Von oben

Schöne Aussichten mochte ich schon immer. Egal, ob in die Zukunft oder von einem Berg oder einem hohen Turm.

Genauso, wie ich Aussichten geliebt habe, habe ich die Höhe gehasst. Nicht weil ich sie nicht schön finde, sondern aus Angst. Höhenangst. Diesen Moment, in dem mir klar wird, dass ich nicht mehr die Kontrolle über mein Leben habe, finde ich furchterregend. Bei dem Gedanken, dass ich jeden Moment – sollte ich über das Geländer fallen – sterben würde und nichts dagegen tun könnte, läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken.

Auf der anderen Seite gibt mir die Höhe durch meine (Höhen-)Angst auch einen Kick. Während ich sie früher kaum ertragen konnte, kann ich die hohen Aussichten mittlerweile genießen. In den letzten Monaten habe ich diese Orte immer wieder als Gelegenheiten besonderer Reflexion erlebt. Der Gang auf eine Anhöhe wurde zum bewussten Ritual, meinen Alltag und meine aktuelle Situation hinter mir zu lassen und mal von oben darauf zu blicken. Nachzudenken. Neu zu denken. Neue Wege einzuschlagen.

Versuch das Mal. Nimm dir dieses Wochenende ein bis zwei Stunden Zeit. Such dir einen Aussichtspunkt. Laufe dorthin und lasse auf dem Weg bewusst deinen Alltag unten. Wenn du oben angekommen bist, dann blicke aus einer neuen Perspektive auf deine aktuelle Situation hinunter. Stell dir ein paar Fragen, wo du gerade stehst und wo du hin willst und was du tun solltest, um dorthin zu kommen. Und sei gespannt, was dann so passiert ;).

by spaghettihirn

Video und Foto von Philipp Jenny.

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