganz, ganz weit weg »in die Tiefen des Meeres« geworfen. Dort hin, wo sie niemand mehr findet. Menschlich total unverständlich. Es ist doch nur gerecht, wenn man selbst seine gerechte Strafe bekommt. Und ich glaube da würden mir die meisten Menschen zustimmen. Aber selbst die schlimmsten Fehler will Jesus in seinen Augen ungeschehen machen, wenn man sie bereut. Das ist doch krass! Kein Fehler ist zu groß, als dass Jesus ihn nicht vergeben kann. Die Geschichte, die dahintersteckt haben wir letztes Jahr aus verschiedenen Perspektiven nacherzählt und werden sie nächste Woche nochmal auf unserem Blog hervor kramen.

»Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. Micha 7,19«

Warum stehe ich jeden Morgen auf?

Trotz Sommerpause präsentieren wir euch ein neues Video-Special, das wir in Kooperation mit Fabian gemacht haben. Ein sehr begabter Fotograf und Filmemacher. Checkt mal seine Website aus! Und viel Spaß beim Watchen 😉

Schreib uns, was dich motiviert, jeden Morgen aufzustehen und wie dir das Video gefallen hat!

Deine Alltagspropheten