Der Mann des Zweifels

Es war einmal ein Mann. Er hatte ganz Europa bereist. Überall gelebt – ein Vagabund. Er stammte vom Adel ab und pflegte viele Beziehungen zum gesamten europäischen Klerus. Und obwohl er nicht sonderlich alt wurde, hatte er den gesamten 30-jährigen Krieg erlebt, der Europa verwüstet und entvölkert hatte. Er hatte den größten Schmerz seines Lebens erfahren, als er seine 5-jährige Tochter – sein einziges Kind – zu Grabe tragen musste. Wer ihn sah, hätte ihn wohl als kränklich beschrieben. Und dennoch war er der intellektuelle Rebell seiner Zeit und litt unter der Verfolgung der konservativen Kirchenfürsten. Er war ein Universalgenie – der Vater der neuzeitlichen Philosophie. Europa, wie wir es heute kennen, wäre undenkbar ohne ihn. Und er war ein frommer Mann. Sein Name ist René Descartes.

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Ja, aber um welchen Preis?

Nachdem es in den letzten Wochen viel um Jahreswechsel, Jahresvorsätze, Jahresrückblicke und so weiter ging, will ich heute über ein Thema schreiben, das mich die letzten Monate sehr viel beschäftigt und bewegt hat. Ein Thema, über das es mir nicht leicht fällt zu schreiben und viel Weisheit und Nachdenken benötigt, um die richtigen Worte zu finden. Es geht um Einheit!

Vorab eine Info: Meine Meinung zu diesem Thema ist meine persönliche. Vielleicht stimmen die anderen vier aus unserem Team dieser nicht zu. Genauso wenig lässt sich meine Ansicht zu diesem Thema auf die Ausrichtung des Blogs projizieren. Vielleicht teilst du diese auch nicht. Das ist okay. Denn auf diesem Blog geht es darum, Erlebnisse und persönliche Gedanken aus unserem Leben als Christen zu teilen und neue Gedanken anzuregen.

Einheit. Vielleicht muss ich dieses Wort „Einheit“ erst einmal genauer auseinander nehmen. Der Duden beschreibt Einheit wortwörtlich als „eine in sich geschlossene Ganzheit und Verbundenheit; eine als Ganzes wirkende Geschlossenheit und innere Zusammengehörigkeit.“ 
Wenn ich in die Bibel schaue, sehe ich eigentlich keinen großen Unterschied. In seinem letzten Gebet auf Erden sagt Jesus in Johannes 17, 22-23 zu seinem Vater:

Ich habe ihnen die gleiche Herrlichkeit geschenkt, die du auch mir gegeben hast, damit sie eins sind so wie wir eins sind und damit sie die vollkommene Einheit gewinnen und die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und sie liebst.

Und im ersten Brief an die Korinther, Kapitel 1 Vers 10 schreibt Paulus:

„Sprecht alle mit einer Stimme und lasst keine Spaltungen unter euch zu! Haltet in derselben Gesinnung und Überzeugung zusammen!“

Wir merken also: Einheit ist gewollt, Einheit ist gut und Jesus selbst betet sogar dafür, das  Christen untereinander eins sind. Sie sollen die gleichen Überzeugungen und dieselbe Gesinnung (besser übersetzt mit, die gleiche Einstellung, das gleiche Ziel oder auch die gleiche geistliche Grundeinstellung) haben.

Kommen wir aber zu dem Punkt, der mich stocken lässt. Was bedeutet Einheit heute? Das Einheitsgefühl, welches Deutschland und die Konfessionen des Christentums gerade wie eine Welle überschwemmt, macht mir nicht nur Sorgen, sondern lässt mich auch meine eigenen Überzeugungen hinterfragen. Denn auf den vielen christlichen Events, Gottesdiensten oder Festivals, die ich letztes Jahr besuchte oder verfolgte, nahm ich auch wahr, das dort viele verschiedene Konfessionen, sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche, Freikirchen und verschiedene Gemeinden teilnahmen und diese auch meistens zusammen organisierten.

An sich finde ich das einen tollen Ansatz. Wir können voneinander lernen und dabei eingeschweißte Denkweisen überarbeiten. Aber natürlich fließen bei verschiedenen Konfession auch immer verschiedene Glaubensansichten mit ein. Dabei entstehen dann oft Kompromisse, besonders in der Auslegung der Bibel. In vielem gibt es dann nicht die gleichen Überzeugungen, wie es im Bibelvers weiter oben steht.

Versteht mich nicht falsch, dies ist nicht überall so und in erster Linie will ich hier nicht über Kirche und Konfessionen oder verschiedene Glaubensüberzeugungen reden, sondern über uns und wie wir zu unseren Überzeugungen stehen.

Ich denke, und das ist mir in den letzten Monaten immer deutlicher geworden , dass, wo verschiedenste Ansichten aufeinanderprallen, immer Kompromisse geschlossen werden, um den Frieden und die Gemeinschaft aufrechtzuerhalten. Das ist nicht nur im christlichen Bereich der Fall, sondern überall. Und meiner Meinung nach werfen (manche) Christen dabei schnell ihre Überzeugungen und biblische Wahrheiten über Bord. Denn Einheit ist ja schließlich das wichtigste, oder? Daran sollen Christen doch erkannt werden und sich unterscheiden. So sagt es auch der Bibelvers weiter oben. Ja, dem stimme ich zu. 

ABER: Hinterfragen wir das mal. Ist Einheit und Frieden wichtiger als biblische Grundlagen und Aussagen? Warum stehen viele Christen nicht zu dem was die Bibel sagt, sondern schneidern sich ihre eigenen Vorstellungen zusammen? Warum wird der Wert der Einheit höher gestellt als der Wert der Bibel? Einheit hat einen großen Wert und ist ein erstrebenswerter Zustand. Doch mit welchen Mitteln und unter welchen Kompromissen? Wenn Einheit bedeutet, dass Gottes Wort verharmlost oder verändert wird, kann dies nicht die Einheit sein, um die Jesus gebeten hat. 

Natürlich will ich damit nicht sagen, dass man immerzu sein Recht und seine Meinung durchsetzen muss. In Kleinigkeiten und unwichtigen Streitereien kann und sollte man auch mal den Mund halten können und nachgeben. Das ist übrigens auch ein biblisches Prinzip. Jesus hat seinen Gegenüber geachtet und akzeptiert und ihm nichts übergestülpt. 

Wie sieht es aber mit essentiellen grundlegenden Aussagen der Bibel aus? In diesem Punkt finde ich es enorm wichtig, dazu zu stehen, was die Bibel sagt und diese Aussagen nicht einfach umzudrehen, wegzulassen oder als unwichtig anzusehen, nur um das Gegenüber nicht zu verärgern.

Ich will dich mit diesen Überlegungen  ermutigen alles zu überdenken und zu prüfen, was du siehst. Wenn du merkst, das in Gemeinden und Kirchen Kompromisse geschlossen werden, die du nicht unterstützen kannst und die nicht die Aussagen der Bibel unterstreichen, dann bleibe nicht ruhig und akzeptiere dies, sondern steh auf und sage klar deine Meinung. Trau dich auf Gegenwind zu stoßen und andere mit deinen Ansichten zu verärgern. Schwimme gegen den Strom. 

Und wenn du dich jetzt fragst, wie du erkennen kannst, was wahr und was falsch ist oder wo nicht mehr die Bibel und Jesus im Mittelpunkt stehen, sondern das Einheitsgefühl, dann kann ich dir nur sagen: Lese die Bibel. Dort steht alles drin, was du wissen musst. Tausche dich auch mit älteren, gläubigen Menschen aus, die vielleicht schon viel erlebt und gelernt haben. Und bitte Gott, dass er dir Mut schenkt, für die Wahrheit einzustehen.

Eure Larissa

PS: Ich würde mich freuen, wenn du mir schreibst, was du zu diesem Thema  denkst. Vielleicht kann ich von dir auch einiges mitnehmen und lernen;)

Du erreichst mich auf Instagram unter dem Post, hier auf der Webseite oder per E-Mail an larissa@alltagspropheten.de 

Danke an Unsplash.com und Hudson Hintze für das Foto.

Maske ab, Vorhang auf!

Seit meinem fünften Lebensjahr liebe ich es, auf großen Bühnen vor vielen Leuten aufzutreten und dafür in die verschiedensten Rollen zu schlüpfen, Skripte auswendig zu lernen und – zumindest meistens – schicke Kostüme anzuziehen. Meine erste Rolle war der „Grashüpfer“ in „Schneeweißchen und Rosenrot“ und – nun ja – für das Stück eher weniger von Bedeutung. Doch seit diesem, meinem ersten großen Auftritt, wurde das Schauspielern zu meiner großen Leidenschaft! So spielte ich in den Jahren darauf auf vielen verschiedenen Bühnen. Mal vor kleinerem und mal vor größerem Publikum. Mal die Hauptrolle und mal auch einfach bloß den Grashüpfer. Mal sang ich ein Solo und mal tanzte ich.
Und obwohl jede Rolle, die ich spielte, ganz anders als die vorherige war, hatten alle meine Rollen etwas gemeinsam: sie waren fiktiv. Nur Rollen, die ich für 90 Minuten spielte. Keine Realität.
Vor jeder Aufführung musste ich in „die Maske“, um dort geschminkt, frisiert und zurechtgemacht zu werden. Wenn ich dort fertig war, fühlte ich mich genauso: Wie jemand, der eine Maske trägt.

Wir haben nun Mitte September. Der Sommer neigt sich dem Ende zu und was bleibt, sind die Erinnerungen an Strandtage, gelesene Bücher, Städtetrips und laue Sommernächte mit guten Freunden. Doch für mich bleibt noch etwas anderes:
Eine schmerzhafte und zugleich heilsame Erkenntnis, von der ich euch heute gerne berichten möchte…

Diesen Sommer ist mir bewusst geworden, dass ich nicht nur auf großen Bühnen eine andere Rolle spiele und dafür eine Maske trage. Nein, ich tue dies jeden Tag.
In meinem Alltag.

Wenn ich an meine letzten Jahre zurückdenke, fallen mir so viele Situationen ein, in denen ich sehr gestresst und überfordert von all den Aufgaben war, die ich (so dachte ich zumindest) bewältigen musste. Aber vor allem war ich gestresst, weil ich extrem hohe Ansprüche an mich selbst hatte. Ich wollte so vieles erreichen und sein. Ich wollte Bestnoten in der Uni bekommen. In meiner Hochschulgruppe wollte ich tatkräftig mitwirken, Neues starten und in der Band spielen. Ich versuchte, jeden Tag Sport zu machen, immer gesund und vollwertig zu essen und natürlich selbst zu kochen. Wenn Leute zu Besuch kamen, räumte ich vorher die ganze Wohnung auf, damit bloß keiner auf die Idee kommen könnte, ich sei chaotisch. Darüber hinaus versuchte ich auch vor Gott „gut dazustehen“ und jeden Morgen Bibel zu lesen, mich vorbildlich an alle Gebote zu halten und niemandem meiner Mitmenschen schlecht zu behandeln. Und dann wollte ich noch schön aussehen, mich hübsch anziehen und meine Haare einigermaßen pflegen.
Und und und…
Je länger ich diesen Maßstäben hinterherjagte, desto unzufriedener wurde ich mit mir selbst. Es gelang mir nicht, die „Greta“ zu sein, die ich sein wollte.
Doch auch, wenn ich mir selbst nichts vormachen konnte, so wollte ich dennoch nach außen hin so tun, als ob ich diese „Wunder-Greta“ sei. Ich lächelte permanent und wollte um jeden Preis von meinen Mitmenschen gemocht werden. Ich versuchte immerzu gut gelaunt zu wirken, freundlich zuvorkommend zu sein und mir Zeit für alles und jeden zu nehmen – auch, wenn das bedeutete, dass ich keine Zeit mehr für mich selbst hatte.
Ich meißelte mir selbst eine Maske, die ich tragen wollte. Eine Maske, die versteckte, wer ich wirklich war. Und je krampfhafter ich versuchte, diese Maske aufrechtzuerhalten, desto erschöpfter und verzweifelter war ich. Mein Alltag wurde für mich zu einer Überforderung. Zu purem Stress.

Doch warum das alles? Warum meinte ich, eine Maske tragen zu müssen? Und warum tragen auch viele andere eine Maske?
Vielleicht auch Du?

Meine Antwort darauf war einfach zu finden und schwer zu akzeptieren:
Ich strebte danach, „perfekt“ zu sein – die perfekte Tochter/ Freundin/ Cousine/ Kommilitonin/ Praktikantin/ Mitbewohnerin/ Gruppenleiterin/ etc.
– mit dem Ziel, dadurch von anderen gemocht und vielleicht sogar bewundert zu werden. Und all das, weil ich meinen eigenen Wert nicht erkannte…

Das zu realisieren, war für mich schmerzlich und heilsam zugleich.
Schmerzlich, weil ich, auf dem Weg „perfekt“ zu werden, mich selbst verloren habe. Ich wollte von der Welt geliebt werden und hasste mich selbst mit jeder „Unperfektheit“ an mir immer mehr.
Und heilsam, weil ich in diesem Sommer meinen Kurs geändert habe. Ich habe mir viel Zeit genommen, um mich selbst wiederzufinden, bzw. kennenzulernen. Und ich kam zu dem Schluss: Ich will keine Maske mehr tragen! Ich will endlich ich selbst sein! Unperfekt, aber echt!

Doch was passiert, wenn die Maske ab ist und ich mein wahres Gesicht zeige?
Mögen mich meine Freunde und Familienmitglieder noch, wenn ich nicht immer nur gute Laune habe und bei mir „alles gut“ ist? Was ist, wenn ich nicht mehr jedem zustimme, sondern mal meine Meinung vertrete und sage, was mich stört? Was ist, wenn ich belächelt werde oder über mich geredet wird, weil ich zu dem stehe, was ich gut finde? Wenden sich meine Mitmenschen dann von mir ab?
Bin ich noch eine gute Freundin, wenn ich mal keine Zeit oder keinen guten Ratschlag parat habe? Mögen mich die Leute in Heidelberg noch, wenn ich nicht überall dabei bin, für irgendein Event mitarbeite oder irgendwo in einer Band mitspiele? Sind meine Eltern noch stolz auf mich, wenn ich nicht nur Bestnoten schreibe oder Entscheidungen treffe, die vielleicht nicht in ihrem Sinne sind? Enttäusche ich meine Vorgesetzten im Praktikum an der Schule, wenn ich einmal kein didaktisches Feuerwerk im Unterricht abfackeln lasse? Und wie denken andere Christen über mich, wenn ich mal nicht jeden Tag in der Bibel lese, lüge, neidisch bin oder meinen Mitmenschen mal nicht wertschätzend begegne?

Ja, die Frage „Was denken die anderen?“ hält mich (und vermutlich viele andere) davon ab, die Maske(n) abzunehmen und ich selbst (bzw. man selbst) zu sein.
Doch nun komme ich zu meinem alles entscheidenden Fazit:

Fakt No. 1
Wenn ich vorgebe, jemand anderes zu sein und mich hinter einer „perfekten“ Maske verstecke, dann mögen meine Mitmenschen ja nicht wirklich mich, sondern die Fake-Greta. Was habe ich davon? Ich möchte ja genauso gemocht werden, wie ich wirklich bin und nicht so, wie mein Gegenüber es gern hätte. Und wenn ich dann mal nicht gemocht werde, „so what?!“ – dann darf es mir egal sein, weil ich mir gewiss sein kann, dass mich die „richtigen Menschen“ mögen werden. Und darauf kommt es doch an. Oder?

Fakt No. 2
Wenn ich mein wahres Gesicht zeige und zu meiner Unperfektheit stehe, ist das nicht nur für mich, sondern auch für andere befreiend. Wenn ich jemanden kennenlerne, der nach außen hin „perfekt“ wirkt, wachsen bei mir häufig Selbstzweifel und Eifersucht: „Warum schafft sie/er das alles und ich nicht?“ Doch mal ganz im Ernst: Wer ist schon perfekt? (Und was ist überhaupt „perfekt“?)
Einer meiner Lieblingssprüche lautet: „Nur eine 0 hat keine Ecken und Kanten“. Gerade unsere Unperfektheit macht uns nahbar, interessant, authentisch und liebenswert!

Deshalb bin ich entschieden, mich von nun an nicht länger zu verbiegen und mich hinter einer Maske verstecken, um anderen zu gefallen. Ich will ICH sein. Die wahre Greta.
Erträumt, erschaffen und unendlich geliebt von meinem Vater im Himmel!

Ich möchte euch ermutigen, echt und authentisch zu sein, die Masken abzulegen und euch genauso zu lieben und lieben zu lassen, wie ihr seid!
Es tut so, so gut! Eure Greta!

„Be weird. Be random. Be who you are. Because you never know, who loves the person, you hide.“ – C. S. Lewis


Jetzt mal ehrlich!

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