Aus Zweifeln auftauchen

Als Kind stellte ich meinem Vater mal die Frage: „Papa, warum weiß ich eigentlich, dass unser Glauben und unsere Religion die richtige ist?“ Damals beschäftigte ich mich in meinem kindlichen Glauben besonders mit einer Frage: Was hebt uns Christen von anderen ab und was ist an Gott anders im Vergleich zu Buddha oder Allah? Wie können Menschen aus anderen Religionen genauso überzeugt von ihrem Gott sein, obwohl wir doch den Anspruch besitzen, dass unser Glaube die Wahrheit ist? Und wie kann ich mir sicher sein, dass ich den richtigen Gott anbete?

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Der Mann des Zweifels

Es war einmal ein Mann. Er hatte ganz Europa bereist. Überall gelebt – ein Vagabund. Er stammte vom Adel ab und pflegte viele Beziehungen zum gesamten europäischen Klerus. Und obwohl er nicht sonderlich alt wurde, hatte er den gesamten 30-jährigen Krieg erlebt, der Europa verwüstet und entvölkert hatte. Er hatte den größten Schmerz seines Lebens erfahren, als er seine 5-jährige Tochter – sein einziges Kind – zu Grabe tragen musste. Wer ihn sah, hätte ihn wohl als kränklich beschrieben. Und dennoch war er der intellektuelle Rebell seiner Zeit und litt unter der Verfolgung der konservativen Kirchenfürsten. Er war ein Universalgenie – der Vater der neuzeitlichen Philosophie. Europa, wie wir es heute kennen, wäre undenkbar ohne ihn. Und er war ein frommer Mann. Sein Name ist René Descartes.

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Woher weiß ich, ob es gut ist, was ich mache?

Diese Frage habe ich mir in der zurückliegenden Zeit sehr häufig gestellt. Man könnte sie auch folgendermaßen nennen: Glaube ich an das, was ich tue, oder (ver-)zweifle ich vielmehr daran?

Ich befinde mich gerade in der entscheidenden Endphase meines Bachelorstudiums. Es stehen einige Entscheidungen an. Wie soll es weitergehen? Master, Volontariat, Journalistenschule? Oder doch lieber halbtags als Barista im Café jobben und nebenher als Poetry Slammer Karriere machen? Ähnlich wie Lukas in einem bisherigen Beitrag beschrieben hat, geht es auch für mich in diesem Jahr auf ins Unbekannte.

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„Glaubst du, dass es einen Gott gibt?“

Da war sie wieder. Die Frage, die Chance und Gefahr zugleich war. Die Frage, die mich jedes Mal ein panisches SOS-Gebet gen Himmel schicken ließ, in der Hoffnung, daraufhin eine „richtige“ Antwort in den Wolken ablesen zu können. Die Frage, auf die ich mir selbst so sehr eine Antwort wünschte.

Es war Dienstagmorgen und eigentlich nur ein kurzes Small-Talk-Gespräch zwischen zwei Vorlesungen. Ich hatte gerade meine Sachen auf den Tisch gelegt, als meiner Kommilitonin der Sticker mit der Aufschrift „Woran glaubst Du?“ auf meinem Terminkalender auffiel.
„Glaubst du an Gott?“, fragte sie mich, „Glaubst du, dass es wirklich einen Gott gibt?“

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Wenn ich groß bin…

Ich bin mal wieder draußen im Garten. In meiner Hand ein Spaten. Schweiß läuft mir über die Stirn. Wenige Zentimeter unter mir steht mein bester Freund in einem Loch. Wir graben schon seit einigen Tagen, aber es zeigt sich kein großer Fortschritt. Lautstark diskutieren Daniel und ich über die beste Vorgehensweise. Wenn wir so weitermachen, schaffen wir es nie, den Tunnel von Nepal nach Deutschland rechtzeitig fertig zu graben. Wenn das nicht klappt, müssen wir das nächste Mal schon wieder fliegen und davor habe ich doch Angst! Wie schaffen es die Großen nur so schnell zu graben? Auf ein Mal schallt ein lautes Rufen über den Hof: “Philipp, Daniel, Zeit ins Bett zu gehen!” Oh nein. Schon wieder. Es ist doch noch total hell! Wir tun so, als würden wir nichts hören und fangen ganz schnell wieder an zu graben. Doch nur kurze Zeit später, ein zweites Rufen. Diesmal klingt es deutlich näher. Missmutig tragen wir die Werkzeuge in den Schuppen und trotten meiner Mutter hinterher. “Irgendwann, wenn ihr groß seid, dürft ihr länger wach bleiben.” Aber jetzt müssen wir ganz schnell Zähneputzen und ins Bett gehen. Wie oft ich das nur höre. “Nein Philipp, das ist nur für Große.” Wann werde ich endlich so groß, wie die Erwachsenen? Dann darf ich alles! Aber was, wenn das alles eine große Lüge ist? Was, wenn es gar nicht stimmt, dass wir irgendwann mal groß werden? Wie Mama und Papa. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sie Mal Kinder waren? Wie soll das denn gehen?

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Du bist ein Meisterstück

Ich schaue aus dem Fenster. Die Landschaft zieht an mir vorbei. Draußen wird es langsam dunkel und viel kann man bald nicht mehr erkennen. Das laute Brummen des Zuges nervt mich irgendwie. Deswegen hole ich meine Kopfhörer raus und mache meine Lieblings-Playlist an. Während ich mich von der Musik einlullen lassen, wende ich meinen Blick in das Innere des Zuges. Ich beobachte gerne Menschen. Was sie tragen, wie sie reden oder einfach nur dasitzen. Manchmal stelle ich mir vor, wie sie es ihnen wohl geht. Was für Gefühle sie gerade bewegen oder in welcher Situation sie stecken.

Doch leider bleibt mein Blick oft nur am Äußeren hängen. Dann bewundere ich die langen Wimpern der Frau gegenüber oder ihre wunderschönen Locken, die ich auch gerne hätte. Oder ich frage mich, wie das Mädchen neben mir nur so einen coolen Style haben kann und wie viel ihre Schuhe wohl gekostet haben müssen. Und ach ja, fast hätte ich es vergessen: das ewige Drama um die Figur. Auf Werbeplakaten springt mir eine Frau ins Auge, welche verspricht, dass ich mir in nur zwei Monaten eine Traumfigur zulegen kann. Natürlich sieht sie selbst perfekt aus. Auf Instagram folgen Bilder über Bilder von Frauen, welche eine reine und perfekte Haut haben. Keine Spur von einem Pickel. Braun gebrannte Haut, frisch vom Dauerurlaub. Durchtrainiert im Fitnessstudio. Und, und, und…

Ihr merkt schon. Ich neige dazu, mich sehr schnell zu vergleichen. Das ist vermutlich eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Und nicht nur im Hinblick auf Äußerlichkeiten, sondern auch in ganz alltäglichen Dingen. Ich lasse mich leicht dazu hinreißen, zu denken, dass andere viel begabter, musikalischer, kreativer, selbstbewusster und authentischer sind. Und diese Liste kann ich unendlich weiterführen. Dieser kleine und tückische Gedanke „Andere können das viel besser“ oder „Ich bin nicht gut genug“ hindert mich irgendwie daran, frei zu sein, in dem, was ich tue und denke. Statt also meine Fähigkeiten einzusetzen, ziehe ich mich lieber zurück und überlasse dies den Anderen.

Wärend meine Gedanken so weiter schweifen und das Zugbrummen immer eintöniger wird, erinnere ich mich an einen Vers aus der Bibel:

DU BIST EIN MEISTERWERK GOTTES

Epheser 2,20

Ich muss ehrlich zugeben, dass es mir schwer fällt, diesem Glauben zu schenken. Es ist ein einfacher Satz, den ich oft höre und der so leicht in den Kopf geht, aber umso schwieriger ins Herz. Wie oft habe ich mir diesen Satz schon durchgelesen? 50 Mal oder schon 100 Mal? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich immer dann einen Augenblick Wertschätzung verspüre. Aber spätestens bei dem nächsten Fünkchen Neid oder gar einer Kritik, kehre ich zurück an den Startpunkt.

Und ich merke: Oft hindert mich mein Vergleichen mit anderen Menschen daran, meinen Blick auf Jesus zu lenken und darauf, wie er mich sieht. Ein gutes Zitat, das ich einmal in einer Predigt gehört habe, ist bei mir besonders hängengeblieben: „Durch das Vergleichen vergessen wir, wer wir sind!“.
Ich denke, da ist viel dran.

Ich muss mir immer wieder selbst sagen, dass mein persönlicher Wert nicht davon abhängt, wie ich äußerlich oder innerlich aussehe, was ich gut kann oder Besonderes leiste. Nein, mein persönlicher Wert ist schon längst festgesetzt. Wenn Jesus mich anschaut, sieht er ein Meisterstück. Er sagt zu mir: „Hey du, weißt du was? Ich weiß, dass du wunderbar gemacht bist.“
Vielleicht ist der Gedanke besser dargestellt mit einem Künstler, der ein Gemälde malt und unglaublich stolz darauf ist. Egal wie Kritiker das Bild finden, seine Meinung über sein Werk wird sich nicht ändern. Genauso hat auch Gott mich gemacht. Mit all meinen Macken, Fehlern und genau dem Körper, den er sich vorgestellt hat. Und darauf ist er stolz. Warum sollte ich es dann nicht auch sein? Aber es geht noch weiter; denn Gott hat mich auch mit Talenten und Gaben ausgestattet, die mich ausmachen und welche nicht zu gering oder wertlos sind. Genau das was ich gut kann, sollte ich nutzen und fördern, statt zu verringern.

Meine Identität und das, was mich ausmacht, ist in Gott verankert und durch ihn bestimmt. Nichts kann daran etwas ändern!
Die Frage ist nur, inwieweit mir dies bewusst ist und wie ich damit umgehe?! Ich wünsche mir so sehr, dass sich in mir ein tiefes Bewusstsein für die Liebe Gottes zu mir entwickelt und in meinen Gedanken präsenter wird.

Vielleicht geht es dir ja wie mir. Dann wünsche ich dir, dass du dich selbst mit den Augen Gottes sehen kannst. Vielleicht hast du aber auch mit Gott und der Bibel gar nichts am Hut und weißt überhaupt nicht, was diese Identität, die ich selbst bei Gott finden kann, jetzt mit dir zu tun hat. Dann kann ich dir sagen: Auch du bist ein Mensch wie ich. Und auch dich hat Gott erschaffen, daran glaube ich ganz fest. Deshalb glaube ich auch, dass auch du wunderbar und wertvoll bist, ganz egal wie deine äußeren Umstände sind oder ob du überhaupt an einen Gott glaubst. Ich möchte dir trotzdem Mut machen, dich selbst so anzunehmen wie du bist und deinen Körper, deine Talente und Fähigkeiten als einen Beweis von Gottes Liebe zu sehen.

Wie kann das Ganze aber nun praktisch aussehen. Wie kommt man von dem ewigen Vergleichen und des Neid weg? Ich kann dir darauf keine allumfassende, hundertprozentig richtige und anwendbare Antwort geben. Vielleicht hilft dir aber der nächste Tipp, einen ersten Schritt in die richtige Richtung zu gehen.

Ich habe nämlich die Erfahrung gemacht, dass Neid oder Eifersucht ganz schnell verschwinden, wenn man der anderen Person einfach mal schnell ein Kompliment zuwirft. Wenn dich also das nächste Mal wieder ein leises Gefühl des Neides beschleicht, dann probiere doch mal selbst aktiv dagegen vorzugehen. Es reicht schon ein kleiner Satz wie „Wow, du bist echt gut darin. Das liegt dir voll.“ Oder „Hey, ich finde du hast echt wunderschöne Locken. Die stehen dir so gut.“ Damit zauberst du der anderen Person ein Lächelns ins Gesicht und veränderst ganz schnell dein negatives Gefühl in ein Positives.

Probiere es doch einmal aus, auch wenn es viel Überwindung kostet.

Eure Larissa


Danke an unsplash.com und Hieu-vu-minh für das Foto.