Von der Freiheit, Fehler zu machen


Ich wache auf und schaue verschlafen auf mein Handy. „Mist, schon kurz nach sechs“, denke ich mir und bin auf einmal hellwach. Damit ich pünktlich um sieben Uhr auf der Arbeit bin, muss ich also sofort aufstehen, ins Bad, mich anziehen und losfahren. Aufgrund meiner Müdigkeit denke ich auch nicht wirklich nach, sondern hetze durch die Wohnung, um fertig zu werden und pünktlich anzukommen.

Auf der Arbeit fällt mir, während ich die Regale einräume, auf, dass ich heute wieder einmal nicht in der Bibel gelesen habe und direkt bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Denn eigentlich ist es mir doch so wichtig, wirklich jeden Tag damit zu starten. Ich bin enttäuscht von mir selbst.

Ein paar Stunden später komme ich müde von der Arbeit nach Hause und will eigentlich nur noch essen und mich ein bisschen ausruhen, doch meine Mutter empfängt mich mit einem Vortrag darüber, dass ich doch den Müll hätte rausbringen sollen und das Bad schon seit drei Tagen darauf wartet, geputzt zu werden. Müde und hungrig wie ich bin, lasse ich das, was sie sagt, über mich ergehen, antworte etwas genervt und ziehe mich in mein Zimmer zurück.

Nachdem ich dann endlich etwas gegessen habe, lege ich mich in mein Bett, aber nur, um zehn Minuten später von meiner kleinen Schwester aus dem Schlaf gerissen zu werden, weil sie sich etwas von mir ausleihen will. Deutlich verärgert schicke ich sie aus meinem Zimmer und sage ihr, dass sie mich schlafen lassen soll.

Als ich abends mit dem Hund draußen bin, lasse ich nochmal meinen Tag Revue passieren und mir fällt auf, wie oft ich heute nicht so gehandelt habe, wie Gott es sich vorstellt: ich habe nicht in der Bibel gelesen, auf meine Mutter genervt reagiert und bin meiner Schwester nicht wirklich in Liebe begegnet.

Jetzt überkommt mich wieder ein schlechtes Gewissen. Soll ich als Christin nicht eigentlich Gottes Gebote beachten und Ihn mit meinem Leben widerspiegeln?! Ist das nicht sogar etwas, was ich nie erreichen können werde? Wozu gibt uns Gott denn überhaupt Regeln, wenn wir sie sowieso nicht alle einhalten können und dann nur von unserem schlechten Gewissen geplagt oder dadurch sogar in unserer Freiheit eingeschränkt werden?

Ja, es mag sein, dass manche Regeln uns eventuell auf den ersten Blick zu hart vorkommen, dass wir zu einigen Dingen Nein sagen müssen, um uns diesen unterzuordnen oder wir uns sogar unserer Freiheit beraubt fühlen. Aber heißt das zwangsläufig, dass diese Regeln schlecht sind und Gott nicht will, dass wir frei sind?

Im 1. Korinther 6,12 heißt es „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich.“

Ich denke, dass diese Bibelstelle es genau auf den Punkt trifft. Als Christin glaube ich, dass die Regeln und Gebote, die ich in der Bibel finde, nicht dazu da sind, mich meiner Freiheit zu berauben oder mein Leben durch mein schlechtes Gewissen miserabel zu machen. Meiner Meinung nach helfen mir diese Gebote, ein gutes Miteinander leben zu können und mich vor dem ein oder anderen dummen Fehler, den ich später vielleicht bereuen werde, zu bewahren.

Mehr noch, ich würde nicht sagen, dass Gott mich mit seinen Regeln einschränkt und mir meine Freiheit nimmt. Ich gehe einen Schritt weiter und sage, dass sie mich von einer großen Last befreien.

In einer Welt, in der alle danach streben, möglichst perfekt zu sein und Fehler zwar menschlich, aber verpönt sind, glaube ich an einen Gott, der mir meine Fehler vergibt. Seine Gesetze helfen mir, mein Leben auf die bestmögliche Art und Weise zu leben, die es für mich gibt. Und wenn ich versage, schreibt er mich nicht sofort ab, denn er weiß, dass ich es sowieso nicht schaffen werde. Gott hat nicht den Anspruch an mich, perfekt zu sein, weil er weiß, dass ich es nicht kann. Dafür hat er vor einigen tausend Jahren seinen Sohn Jesus gegeben, der für meine Fehler ans Kreuz gegangen ist und all meine Schuld auf sich geladen hat, damit ich leben kann.

Auch wenn ich oft an meinen viel zu hohen Erwartungen an mich selbst scheitere und verzweifle, weil ich diesen nicht gerecht werden kann, weiß ich, dass ich nicht durch Taten, sondern durch Gnade gerettet bin. Ich muss nicht perfekt sein, sondern es reicht, wenn ich mein Bestes gebe und die Dinge, die ich tue, mit ganzem Herzen mache.

Es macht mich frei zu wissen, dass ich jederzeit zu Gott kommen kann, er mich trotz meiner Fehler liebt und es ihm nicht um Perfektion, sondern einzig und allein um mein Herz geht.


Eure Jasmin.


Vielen Dank an chuttersnap von Unsplash.

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